„Wieder ein angesehener Club“

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Abstreiter (li.), Kreutzer (re.)

Der Pflichtspielauftakt für die Düsseldorfer EG ist geglückt – drei Wochen vor dem Liga-Start wurde die Premiere in der Champions-Hockey-League gewonnen. Gegen Linz aus Österreich gab es einen 6:3 Sieg. Wir haben vor dem nächsten Spiel gegen Turku mit den beiden Chef-Trainern gesprochen. Christof Kreutzer (48) und sein Assistent Tobias Abstreiter (45) gehen entspannt in ihre zweite Saison an der Bande des Tradtionsclubs. Vor einem Jahr noch skeptisch beäugt, gilt das Konzept der beiden Trainer inzwischen als richtungsweisend für das Deutsche Eishockey.

Christof Kreutzer, wissen Sie nach den all den Jahren noch, seit wann Sie bei der DEG sind?

Kreutzer: Das weiß ich sehr genau. Wir bekommen jährlich einen Mitgliedsausweis. Ich habe meinen jetzt wieder erhalten. Und da steht drauf, dass ich seit dem 15.1.1974 Mitglied bei der Düsseldorfer EG bin.

Das sind mehr als 40 Jahre Glamour, Ballyhou, Titel, Triumphe aber auch Skandale, Abstürze und was man sonst noch so für Probleme im Eishockey haben kann. Da muss sich die derzeit^ solide Phase doch wie die Arbeit in einem völlig neuen Club anfühlen?

Kreutzer: Nun ja, die ersten beiden Jahre nach dem Metro-Ausstieg als Sponsor waren hart. Da standen wir immer kurz vor dem Ende. Und auch in der Metro-Zeit war zwar genug Geld da, aber da hat man sicher nicht alles richtig gemacht. Ich drehe es mal um: Wenn wir im Moment bei Veranstaltungen auftauchen, dann ist da schon viel Zuspruch. Oder nur zum Beispiel der Auftakt in der Champions Hockey League jetzt gegen Linz. Da liegen wir schnell 0:2 hinten und trotzdem kommt keine Sekunde Murren von den Rängen. Wir sind nach dem Erfolg in der vergangenen Saison und der schweren Aufbauarbeit wieder ein angesehener Verein. 

War das vor zehn, 20 Jahren so anders?

Kreutzer: Zu Zeiten der Metro zum Beispiel waren wir deutlich anonymer unterwegs. So ein wirkliches Familiengefühl, wie zu Beginn der 90er, gab es da kaum. Irgendwie ist es uns als Verein lange nicht gelungen, nah an den Fans zu sein, für die greifbar zu sein. Jetzt sind wir in der Stadt wieder da, DEG-Spieler werden wieder als was Besonderes gesehen, ohne dass man das Gefühl haben muss, dass einer abhebt. Dies zu ändern, ist uns gut gelungen. Wir haben versucht, diese Nähe als Trainer vorzuleben.

Kann sowas aber nicht auch einfach daran liegen, dass die Mannschaft im vergangenen Jahr das Überraschungsteam der Liga war, ins Halbfinale kam und sich für die Champions League qualifiziert hat?

Kreutzer: Wir hatten zumindest die Basis, schon vorher gelegt, wieder ein sympathischer, nahbarer Club zu sein. Ich denke, wir hätten diesen Zuspruch jetzt auch, wenn wir nur ins Viertelfinale der Play-Offs gekommen wären. Eher lag es an Ereignissen wie dem Winter Game. Da hat die DEG ein in ganz Deutschland beachtetes Derby vor einer Rekordkulisse gewonnen. Man darf auch nicht die beiden Spielzeiten am Tabellenende vergessen. Da haben wir den Leuten gesagt, dass wir kein Geld haben; öfter verlieren werden. Wir mussten den Laden komplett runter fahren und wieder gezielter auf Sponsoren – auch im kleineren Bereich – zugehen. Im Grunde haben wir gesagt: “Wir kämpfen von nun an glaubwürdig um jeden Tag in der ersten Liga.” Ich denke, die Leute haben uns das abgekauft und honorieren das jetzt umso stärker.

Tobias Abstreiter, welches Image hatte und hat die Düsseldorfer EG für Sie?

Abstreiter: Als ich Ende der 80er Jahre angefangen habe, da war die DEG schon ein großer Club, die Meisterschaften Anfang der 90er kamen dann noch dazu. Gegen diesen Verein zu spielen war besonders. Man war als Gegner oft sehr motiviert. Bei dem Club wollte man spielen, das kann man schon einen Traum nennen. Ich habe immer gerne hier gespielt – ob an der Brehmstraße oder im Dome. So diese alten Vorwürfe, die es hin und wieder gab, von wegen arroganter Club und so, hab ich persönlich so nicht empfunden.

Was ist dann in den Metro-Zeiten schief gelaufen, dass genau das verloren gegangen ist?

Kreutzer: Gute Frage. Ich bleib mal beim unserem Champions League-Auftakt gegen Linz. Hätten wir zu Metro-Zeiten so schnell 0:2 zurückgelegen, hätten die Leute gepfiffen.

Warum?

Kreutzer: Ist schwer zu sagen. Zum einen, weil wir uns inzwischen das Vertrauen, auch einen Rückstand drehen zu können, erarbeitet haben. Aber das ist ja nicht alles. Es lag ja auch nicht nur an dem Namen Metro, weswegen uns selbst die eigenen Leute nicht mehr mochten. Ich kann nicht sagen: `Scheiße, dass die Metro so viel Geld investiert hat und der Verein sich umbenannt hat.’ Das werde ich nicht tun. Aber man hätte mit dem Geld vielleicht das ein oder andere besser machen können. Der Verein wurde halt zur Metro-Zeit wie ein Konzern geführt. Das hat das Familiäre beeinträchtigt. Und bei so einem Image wird halt vielleicht schneller gepfiffen, weil man weniger Fehler von einem solchen Unternehmen erwartet. Dennoch muss man der Metro insgesamt sehr dankbar sein. Ohne sie säßen wir jetzt nicht hier.

Beim nächsten Großsponsor wird also alles anders?

Kreutzer: Das muss so sein. Einfach mal ein blödes Beispiel. Selbst wenn wir dann vielleicht mal DEG Henkel-Fighters heißen, weil der Chemiekonzern in der Stadt das zur Bedingung eines Sponsorings machen würde: Es darf nie wieder passieren, dass wir zumindest von den Werten her nicht mehr die DEG sind, egal wie der Club dann heißen mag. Wir haben nach dem Ausstieg der Metro verstanden, dass die DEG immer familiär und für die Menschen nahbar sein muss, um eine Chance zu haben, akzeptiert zu werden. Wir müssen nach außen als ehrlich wahrgenommen werden!

Schauen wir mal auf die aktuelle Saison: Sie haben erfahrene Spieler mit gutem Namen geholt, einen Stamm an etablierten deutschen Spielern gehalten und neue junge Talente dazu geholt. Ist das der Versuch, sportlichen Erfolg in einer sehr schwer kalkulierbaren Branche planbar zu machen?

Kreutzer: Eishockey ist halt so, wie es ist. Insofern kannst Du nicht sagen: ‘Wir holen jetzt den und den Spieler und in drei Jahren spielen wir vor 10.000 Zuschauern um die Meisterschaft.’ So einfach geht das nicht. Aber Du kannst eine Mannschaft mit der richtigen Mischung aufbauen: Indem Du erfahrene, ältere Profis nimmst, eine größere Gruppe etablierter Spieler um die Mitte 20 hast, außerdem junge Spieler, die schon die ersten größeren Erfahrungen als Profi im Kader gemacht haben, ebenso wie ganz junge Talente, denen Du aber auch Eiszeit gibst. Wenn das dann alles auch charakterlich passt, dann kannst du mit so einer Truppe erfolgreich sein. So schlägst Du zum Beispiel Teams, die sich zu viele Stars holen und sich dann wundern, dass es mit der Zahl an Häuptlingen im Team schief geht.

Wie scoutet die DEG die Spieler, die ins Profil passen?

Abstreiter: Das ist eben genau das Schwierige. Im Fußball hast du riesige Scouting-Abteilungen. Das gibt es im Eishockey nicht. Zumindest nicht bei uns in Deutschland. Wir haben ein Netzwerk aufgebaut – Leute, denen wir vertrauen, und die uns Tipps geben, wen wir verpflichten können. Auch für Nordamerika.

Bekommen Sie jetzt bessere Spieler angeboten?

Kreutzer: Es ist zumindest wieder so, dass angesprochene oder interessierte Spieler sich nicht mehr verstecken müssen, wenn sie mit uns reden. In den Jahren am Tabellenende galten wir sicher nicht als förderlich für die Karriere etablierter Spieler. Aber wir haben das ja Stück für Stück verändert. Viele haben unser Konzept mit den jungen Spielern und der offenen Kultur gesehen; es auch verstanden. Da schaffst Du es dann auch mal, dass sich ein Norm Milley für deinen Club entscheidet, nachdem er in Wolfsburg keinen Vertrag mehr bekommen hat.

Und trotzdem: auch wenn ihr nominell den Kader verstärkt habt – es könnte nicht so gut wie im vergangenen Jahr laufen.

Abstreiter: Das kann passieren – klar. Aber ich sehe das nicht als Problem. Man muss seine Ziele ja realistisch nach außen kommunizieren. Wir können doch nicht ernsthaft behaupten, jetzt in diesem Jahr schnell den nächsten Schritt gehen zu wollen. Das hieße ja als Ziel mindestens die Vize-Meisterschaft. Das wäre in einer ausgeglichenen Liga wie der DEL nicht glaubwürdig. Wir sollten daher darauf achten, dass wir realistische Ziele formulieren, also den Leuten sagen: ‘wir wollen mindestens in die Play-Offs.’

Kreutzer: Hinzu kommt ja auch – schaut Euch an, wen wir in der vergangenen Saison hinter uns gelassen haben: Berlin, Nürnberg, Hamburg – alles gute Teams. Und Köln zum Beispiel. Die rüsten gerade auf, als wollten sie Weltmeister werden. Ob so was gut geht? Fakt ist jedoch: All diese Vereine haben sicher nicht das Ziel, wieder hinter uns zu landen. Von daher kann es durchaus sein, dass wir erfolgreich und gut spielen, trotzdem aber nicht so weit kommen, wie in der vergangenen Spielzeit. Weil Spiele gegen nahezu sämtliche Teams nun einmal eng sind. Im Gegenzug sage ich aber auch: Wenn Du dann einmal in den Play-Offs stehst, ist alles möglich. Einen Durchmarsch durch die Play-Offs darfst Du aber nicht als Ziel formulieren, sondern solltest auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Und auch nicht vergessen, dass auch bei den kleineren Clubs das Niveau besser geworden ist. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Schwenningen noch einmal Letzter wird.

Aber ehrlich gesagt, sich erneut für die Champions Hockey League zu qualifizieren, hätte doch was. In Düsseldorf scheint man die neue CHL zu mögen?

Kreutzer: Ich finde die CHL super. Wir sollten genießen, dass wir dabei sind. Es sind Spiele auf einem anderen Niveau. Bei uns ist die Halle gut gefüllt. Die Spiele laufen im Fernsehen: Dadurch wird der Sport stärker wahrgenommen. Für mich ist diese Liga ein wichtiger Baustein, Eishockey wieder bekannter und auch beliebter zu machen.

Wirkt wie eine exklusive Meinung aus Düsseldorf. Nach den ersten Spielen bis zum Interview liegen Berlin und die DEG an der Spitze der Besucherzahlen. Mit etwas über 6.500. Dann kommt der Dritte mit tausend Zuschauern weniger und alles weiter pendelt sich dann bei nicht so berauschenden 4.000 ein.

Kreutzer: Das stimmt, das kann besser sein. Aber nicht vergessen: die CHL gibt es jetzt erst zum zweiten Mal. Letztes Jahr haben vor allem die deutschen Clubs den Wettbewerb als bessere Testspiele gesehen. Das ist in diesem Jahr anders und auch wichtig. Stell Dir vor, im Fußball würde man die Champions League so sehen und Leverkusen würde sagen, was man da für tolle “Testspiele” gegen Lazio Rom hat. Die würde man doch komplett auslachen. Auf die Idee kommt doch keiner. Und so sollten wir Clubs die CHL als vollwertigen, großartigen Wettbewerb sehen. Aber ich glaube, wir sind da auf einen guten Weg. Alleine, dass da bei unserem Auftakt so viele da waren: an einem Samstag, an dem die Fortuna vorher gespielt hat und die Sonne ein super Wetter hingelegt hat. An so einem Tag fällt einem jetzt nicht sofort ein, Eishockey zu schauen.

War das Stadion nicht vor allem deshalb voll, weil die Düsseldorfer EG die Tickets so günstig gemacht hat? Dauerkarten-Inhaber kamen sogar gratis rein.

Kreutzer: So würde ich das nicht sehen. Zum einen: Die Dauerkarteninhaber waren dann ja auch da – hätten die Tickets ja auch verfallen lassen können. Und wenn wir die üblichen Preise verlangt hätten, gehe ich soweit, dass wir trotzdem deutlich über 5.000 Zuschauer gehabt hätten. Das wäre auch nicht schlecht gewesen. Aber wir wollen die Leute auch gezielt an den Wettbewerb heranführen. Da finde ich es in Ordnung, wenn der Eintritt sehr viel preisgünstiger gestaltet wird. Zudem sich in dem Fall  viele Leute es sich leisten konnten, zur Fortuna und auch zur DEG gehen zu können. Da habe ich mit einigen zufriedenen Leuten gesprochen, die gerade die Preisgestaltung sehr gut fanden.

Abstreiter: Aber selbst für die ganz alten Fans ist das alles neu. Früher gab es internationale Pokale im Winter. Jetzt im Sommer. Selbst die hartgesottenen und erfahrenen Fans musst Du also dafür begeistern, dass sich mit der CHL die Zeiten ändern.

Sie wollen also sehr weit kommen?

Kreutzer: So weit, wie es geht, wir nehmen alles mit…

… keine Angst vor der Doppelbelastung?

Kreutzer: Nö!

Im Fußball heißt es doch von angesehenen Physiotherapeuten, dass man mindestens zwei Tage Regeneration braucht?

Abstreiter: Ach, der Fußballvergleich. Das sind doch ganz andere Sportarten. Ich glaube, der eine oder andere sollte erst einmal auf dem Niveau beide Sportarten betrieben haben, um Regeln aufstellen zu können. Ich meine, was soll man dann bei der Weltmeisterschaft sagen? Im Eishockey spielst Du bei dem Turnier fast täglich. Oder in der NHL: 82 Mal alleine in der Hauptrunde.

Kreutzer: Du trainierst ja auch im Eishockey anders. Da haust Du doch nicht im Training zwischen den Spielen voll rein.

Wo wir schon mal wieder beim Fußball sind. Kann man diesen Sport in seiner Popularität verdrängen? Oder zumindest ein paar Prozentpunkte bei den Marktwerten klauen?

Kreutzer: In Deutschland wird kein Sport dem Fußball vom Thron stoßen. So einfach ist das. Wir können nur ein wenig bekannter und besser werden, wodurch wir etwas mehr Marktanteile holen. Zwar nie auf dem Fußball-Niveau. Aber wir müssen trotzdem als Eishockey zulegen. Das heißt, bessere Strukturen müssen geschaffen werden. Wir brauchen einen Verband, der wieder mehr in die Ausbildung investiert. Auch in den Clubs braucht es mehr Eiszeit für junge Spieler, wodurch wir für den Nachwuchs attraktiver werden. Das ist ein langer Weg…

…den die DEG für sich als den richtigen erkannt hat – zumindest im Bezug auf junge Spieler aus Deutschland?

Kreutzer: Da ist was dran. Nur ein Beispiel. Wir haben den 18-jährigen Max Kammerer verpflichtet – er kommt aus dem Nachwuchscamp von RedBull. Ein sehr großes Talent. Ich hab vor der Verpflichtung mit dem Vater gesprochen. Er sagte mir: In der ersten Deutschen Liga gibt es eigentlich nur die DEG, die jungen Spielern ausreichend Eiszeit gibt, um sie kontinuierlich weiter zu entwickeln. Guck dir Straubing an. Die haben wenig Geld, setzen aber auf das gute Netzwerk ihres Trainers in Nordamerika statt auf eine größere Zahl an Jungs wie Max Kammerer. Oder Iserlohn, die mit vielen etablierten Kanadiern arbeiten, die sie einbürgern. Ich bezweifele, dass sowas auf Dauer gut für das Eishockey in Deutschland ist.

Wie sollen die Clubs es anders lösen? Es geht doch im Sport darum, möglichst schnell erfolgreich zu sein. Und nicht jeder musste mangels Geld auf junge Spieler setzen wie die DEG. Wie kriegen die Clubs einen solchen Schritt ohne Not vermittelt? Oder fragen wir so: Wenn die DEG auf einmal 15 Millionen von einem Sponsor pro Saison bekommt, kauft der Club doch genauso ein wie Mannheim oder Berlin?

Kreutzer: So lange ich was zu sagen habe, wird sich auch mit einem Großsponsor an unserem bisherigen Konzept nichts ändern. Dann werden wir versuchen, trotzdem gute Nationalspieler aufzubauen, statt sie zu kaufen. Man kann das Geld ja auch anders anlegen. In der Jugendförderung oder in ein besseres Nachwuchsscouting. Einen Titel mit aller Macht zu erkaufen, geht sowieso nicht. Schaut Euch doch nur Mannheim an, wie oft sie mit teuren Teams gescheitert sind, bis sie jetzt in diesem Jahr endlich mal wieder den Titel holen konnten. Insofern musst Du das gesund machen und eine gute Mischung aufbauen. Mit diesem Weg kannst Du – selbst bei steigendem Druck – vermitteln, dass Du mit einem neuen Großsponsor nicht sofort andere Mannschaften leerkaufst. Und wer sagt mir außerdem, dass sich nicht dauernd Spieler verletzen. Bei uns fallen doch jetzt mit Christoph Gawlik, Jakub Ficenec und Daniel Fischbuch drei Spieler länger aus, weil sie in den Spielen was abbekommen haben. Wie will ich das planen? Da kann ich noch so viel Geld haben – sowas kann Dir Probleme bereiten.

Wird es das? Wie ist Ihr Eindruck nach dem ersten Pflichtspiel gegen Linz, wo ja bereits Gawlik und Ficenec fehlten?

Abstreiter: Es könnte klappen, die Ausfälle zu kompensieren. Und es bietet ja die Chance, die jungen Spieler auf das Eis werfen zu können. Beispiel Max Kammerer …

Kreutzer: … auf den ich mich total freue, ihn in den nächsten Pflichtspielen einsetzen zu können. Bei all den Ausfällen hast Du dann eben so eine Überraschung dabei. Wobei wir sagen müssen, wir haben ihm ja nicht umsonst einen Vertrag über drei Jahre gegeben. Und dafür stellen wir den Kader ja auch mit jungen Spielern breit auf – bei Ausfällen können wir die Jungs dann schnell einsetzen.

Abstreiter: Es ist ja das Ziel, dass die Jungs uns dann auch schnell das Vertrauen zurück zahlen und wir dadurch unser Fundament an jungen Spielern ausbauen.

Ist da die ungeduldige, event-orientierte Düsseldorfer Szene nicht hinderlich? Dieses DEG-Konzept beinhaltet ja auch Geduld?

Kreutzer: Das mag sein, dass Düsseldorf so ist. Das ist ja fast überall so. Ein Event-Lokal wird schnell überrannt, auch Fortuna und wir, wenn wir erfolgreich sind, müssen dann mit Event-Guckern leben. Aber ich glaube nicht, dass unser Weg so ein Problem ist. Das kriegen wir schon vermittelt. Und es sind ja nicht nur Event-Fans im Stadion. Das ist ja Quatsch. Da ist die Fortuna doch ein gutes Beispiel. Echte Fans dieses Clubs haben doch ziemlich alles an Mist miterlebt, was im Fußball so machbar ist. Und trotzdem kommen die Fans da weiter hin. Selbst nach diesem nicht so optimalen Start jetzt haben die weit über 25.000 Zuschauer. Das ist nicht übel und ich glaub auch gar nicht, dass denen bei schlechteren Leistungen noch mehr Leute abspringen.

Fortuna hat also seine neuen Fans aus der Zeit, wo sie mal wieder “in” war, zu dauerhaften gemacht?

Kreutzer: Das mag sein. Aber was ist daran so schlimm, wenn man wieder “in” ist und die Leute kommen? Wir müssen den Event-Fans dann nur sagen,  dass auch mal eine Niederlage dazu gehört. Da ist es an uns, das zu transportieren. Da gilt es den Düsseldorfer Bürger zu überzeugen, dass wir eben nicht mehr diejenigen sind, die große Versprechungen machen und jeden Titel mit dem Mund gewinnen.

Und am besten auch an der “Brehmstraße”?

Kreutzer: Oh je, die Nummer. Also ich sage es mal ganz deutlich: Wenn ich mir die Fans anschaue, die hinterm DEG-Tor stehen und Stimmung machen, die sind so jung – die haben das doch gar nicht mehr erlebt. Wie sollen die das vermissen? Und auch der Rest jammert immer weniger den guten alten Zeiten an der Brehmstraße hinterher. Alleine wie sich die Stimmung im vergangenen Jahr kontinuierlich gesteigert hat: Kann mir doch keiner sagen, dass das an der Brehmstraße besser war. Außerdem: Ich glaube kaum, dass uns die Stadt jemals wieder einräumen wird, an der Brehmstraße Profi-Eishockey zu spielen. Aber das wollen wir auch gar nicht mehr. Ich bin glücklich mit dem ISS Dome und wäre dort am liebsten erfolgreich mit einem nahbaren, sympathischen Konzept und einer gut entwickelten Mannschaft. Auf Dauer mit dem Anspruch, immer in den Play-Offs vertreten zu sein. Denn wenn Du die erreichst, dann dürfen wir alle – Fans, Spieler und Verantwortliche träumen, gerne auch mal irgendwann vom Titel.

Christof Kreutzer, Tobias Abstreiter, wir danken für das Gespräch.

2 Kommentare

  1. Da arbeiten zwei sympathische, glaubwürdige, fleißige Männer mit Konzept. Einfach super und ein tolles Bild, das die beiden abgeben. Respekt auch an die Gesellschafter, die das Trainerteam in dieser Form machen lassen.

  2. Gute Fragen, gute Antworten. Schön, mal ein langes und ausführliches Interview zu lesen. Und zwar eins, das komplett ohne Phrasen auskommt. Da ruft keiner Leistung ab, da ist der nächste Gegner nicht der schwerste. Danke dafür. Solltet ihr häufiger machen. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir ne Nachfrage gewünscht, aber grundsätzlich super.

    Kreutzer und Abstreiter haben eben richtig was in der Birne und einen realistischen Blick auf die Dinge. Vielleicht bringt es doch etwas, zwar gut, aber nicht richtig viel zu verdienen. So bleibt man ein Teil der normalen Menschen und kann Sachverhalte realistisch einschätzen. Mit den beiden hat die DEG auf jeden Fall einen Glücksgriff getan. Hoffen wir, dass sie auch dann bleiben dürfen, wenn es mal nicht so läuft.

    Zugegebenermaßen war vergangene Saison – abgesehen von Verletzungen und Schiedsrichter-Entscheidungen – auch ziemlich viel Glück dabei. Übermensch Beskorowany hat Spiele alleine gewonnen. Die richtigen Teams waren in der Krise. Hamburg in den Play-offs wegen der vielen Verletzten dann körperlich nicht in der Lage, über sieben Spiele mitzuhalten. Spielerisch hätten sie es locker gepackt.

    Trotzdem: Das größte Problem sehe ich abseits des Eises. Bis auf die PSD Bank gibt es kaum einen echten externen Sponsoren. Der Rest ist mit den Gesellschaftern verbandelt oder im weitesten Sinne steuergeldfinanziert. Und ob ein Mann wie Paul Specht das Ruder herumreißt, wenn es ein renomierter und vernetzter Mann wie Rotthaus schon nicht schafft? Das muss sich ändern. Denn wenn Hoberg/Ponomarev mal keine Lust mehr haben oder nicht mehr können, sieht es ganz düster aus.

    Dieser Themenbereich ist übrigens der einzige, der mir in den Interview fehlt. Aber ansonsten wirklich wohltuend, mal ein so langes Gespräch mit den beiden zu lesen. Danke dafür.

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