Montags verdienst Du kein Geld

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Montags in Liga1?

Das sind sie also, die angekündigten “unpopulären Maßnahmen” der Deutschen-Fußball-Liga (DFL): Ab 2017/2018 soll es in der Bundesliga-Saison insgesamt fünf Spiele geben, die an einem Montag ausgetragen werden. Ein paar weitere werden dann Sonntags um 13:30 Uhr angepfiffen. Damit will die DFL die Auslands-Erlöse der Bundesliga steigern. Aufgeschreckt vom Rekord-Deal der Premier League in England opfern die Verantwortlichen wie ewig Gehetzte weiter den klassischen Bundesliga-Samstag. Nur damit vielleicht der ein oder andere Chinese ein paar Euro mehr auf die Lizenzgebühren legt, um sich Kracher wie Hoffenheim gegen Wolfsburg anzuschauen.

Natürlich gibt es jetzt bei der DFL die Stimmen, die sagen, dass es sich hierbei doch nur um ganz sanfte Veränderungen handelt, um einen fairen Kompromiss. Weit entfernt vom Öffnen der Büchse Pandorra. Doch das sagten die selben Herren schon bei der Einführung der Sonntagspartien. Diese Argumente werden dann auch wieder bei der übernächsten Zerklüftung des Spieltages kommen. Man wird sie auch hören, wenn irgendwann mal ein Zweitligaspiel Dienstags um 14:40 Uhr angepfiffen wird. Die ewig gleiche, einfallslose Leier für ein paar Kröten mehr.

Die große Gleichmacherei der Ligen

Womit wir wieder beim Kernproblem des deutschen Fußball-Kapitalismus‘ sind: Wenn es um Wirtschaft geht, ist die Historie stets ein schlechter Berater. Da können Ökonomen wie Thomas Piketty noch so sehr anmahnen, dass Wirtschafts- und Geschichts-Wissenschaften enger zusammen arbeiten sollten – die letzten, die sich danach richten werden, sind die deutsche Fußballplaner. So werden sie versuchen mit britischen Maßnahmen, die eigenen Ursprünge vergessend, englische Einnahmen zu generieren und sich am Ende wundern, warum die Lücke zwischen Bundesliga und Premier League nicht geschlossen wurde.

Denn schauen wir uns doch mal im Detail an, was passieren würde, wenn auch die Bundesliga auf Dauer mit diversen weiteren Anstoßzeiten ein noch größeres internationales Angebot an Fußballspielen schaffen würde. Wir leben nämlich nicht auf einer Insel und alles um uns herum ist egal. Nehmen wir doch einmal an, wir würden in den USA leben und wären ein großer Fan des europäischen Fußballs. Dann hätten wir am Wochenende die Chance, jedes Spiel aus Spanien zu sehen (dort startet als Partien des Spieltages zu unterschiedlichen Zeiten), könnten sonntags jede Menge italienischen Fußball verfolgen und zwischendurch – bis zum Montag – eine Menge englischen Fußballs. Dazwischen sprengselt sich mit einem eh schon ausgedünnten 15:30-Uhr-Samstag die Bundesliga, die man schauen könnte.

Mit der Konferenz gegen den Überfluss

Das hieße – durch die Bundesliga kommen noch mehr Spielzeiten dazu für eh schon übersättigte Fußball-Konsumenten in aller Welt. Ob das mehr Einnahmen bringen wird? Wahrscheinlich nicht, da gerade die englische und die spanische Liga das Alleinstellungsmerkmal der flexiblen Spieltagsgestaltung für sich haben. Niemand wird im Ausland – vorausgesetzt die Ligen halten ihr Niveau – verstärkt auf deutschen Fußball wechseln. Was die Bundesliga also stattdessen braucht, ist ein Anachronismus zu den Regelungen der anderen Ligen.

Schauen wir uns dazu mal an, was die Bundesliga zur Stadion-Liga gemacht hat. Durch die starke Fokussierung auf den Samstag und dem Start am Freitagabend war die Liga stets ein Zuschauermagnet. In Europa ist die deutsche Liga die am besten besuchte Liga. Die modernen Stadien tun ihr übriges dazu. Hinzu kommt die durchweg bezahlbare Preisgestaltung. Dies zu erhalten, ist nur möglich, wenn die Spielzeiten auch weiterhin attraktiv blieben. Vermehrte Sonntags- und Montagsspiele würden Gäste-Blöcke weiter leeren, die Stimmung würde leiden. Man sägt also am Alleinstellungsmerkmal.

Mehr Samstag statt weniger

Eine weiter exklusive und für den internationalen Geschmack befremdliche Instution würde durch die weitere Spieltagszerklüftung leiden. Die Samstagskonferenz hätte endgültig keine Dramatik mehr. In England, Spanien und Italien schütteln sie über die Samstags-Konferenz häufig den Kopf. Das liegt aber nur daran, dass die im Radio entstandene Konferenz-Kultur schlecht vermarktet wird. Würde man für diesen Exoten etwas stärkere Werbung machen, bliebe er zwar einer. Aber ein äußerst attraktiver mit vielleicht höherer Nachfrage. Um es ganz kurz zu sagen: Es braucht nicht weniger von „Samstag 1530“ sondern deutlich mehr! Warum überlässt man den Freitag nicht der zweiten Liga, würde Samstags sieben Partien um 15:30 Uhr starten lassen und den Sonntag für die Europa-League-Teilnehmer zur Entlastung so belassen? Zumindest wäre der Markenkern der Bundesliga gestärkt und somit vielleicht auch das Interesse an den Übertragungsrechten. Aber solche Visionen sucht man bei der Fußball-Liga vergebens. Man hechelt lieber den Regelungen der anderen hinterher als die eigenen gut zu finden. Ohne dabei zu merken, dass nur die Premier League das Original ist und die Bundesliga – bei weiteren traurigen Versuchen den englischen Wanderzirkus zu kopieren – an der eigenen Belanglosigkeit arbeitet. Am Ende steht ein liebloses Produkt, so lieblos wie die Anzüge von der Stange, die deutsche Liga-Funktionäre nun mal so tragen. Und es ist nicht mehr lange bis zu Fan-Generationen, die Samstags-Spieltage nur noch aus wilden Erzählungen kennen.

5 Kommentare

  1. Die neuen Anstoßzeiten sollen aber nicht aus dem Ausland mehr Geld bringen, sondern vom deutschen (Pay-)TV. Damit Sky (oder ein anderer Sender) mehr Sendezeit mit Bundesliga bestücken kann. Zudem geht es meinem Verständnis nach bei den zehn Spielen, die auf Montag bzw. Sonntagmittag verlegt werden sollen, um Spiele, die bislang Sonntags um 17.30 Uhr angepfiffen werden. Mit der Samstagskonferenz hat dieser aktuelle Plan daher wenig zu tun.

    • Im Kern geht es doch wohl um die Auslandsvermarktung, auch wenn die DFL natürlich was anderes behauptet. Aber zu glauben, dass der deutlich schwierigere Pay-TV-Markt in Deutschland gleiche Summen wie in Großbritannien abwerfen kann, bietet man mehr Einzelspiele an, ist doch eine sehr kühne Annahme. Dass von der Samstagskonferenz ein Spiel genommen wird, behaupten wir in dem Text zudem nicht. Lediglich stellen wir die These auf, dass der Samstag vielleicht gestärkt werden sollte (Abschaffung Freitagsspiele sowie Top-Spiel 18.30 Uhr zum Beispiel), was jedoch mit den aktuellen Plänen wenig zu tun hat, sondern lediglich eine Idee darstellen soll. (Stichwort: Markenkern stärken)

      • Du weißt wohl selber nicht was du schreibst… ich zitiere aus dem oben stehenden Text:“es braucht nicht weniger von Samstag 1530″ und aus deiner Antwort zu dem Kommentar:““dass von der samstagskonferenz ein Spiel genommen wird, behaupten wir in dem Text nicht.“ Also ich finde schon das in dem Text behauptet wird, dass ein spiel von der Samstag 1530 gestalten entnommen wird.. die neue Spielzeit ist auch dafür da damit die Spieler die international auch ranmüssen ein wenig mehr Pause bekommen da Fußball auf diesem Niveau Hochleistungssport ist und man mindestens 3 spiele in 7 Tagen eigentlich niemanden zumuten kann.

  2. Im Grunde sollte man die Fans stärken. Meiner Meinung nach hat die Bundesliga, wenn man die gesamte Liga betrachtet, die lautesten und stimmungsvollsten Fans in Europa. Das ist das Alleinstellungsmerkmal der Bundesliga und daran sollte gearbeitet werden, um später damit werben zu können. Alkoholverbote, Angstmacherei des Stadionbesuches sowie für Auswärtsfahrer unfreundliche Zeiten zerstören eben diese Alleinstellungsmerkmal.

  3. Interessanter Ansatz, zumal ich die Konferenz selber auch schaue, wenn mein Verein nicht selber spielt. Aber machen wir uns nichts vor: Die Montagsspiele werden kommen, ebenso die Sonntags-„Mittags“-Spiele.

    Ich sehe es genauso einer meiner Vorredner. Die Zerklüftung dient einzig Sky (oder wer immer die Bundesliga in Zukunft überträgt). Mehr Live-Fußball hintereinander möglich.

    Ist natürlich totaler Mist, aber so lange wir dennoch wie die Lemminge alles im TV gucken, in die Stadien rennen (egal ob auswärts oder heim: die Stadien sind voll), wird es weiter in Richtung neun Anstoßzeiten gehen.

    Die Frage ist nur: Wann kippt die Begeisterung?

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