Die andauernde Fortuna-Müdigkeit

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Alter Held …

Warnung: Im nun folgenden Text wird recht persönlich und wenig analytisch in Richtung der just begonnen Fortuna-Saison 2015-16 genölt. Wer eher Erbauliches sucht, dem sei geraten, sich lieber nochmal die eine Saisonprognose der Rheinischen Post durchzulesen – der benutzt auch das Wort mit “Au” am Anfang. In den kommenden Absätzen ist sich ein solcher Positivismus nur schwerlich erkennbar.

Die Dauerkarte für diese Saison zu verlängern, kam eher einem Habitus gleich als einer bewussten Entscheidung für oder wider dem regelmäßigen Besuch der Multifunktionsarena am Düsseldorfer Messegelände. Meine Freunde machen’s; also mach ich es auch. Schließlich ist deren Gegenwart ja oft auch das einzige Highlight bei der Mehrzahl der Heimspiele in der zurückliegenden Saison gewesen. Und obwohl sich die Fortuna in den vergangen Wochen spielerisch gut und sinnvoll verstärkt hat und auch die neue sportliche Leitung einen vernünftigen Eindruck macht: Lust auf diese gerade angebrochene Fußballzweitligasaison habe ich keine. Also, so was von überhaupt nicht.

Die Gründe dafür liegen größtenteils in der vergangenen Saison begraben – der Abgang von Lumpi, die sportliche Führung und die Dauerquerelen in den Fanlagern. Unterm Strich war das vielleicht die beschissenste Fortuna-Saison, die ich je miterleben durfte. Klar, der Moment des Abstiegs in Liga Vier hat mehr geschmerzt. Für die letzte Saison habe ich mich allerdings regelrecht geschämt. Nicht, weil die Mannschaft in der Rückrunde derart schlecht gespielt hat und konsequenterweise eigentlich hätte absteigen müssen. Sondern wegen der vielen, unerfreulichen Nebenkriegsschauplätze, die sich auf den Rängen und in den Vorstandsetagen des Vereins die ganze Spielzeit 14/15 über aufgetan hatten. Wir alle glauben, Fortuna sei so ein einmalig geiler Verein. Doch was uns von innen betrachtet vielleicht besonders erscheinen lässt, erscheint von außen doch eher überheblich, lächerlich… typisch Düsseldorf eben.

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… neue Spieler

Vom “Zusammenhalt”, den Lumpi bei seinem Abschied anmahnte, war zumindest bei den Fans, die meinen, sich im öffentlichen Raum zu solchen Sachverhalten äußern zu müssen, wenig zu spüren, als bekannt wurde, dass die Dissidenti von nun an im Block 39, inmitten der der dort bereits beheimateten Fans, stehen würden. Auch wenn ein Teil des Dissidenti-Kollektivs bereits von einem harmonischen ersten Kennenlernen beim Blocktreffen in dieser Woche berichtete, überwiegt bei mir die Skepsis, ob dieses Fanpolitikum wirklich gut ausgehen wird. Dafür sind “die Dissidenti” vielen Menschen ein zu großer Dorn im Auge, um diesen Umzug einfach so hinzunehmen.

Und auf dem Platz? Da fehlt trotz der Hoffnung machenden Schlussphase in Berlin vor allem eins: ein Spieler, der Identität stiften kann. Noch immer bin ich überrascht davon, wie sehr der Abschied von Andreas Lambertz an mir nagt. Wenn dann auch Axel Bellinghausen im ersten Spiel auf der Bank versauert und Oliver Fink gar nicht erst im Kader ist, fehlt mir schlichtweg der persönliche Bezug zu dieser Mannschaft. Das soll keine Kritik am neuen Trainer sein. Kramer scheint taktisch mehr drauf zu haben, als seine letzten vier (!) Vorgänger zusammen. Aber Fortuna war ja auch in den besten Momenten selten Verstand und eigentlich immer nur Herz. Letzteres war bei mir am Sonntag zumindest nicht vorhanden.

Ob das wiederkommen wird? Ich weiß es nicht. Wer geht denn schon rein des sportlichen Erfolgs wegen zur Fortuna? Ich zumindest nicht. Und so habe ich meine Zweifel, ob diese Saison zu einer versöhnlichen werden wird.

1 Kommentar

  1. Wir haben doch letzte Saison MIT Fink, Lumpi und Axel von vorne bis hinten langweiligen Fußball geboten…auch, wenn wir gewonnen haben. In Berlin war es ganz anders! Ich glaube, daß die Spieler, die jetzt gekommen sind, auch wirklich gerne bei uns spielen.
    Und: was bedeutet das „W“ in deinem Logo?
    Gruß

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