Wege in die Normalität

img_20160518_164730Die Düsseldorfer EG steht vor dem Start in die neue DEL-Saison etwas unter Druck. Manch einer im Umfeld erwartet eine Verbesserung. Dabei wäre Demut angebracht.

Christof Kreutzer hat Großes vollbracht – er hat aus dem Tabellenletzten der Deutschen Eishockey Liga einen stabilen Club im oberen Mittelfeld gemacht: mit einer guten Mischung aus jungen Spielern und erfahrenen Kräften, einer freiwilligen Reduzierung der Ausländerlizenzen und einer nachvollziehbaren Entwicklungs- und Spielstrategie.

Insofern ist es verlockend, mehr zu verlangen. Zuletzt war die DEG zwei Mal nach der Hauptrunde Fünfter, schaffte es damit in die Play-Offs und in der vorletzten Saison sogar ins Halbfinale samt sportlicher Qualifikation für die Champions-League. Es lässt sich also ein gewisser Anspruch ableiten, dass mit der Weiterentwicklung junger Spieler noch mehr geht. Christof Kreutzer beschrieb dieses Problem in einem WZ-Interview. Manch ein Sponsor – so der DEG-Trainer – fragt hinter vorgehaltener Hand dann doch schon hier und da Mal nach einer tabellarischen Verbesserung.

DEG war im Mai faktisch tot

Leider wird dabei ein Umstand der Sommerpause vergessen: So schön sich die DEG im sportlichen entwickelt hat, so desaströs sah es auf den anderen Ebenen auf. Da es in sämtlichen Saisonausblicken inzwischen freundlich verdrängt wird: Der Verein war im Mai eigentlich tot!

Es gab einen Gesellschafter, der kein Geld (mehr) hatte, einen Geschäftsführer, der ein guter Controller, aber kein brauchbarer Gestalter war und eine Geschäftsstelle, die eigentlich nur noch Fritteusen brauchte, um ihrer wahren Bestimmung als Pommesbude vollends gerecht zu werden. Die Folge: Unterdeckungen in Millionenhöhe und horrende Mietschulden. Erst seit die Stadt mit Teilen der verlässlichen Gesellschafter ein Konzept entwickelte, ist die DEG zumindest erst einmal für drei Jahre solide finanziert.

In der Breite besser, aber nicht in der Spitze

Und das hat dann nun auch einmal sportliche Konsequenzen. So hat es keinen Ersatz für den abgewanderten Ken-Andre Olimb gegeben. Der hat in der vergangenen Saison 19 Tore und 23 Vorlagen gegeben – ist mit 42 Punkten Topscorer des Teams gewesen. Statt mit einem Transfer die Schlagkraft zu erhöhen und damit den Olimb-Abgang auszugleichen, nimmt man in Kauf, dass die Offensive stagniert.

So müssen sich die Olimb-Punkte verteilen – auf die Schultern von Neuzugang Alex Barta, dem endlich fitten Christoph Gawlik, und dem blendend aufgelegten Maximilian Kammerer. Hinzu dürften noch die Punkte von Drayson Bowman, der vor seiner ersten kompletten Spielzeit in Düsseldorf steht. Insofern ist die DEG in der Breite sicherlich stabiler aufgestellt, aber nicht zwingend besser, falls die genannten Spieler normal Punkten und keiner von ihnen über Erwartung punktet.

Bestätigung der Leistung wäre ein Erfolg

Mit der leicht verbesserten Defensive und der Hoffnung darauf, dass Torwart Mathias Niederberger seine Leistung aus dem Vorjahr bestätigt, kann die DEG ihren Platz bestätigen. Alleine das sollte schon schwer genug werden, da auch in diesem Jahr die Liga ausgeglichen bleibt. Clubs, die keinen signifikanten Qualitätsgewinn im Kader verzeichnet, müssen daher mit den Gefahren dieser Ausgeglichenheit leben. Sprich: man kann auch schlechter abschneiden als in der Vorsaison, ohne dass man vieles schlechter oder anders gemacht hat, als im Vorjahr.

So verhält es sich jetzt zumindest mit der Düsseldorfer EG. Daher wäre es das Schlechteste, jetzt von höheren Sphären zu träumen. Stattdessen sollte es bei der DEG darum gehen, dass die sportliche Stabilität bleibt, bis irgendwann auch die strukturelle Ebene nachgezogen hat. Der neue Geschäftsführer Stefan Adam sagte ja bereits, dass der Verein auf allen Ebenen jenseits des Sports besser werden müsse. Das beinhaltet aber auch Geduld. Die sollte man in dieser Saison unbedingt mit dem Verein haben. Vielleicht ist es einfach mal nur ganz in Ordnung, dass die DEG noch erstklassig ist und unter Umständen ein wenig in den Play-Offs mitmischen kann.

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