Die Ausrede mit dem sportlichen Abenteuer

Endlich begegnen sich Borussia und Fortuna mal wieder in der ersten Bundesliga. Das ist insofern super, da der geneigte Gladbacher nach dem Abstieg des 1.FC Köln einen rheinischen Gegner braucht, den man abnudeln kann. (Werksclubs aus Städten ohne eigenen Hauptbahnhof gelten nicht) Was mir aber noch fehlt, ist das alltägliche Derby-Dissen mit den Kumpels, denen leider Fortuna als Verein gegeben wurde. Und das liegt mitnichten daran, dass unser Aufeinandertreffen am zweiten Spieltag zum Geisterspiel verkommen könnte. Sondern weil sich die mir bekannten Düsseldorfer einfach beharrlich weigern, auf sportliche Argumente einzulassen. Und das nervt einfach nur.

Es ist doch so – in der Vergangenheit war es einfach. Der 1.FC Köln konnte mit der Achse McKenna, Chihi, Storch, Scherz oder ähnlichen Rasenschändern auflaufen – der dem Kölner inne wohnende Glaube, die Krone der Schöpfung zu sein, verursachte immer sportlich feinste Diskussionen. Wir konnten sie mehrfach in Folge gedemütigt haben, vor dem nächsten Derby erklärten mir alle meine Kölner erneut, warum sie sportlich einfach besser sein müssen. Eben weil sie per se geiler sind als wir “Rübenbauern” oder die sonstigen Fußkranken von Bayern, Mailand, Chelsea oder Barcelona. Scheiß auf Reus, Arango, Hanke, Hermann und Co. – mindestens vier Wochen vor dem Derby war ich Zeuge von Illusionen, wie uns Kevin Pezzoni abschießt. Im Alleingang! Seit Mai ist das ja nun etwas anders. Jetzt darf sich die Dorfjugend in Aalen, Regensburg oder Sandhausen die Mär von der kölschen Überlegenheit anhören. Erste Erfolge gab es ja schon in Braunschweig.

Zunächst verspürte ich keinen Verlust. Denn als Zeitzeuge kennt man ja die Hysterie, zu der das Düsseldorfer Prosecco-Publikum fähig ist. Hände reibend freute ich mich auf lustige Mystifizierungen von Spielern wie Andreas Lambertz und Tobias Levels. Ich wollte gespannt den Glauben an eine künftige Nationalmannschaftskarriere von Axel Bellinghausen beobachten können. Oder mich delektieren an Argumenten, dass die Erfahrung eines Jens Langenekes sportlich unbezahlbar und man deshalb mindestens auf Augenhöhe sei. Und noch mehr freute ich mich auf die logische, krachende Zurechtweisung sportlicher Natur durch die Borussia. Bääähm, 3:0 für uns und lange Gesichter gucken im Stadion! Was würde da meine Rivaltäts-Gefühle steigern. Ein perfektes Wochenende wäre unverändert. Statt Köln müsste man einfach nur Düsseldorf nehmen. Sprich: Sieg Borussia, Niederlage Fortuna. Aber irgendwie spielen meine Kumpels da nicht mit.

Immer wenn ich sie sportlich provoziere, geben sie die Handzahmen. Für den einen ist das mit der Bundesliga nur ein Abenteuer. Selbst wenn man alle Spiele verlieren sollte, wäre es ne geile Party. Mein Mitautor Benedikt gehört zu der zweitschlimmsten Sorte. Er gibt mir oft Recht, dass es sportlich eine schlimme Saison wird. Und dann gibt es da noch die Krönung. Ein nicht namentlich genannter Fan-Club, deren Mitglieder mich zum Kneipensport-Abend einladen. Dabei aber nicht über Gladbach herziehen, sondern mir dann den ganzen Abend über eklären: „Lass uns mit deiner Borussia in Ruhe, lass doch lieber was trinken!“ WAS SOLL DAS? Wenn ich in Köln in der U-Bahn laut “Borussia Mönchengladbach” brülle, bekomme ich selbst an Weihnachten Ärger. In Düsseldorf würde ich – Stand jetzt – nur zustimmendes Nicken bis betretendes Schweigen ernten. So geht das aber nicht! Ich brauche eure Missgunst – sonst ist es kein Derby! Es ist teilweise so schlimm, dass ich mir einen Aufstieg des 1.FC Köln wünsche. Und das kann ja nun in allen Belangen keiner wollen. Also liebe Fortunen, beschimpft mich! (cu)

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*