Der neue Lattek der Borussia

msv-pauli-0582Borussia Mönchengladbach hat den Vertrag mit André Schubert verlängert. Um ganze zwei Jahre. Für den 45-Jährigen dürfte es eine wichtige Bestätigung sein, für die Borussia ein gutes Kalkül.

Natürlich gelten im Fußball Verträge schon lange nicht mehr so viel wie in den Anfangstagen der Bundesliga. Insofern sollte man die zweijährige Verlängerung für André Schubert nicht überbewerten. Aber andererseits ist die Entwicklung bei dem Trainer der Gladbacher beeindruckend. Aus einer Übergangslösung mit schwieriger Vorgeschichte ist ein etablierter Bundesliga-Trainer geworden.

Zumindest nach Ansicht von Gladbachs Sportdirektor Max Eberl. „André macht sehr gute Arbeit.“, sagt Eberl zur Begründung der Verlängerung, um dann noch die beeindruckenden Zahlen des Trainers vorzulegen. Binnen eines Jahres hat Schubert mit seiner Mannschaft 65 Punkte geholt, die Champions-League erreicht und einen der besten Saisonstarts in der Geschichte der Borussia hingelegt.

Aus der Mini-Krise in die Vertragsverlängerung

Was das alles allerdings nicht sagt, ist, dass die Welt vor anderthalb Wochen noch anders aussah. Die Borussia hatte ihre übliche Dummdoof-Niederlage in Freiburg kassiert, war auch aufgrund taktischer Fehleinschätzungen in Manchester untergegangen. Zu Beginn der jetzt abgelaufenen englischen Woche mit Partien gegen Bremen, in Leipzig und gegen Ingolstadt war spürbar, warum Schubert immer noch nicht als gesettelt angesehen werden durfte.

Hätte man bei seinem Vorgänger Lucien Favre nur eine schlichte und beruhigte Neugier gehabt, wie der Monsieur die Fehler aus Freiburg und Manchester gedenkt zu verbessern, waren bei Schubert sicher mehr Leute verunsichert als beruhigt. Was, wenn man keine Punkte holt? Die Abwehr weiterhin so instabil bleibt? Bremen stand mit dem Rücken zur Wand, solche Gegner sind immer gefährlich. Leipzig war ein Auswärtsspiel gegen einen Gegner mit guter Form und Euphorie. Und Ingolstadt drohte da schnell zum Fiasko gegen einen fiesen Gegner zu werden.

Drei Spiele, drei Varianten, drei Erfolge

All das war jedoch unnötige Angst. Das ganze wehmütige Blicken nach Nizza, wo Lucien Favre aktuell mit OGC die französische Liga aufmischt, war Blödsinn. Denn diese Woche hat gezeigt, dass die Borussia auch unter André Schubert weiter reifen wird und kann. Gegen Bremen spielte man einen schlechten Gegner erst an die Wand, um es dann schonend zu Ende zu bringen. Das Schweinespiel in Leipzig brachte der spielerisch hoch veranlagten Truppe einen verdienten Punkt und gegen Ingolstadt wirkte die Abwehr – bis auf die erste Minute – im Sattel und das Aufbauspiel geduldig. Alles sichtbare Entwicklungen, weil jeder Punktgewinn auf unterschiedliche Weise zustande kam, was für die Varianz der Mittel spricht.

Statt also über eine Krise zu diskutieren und schon die Namen möglicher Übungsleiter im Kopf durchzudeklinieren, beendet Max Eberl vorerst alle Diskussionen, die einem so im Herbst gedroht hätten. Mit der Vertragsverlängerung bekommt der Verein wieder Mal Ruhe geschenkt, der Sportdirektor setzt sogar vor dem für den Verein bedeutsamen Champions-League-Spiel gegen Barcelona einen Impuls, der vielleicht ein klitzekleines Fenster für einen Punktgewinn öffnet. Niemand wird von heute an kritisch auf den Trainer schauen. Zum einen weil er erfolgreich ist, zum anderen, weil sein Vertrag nun nicht mehr am Saisonende endet sondern erst im Sommer 2019. Eine solche Richtungsentscheidung sollte das ganze sportliche Personal noch weiter beruhigen und in dem Weg bestärken.

Der Borussen-Lattek der Moderne?

Das sollte allen voran André Schubert freuen. Dieser dementiert zwar immer, dass ihn die ganze Diskussion um ihn berühre. Aber er wird es schon mit Genugtuung sehen, dass sein zweites Jahr bei der Borussia von Beginn an in anderen Bahnen läuft als damals auf St.Pauli. Damals stürzte er gleich zum Start nach einem guten ersten Jahr ab. Das sollte ihn in Gladbach nicht passieren. Entsprechend kann er sich jetzt um die Baustellen kümmern, die der Verein in der Tat noch hat, wie zum Beispiel die Auswärtsschwäche und die sich immer noch zu stark ähnelnden Abwehrfehler, die nach Lösungen schreien.

Im Grunde ist das alles eine nette Pointe und Reminiszenz an die Geschichte der Borussia. In einer Zeit, in der Champions-League-Teilnahmen so wertvoll sind wie eine Meisterschaft, zwängt sich ein historischer Vergleich auf. Sicher verdankt Schubert seinen Erfolg der Aufbauarbeit seines Vorgängers Lucien Favre, den die Menschen in Mönchengladbach inzwischen gerne Mal verklären. (Wir erinnern uns: Auch Favre stand im zweiten vollen Jahr unter Druck, seinen Erfolg zu bestätigen und haderte mit dieser Diskussion.) Eine solche Sicht auf die Trainergeschichte hat es schon einmal gegeben. So gibt es selbstredend die Hennes-Weisweiler-Allee am Stadion. Aber eine Udo-Lattek-Gasse sucht man in Mönchengladbach vergeblich. Auch wenn Lattek einst, wie Schubert heute, die Arbeit seines Vorgängers sinnvoll und ähnlich erfolgreich weiter weitergeführt hatte – entgegen der Kritik vieler.

Foto: xtranews.de

2 Kommentare

  1. Hallöchen!
    Na da habe ich eben nochmal im Meisterschaftsblog kommentiert und sehe jetzt diesen neuen Beitrag.
    Danke für diese wirklich sehr objektive Betrachtung! Du schaffst es ja wirklich noch, Dich mit dem Trainer anzufreunden. Grins, jetzt höre ich aber definitiv auf, zu sticheln.
    Nochmal danke, viel Spaß in unseren nächsten Spielen und – as usual –
    einen freundlichen Rautengruß
    Norbert

  2. Ich glaube auch, dass es nicht nur für Schubert sondern auch für Gladbach sehr gut ist diesen Trainer zu haben. Auch wenn ich im Moment sagen muss, dass ich mir einen bisschen mehr Konsequenz erhoffe. Dann können die Gladbacher auch solch ein Spiel wie gegen Barcelona gewinnen oder zumindest einen Punkt mitnehmen.

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