Ungeiles Tabellenende

img_1878Die Düsseldorfer EG steckt eindeutig in der Krise. Vor den entscheidenden Dezember- und Januarspielen sieht es nicht gut für eine erneute Play-off-Qualifikation aus. Eine Spätfolge des turbulenten Frühjahrs.

Im Sport reicht das Langzeitgedächtnis gerne mal nur bis zur vergangenen Minute. Der nächste mögliche Erfolg steht über allem, die Angst vor der Niederlage treibt das Profigeschäft in eine nicht selten gedankenfaule Kurzatmigkeit. Diese Atmosphäre ist höchst ansteckend. Journalisten, Fans und Sponsoren werden bei ausbleibendem Erfolg ebenso schnell hektisch. Von diesem Phänomen ist aktuell die Düsseldorfer EG betroffen.

Zugegeben: Die Mannschaft spielt oft uninspiriert und überkompliziert, Gegner wirken frischer auf den Beinen und auch im Kopf. Hinzu kommt ein Spielplan, der den Eishockeyspielern zwar viele Nachholspiele und Pausen beschert hat, aber auch Spieltage, an denen man nicht eingreifen konnte und zwangsläufig mit weniger Spielen schlechter platziert war.

In der Gesamtsumme Scheiße an den Kufen

Hinzu kommt dann noch eine Formschwäche bei den erfahrenen Spielern, die eventuell just in dieser Spielzeit den Zenit überschritten haben und sich länger schonen müssen, um in der Endphase der Hauptrunde auf dem Punkt zu sein. Und da sind dämliche Verletzungen, die im Eifer des Gefechtes passieren. Die Schulterverletzung Daniel Kreutzers steht beispielhaft dafür: Anfang Oktober stolperte er aus vollem Lauf ungebremst in die Bande. Die Hauptrunde war für ihn damit gelaufen.


img_1879Das alles zieht sich wie eine Seuche durch die Saison, führt zu teilweise grauenvollen Auftritten. Gäbe es den überragenden Derbysieg gegen die Haie nicht, würde man kaum ein Spiel finden, in dem die DEG mit ihrer Spielweise zu beeindrucken wusste. In der Summe führt das zu einem Platz jenseits jeder Play-off-Hoffnung, jenseits jeder Euphorie. Frustrierte Fans randalieren bei Facebook rum, als würden ihnen die DEG das alltägliche Leben rauben (Was für sich genommen diese Internetgrunzer ziemlich traurig aussehen lässt), Medien fragen sich, was mit der Mannschaft los ist. Und wäre Trainer Christof Kreutzer nicht aufgrund seines Status als Vereinslegende und aufgrund der Erfolge in den vergangenen Jahren nicht unantastbar, die Trainerdiskussion wäre längst in vollem Gange.

Finanzprobleme wirken wie vergessen

Bei all diesen Punkten wird nur eine Sache übersehen: Die DEG war Ende April faktisch pleite. Zu viel wurde in den vergangenen Jahren kaschiert, zu viel war nicht finanziert. Die Profiabteilung drohte an ihren Mietschulden bei der Stadt und dem Auftreten seines Gesellschafters Mikhail Ponomarev fast zu ersticken. In einem Kraftakt der neuen Gesellschafter und der Stadt wurden neue finanzielle Strukturen geschaffen, für drei Jahre der Spielbetrieb gesichert. Über dem Berg ist die DEG damit noch lange noch nicht, aber immerhin spielfähig für die DEL.

Und das – da haben Kritiker ja nicht unrecht – mit einem für die Liga mittelklassigen Etat, mit dem mindesten die Pre-Play-offs drin sein sollten. Doch das sagt noch nichts über die tatsächliche Qualität des Kaders aus. Der ist nämlich mitnichten der finanziellen Lage des Vereins angepasst. In diesem Jahr ist etwas zum Nachteil geworden, was in den Vorjahren eine Stärke war: Vor Bekanntwerden der finanziellen Nöte waren nämlich die meisten Verträge mit den Spielern bereits abgeschlossen. Hatte es sich doch in den Spielzeiten vorher bewährt, schon früh das Grundgerüst für einen neuen Kader zusammen zu haben. Als allerdings der mediale Sturm über die DEG brach, saß sie auf einem fixen Kader, zu dem auch die günstige Nachverpflichtung Alex Barta gehörte. Dem Trainer wurde faktisch von Liga und Verein der Geldhahn für neue Top-Spieler zugedreht, aus dem Gerüst wurde ein endgültiger Kader.

Die nächste Spielzeit ist die Entscheidende

Mit Sicherheit hätte man den ein oder anderen Vertrag nicht abgeschlossen, hätte man um die Situation gewusst. Spielräume hätten geschaffen werden können – auch für Spieler aus der Konkursmasse der Hamburg Freezers – man hätte nicht auf schwierige, aber günstige Nachverpflichtungen in der laufenden Saison hoffen müssen. Doch daraus wurde nichts – Top-Spieler konnten nicht verpflichtet werden. Deshalb ist es zwar immer noch enttäuschend, wie die DEG aktuell auftritt. Aber wir reden hier nun einmal nicht über ein Team aus der Top Sechs, das massiv abstürzt. Wir reden über einen Pre-Play-off-Kandidaten, der leider nicht in die Spur kommt. Sowas kann immer mal passieren.

Vielleicht sollten sich die Hauptkritiker daher klar darüber sein, dass die Alternative zu dieser Situation der Gang in die Oberliga gewesen wäre. Ob das besser ist, als eine an Höhepunkten arme Spielzeit in der DEL, in der man zwar nicht der geilste Letzte aller Zeiten sein kann, aber in der man dankbar mitspielen kann, muss jeder für sich entscheiden. Fakt ist aber: Die DEG spielt auch in der nächsten Saison in der obersten deutschen Eishockeyliga. Und spätestens, wenn am Ende der Saison einige Verträge ausgelaufen sind, kann der Kader angepasst werden. Bis dahin sollte man vielleicht mit seinen vorschnellen Urteilen hinter dem Berg halten und das Langzeitgedächtnis etwas besser trainieren. Dann ist die Situation auch nicht mehr ganz so frustig.

1 Kommentar

  1. Hinzu kommt auch, dass die Liga in dieser Saison noch mal einen Ticken ausgeglichener als ohnehin schon ist. Abgesehen von vielleicht Schwenningen hat jedes Team das Potenzial für die Pre-Play-offs. Auch Bremerhaven hatte man vor der Saison eher nicht so konstant ordentlich wie bisher auf der erwarteten Rechnung. Da kann ein Team, bei dem manches nicht schlecht, vieles aber nicht optimal läuft, ganz einfach mal aus den Top10 abrutschen. So ist der Sport nunmal.

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