Die Firma steht unter Druck

Die Düsseldorfer EG hat einen der größeren Umbrüche in ihrer jüngeren Geschichte hinter sich. Die Folge ist schöneres Eishockey. Und dennoch wirkt die Stimmung um den Club herum angespannt.

Im Frühjahr gab es mal wieder Theater bei der DEG. Nach Platz elf und den verpassten Play-offs kam alles auf den Prüfstand. Es folgten kryptische Mitteilungen der Geldgeber, ein quälend langer Prozess, an dessen Ende die Entlassung des Trainers stand, und ein Umbruch, der die Herzen der Menschen noch nicht so wirklich erreicht hat. Doch dafür allein die Enttäuschung der Vorsaison verantwortlich zu machen, greift zu kurz. Auch andere Faktoren spielen eine Rolle.

Die Geldgeber

Ohne Frage – die beiden Hauptfinanziers Peter und Stefan Hoberg leisten finanziell Beachtliches. Sie sind zwar monetär sicher gut ausgestattet. Und dennoch sind die Summen beschränkt, die sie der DEG als Darlehen geben können. Zumindest im Vergleich zu den Möglichkeiten in München, Mannheim, Köln, Berlin, ja sogar in Nürnberg. Firmen wie RedBull, SAP, Anschutz, CGM oder Thomas Sabo verfügen über mehr Geld als die im Kern dann doch eher mittelständischen Hobergs. Das lässt das brüderliche Engagement nur noch honoriger erscheinen.

Leider hat – zumindest Stefan Hoberg – dem Verein vor der Spielzeit keinen Gefallen getan. Er sprach vom “bestmöglichen Training”, das die DEG ihren Jugendspielern anbieten würde. Diese Äußerung hat die Vorbereitung in eine falsche Richtung gedrängt. Nach außen mag der unbedarfte Beobachter sich freuen. Nach innen hat die Äußerung ziemlichen Wirbel ausgelöst. Aus dem Hauptverein, dem neben den Bundesliga-Frauen auch die Nachwuchs-Teams angehören, war Murren zu Vernehmen: Warum äußert sich der nicht zuständige Gesellschafter über etwas, wovon er wenig versteht? In der Profiabteilung war man sicher auch nicht erfreut darüber, dass der Geldgeber die Möglichkeiten mit etwas vergleicht, wovon die DEG noch Meilen entfernt ist. Wer um die Trainingsmöglichkeiten der wirklich großen Vereine weiß, schaut ungläubig auf die Äußerung. Nicht zufällig wechselte ein Eigengewächs wie Nicolas Strodel (Bruder von DEG-Profi Manuel) vor der Saison in die Vorzeige-Akademie von RedBull nach Salzburg. Mittlerweile darf er für den Partnerverein Red Bull München sogar in der Champions League spielen.

Die Erwartungshaltung

Die war schon vor dem ersten Bully der noch jungen Spielzeit und den Äußerungen des Gesellschafters ein Problem. Die vergangene Spielzeit wurde überhöht negativ dargestellt. Natürlich hat die DEG die Play-offs verpasst und konnte zwei grandiose Vorjahre nicht bestätigen. Das ist schlecht. Aber so, wie der Verein konstruiert ist, kann sowas in dieser Liga passieren. Natürlich waren das Trainingslevel und die Spielanlagen nicht gegeben – eine klare Sache des ehemaligen Trainers. Aber es gab auch einen guten Schlussspurt, die Mannschaft hat bis zum Ende um die letzte Chance gekämpft, verpasste definitiv erst am letzten Spieltag die Schlussrunde. (Auch wenn dies gefühlt Wochen vorher schon der Fall war.)

Daraus wird auch jetzt noch an der ein oder anderen Stelle eine “Katastrophensaison” gemacht. Das führt zu einer einfachen Antwort: Die damalige sportliche Leitung, also Christof Kreutzer trägt Schuld. Doch so einfach ist es nicht, auch wenn die Trennung von dem DEG-Urgestein sicher sinnvoll war. Der Verein war in der vergangenen Spielzeit insgesamt auf noch wackelnden Beinen, Spieler bauten (altersbedingt) mehr als erwartet ab und blieben hinter den Erwartungen zurück, finanziell war der Verein extrem angeschlagen – es passte Vieles nicht. Ja, das war enttäuschend, das war schlecht, aber sicher nicht “katastrophal”. Es wurde kein Spitzenclub heruntergecoacht. Nein, ein Mittelklasseteam hat sein Saisonziel verpasst. Das ist nicht schön, aber auch nicht weiter schlimm. Der Verein hätte es – trotz des Umbruchs – auch so moderieren können. Stattdessen wurde einer medialen Überhöhung der Enttäuschung nicht offen widersprochen und abmoderiert. 

Die Spieler

Zehn neue Spieler stehen derzeit im Kader, zehn mussten gehen. Selbst für Eishockeyverhältnisse ist das ein Umbruch. Hinzu kommt, dass in Daniel Kreutzer das Gesicht der Mannschaft die Karriere beenden musste. Der Mannschaft fehlt es aktuell an Identifikation. Am ehesten taugt noch der Torwart für das spezielle Flair einer DEG-Familie. Aber Mathias Niederberger wird nicht erst seit seiner Verletzung intern infrage gestellt, ein ausreichender Nummer-1-Torwart zu sein. Inzwischen hat der Verein in Dan Bakala einen neuen Torwart verpflichtet. Was offiziell als kurzfristige Reaktion auf Niederbergers Verletzung bezeichnet wird, war – so hört man aus dem Vereinsumfeld – eine länger geplante Aktion. Ist es so, wäre es mal wieder – wie bei der Trennung von Christof Kreutzer – eine unwürdige Rumeierei bei einer logischen Entscheidung. Niemand wäre sauer gewesen, hätte man frühzeitig gesagt, dass Niederberger vielleicht doch mehr Druck von der Bank braucht. Stattdessen wurde er jetzt ein wenig abgewertet. So lösen Firmen ihre Problem, aber eben nicht Familien, wie sie die DEG eine sein will.

Es zeichnet sich also keine so richtige Düsseldorfer Komponente im Kader ab. Zwar ist der Kader insgesamt deutlich verbessert zur Vorsaison – auch weil Spieler wie Alex Barta wieder eine brauchbare Form haben. Allerdings, den einen klassischen DEG-Spieler in Leaderposition findet man nicht. Es sei denn, man macht Bernhard Ebner inzwischen zum Gesicht des Clubs. Was der seit 2012 in Vereinsdiensten stehende Verteidiger aber sicher anders sehen würde.

Der Trainer  

Mike Pellegrims macht Vieles richtig. Sportlich hat er die Schwäche des Torhüter-Duos erkannt, weiß, was für ein Eishockey das Düsseldorfer Publikum sehen will. Taktisch wirkt zumindest das Spielsystem, das er bevorzugt, gut erarbeitet.

Und dennoch macht er Vieles falsch. Er hält oft zu starr an dem druckvollen Spiel fest, lässt hart trainieren, manch einer spricht hinter vorgehaltener Hand von überhart. Im Ergebnis bleibt, dass der DEG gerne mal in Phasen des Spiels die Puste ausgeht. Erst ein Schlussdrittel wurde in elf Spielen gewonnen (gegen Bremerhaven). Hinzu kommt Pellegrims mangelhafte Kommunikation nach außen. Das Tischtuch mit der Presse war in weiten Teilen schon vor Saisonbeginn teilweise zerschnitten, besser ist es seitdem bestimmt nicht geworden. Auch der ein oder andere Fan ist von seinen teils nichtssagenden und schnippischen Aussagen genervt. Aus dem Umfeld werden hin und wieder Negativgeschichten gestreut. All das macht es dem Trainer am Ende schwerer als er es haben könnte. Ein Teil der DEG-Familie ist Pellegrims noch nicht, sofern er es überhaupt sein will.

Die Wirtschaftsdaten

Das Chaos der Vergangenheit ist beseitigt. Die Geschäftsstelle ist gut organisiert, der Verein anständig geführt. Sponsorengeldern stehen endlich angemessene Leistungen entgegen. Die Zeiten sind vorbei, als man mit einem Butterbrot in der Tasche fast schon zum Hauptsponosor aufsteigen konnte, wodurch der Verein mehr oder weniger verramscht wurde. Es gibt es den ein oder anderen neuen Werbepartner. Aber man ist noch weit davon weg, durch Sponsoring auch ohne Gesellschaftergaben und Stadtspritzen lebensfähig zu sein.

Das geringere Identifikationspotential, der mürrische Trainer und auch das noch nicht so große Zuschauerinteresse (im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aktuell 400 pro Spiel weniger Besucher) machen die Akquise sicher nicht leichter, auch wenn der Ruf des Vereins in der Stadt schon einmal schlechter war. Trotzdem gibt es sicher den ein oder anderen auf der Geschäftsstelle, der sich ein einfacheres Arbeiten gewünscht hätte.

Die Aussichten

Der Düsseldorfer EG bleibt bisher nur ein Lösungsweg: absoluter sportlicher Erfolg. Mit Platz acht und 15 Punkten nach elf Spielen liegt man zwar im Soll dessen, was der tatsächlichen Leistungskraft des Clubs entspricht. Aber in der Außendarstellung hat man vergessen, diesen Umstand deutlich zu erklären. Jenseits des harten Kerns der Fanszene sind die Pre-Play-off-Plätze zwischen Platz sieben und zehn schwer zu vermitteln. Daher hilft nur ein Platz unter den ersten Sechs. Was jedoch – auch das gehört zur Wahrheit – kein Ding der Unmöglichkeit ist.

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