Grau wie lange nicht

Bei der Düsseldorfer EG schwappt die Stimmung zwischen angespannt und frustriert. Die Ergebnisse stimmen nicht mehr.

Wenn es sportlich schlecht läuft, spielen Fakten bei Fans selten eine Rolle. So ist es aktuell auch bei der Düsseldorfer EG. Auf den Rängen ist die Stimmung beschissen. Klar, es wird maximal nach Niederlagen gepfiffen, das passiert bei ein paar Niederlagen halt. Aber egal wen man mit Rot-Gelben Herz fragt: Es wird nicht gerade optimistisch geschaut, das sich sich die Dinge zum Besseren wenden. Und dass, obwohl es um den Verein schon einmal schlimmer stand.

Es war schon einmal deutlich schlimmer

Nach 20 Spielen, etwas mehr als einem Drittel der Spielzeit, ist die DEG Vorletzter in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Allerdings wird ein schöneres Eishockey gespielt, wirkt es nicht so, als würde die DEG dauerhaft am Tabellenende verharren. Wie gesagt: Es war schon einmal schlimmer. Zwischen 2012 und 2014 war die DEG Letzter; mit schlechtem Eishockey. Und die vergangene Spielzeit war spielerisch furchtbar, dagegen ist das, was man aktuell zu sehen bekommt, Gold wert.

Man könnte also sagen: Neuer Trainer, neues System, neue Spieler – gerade im Eishockey brauchen die Dinge ihre Zeit, das alles ist nur eine Momentaufnahme. Aber von einer solchen Haltung ist man rund um die Brehmstraße weit entfernt: Nervosität, Enttäuschung und auch Frust sind zu spüren. Die Fakten – sie haben ihre Wertigkeit verloren.

Gemäß einem alten Spruch aus der Politik, wonach eine Partei am Ende immer selber Schuld an ihrem Scheitern ist, könnte man über die DEG sagen: Schuld an alldem sind die dort Handelnden selber.

Die Art der Kreutzer-Demission

Alles fing mit der Art und Weise an, wie mit dem alten Trainer Christof Kreutzer gebrochen wurde. Sicher, ob Vereinsikone hin oder her: Kreutzer wurde unwürdig über Wochen zappeln gelassen, gegenüber der Öffentlichkeit wurde er demontiert und schlussendlich vor die Tür gesetzt. Dieser Prozess dauerte quälend lange. Die durchaus berechtigten Gründe für die Trennung gingen dabei unter. Der neuen Vereinsführung um Geschäftsführer Stefan Adam und Niki Mondt haftet seitdem (nicht ganz zurecht) an, dass sie die Seele des Vereins ignorieren würden. Dabei war es eine im Kern richtige und sportlich wichtige Entscheidung, die halt nicht sauber kommuniziert wurde.

Man muss das im Hinterkopf haben, wenn man Gründe für den frostigen Wind im frühen November sucht, der um Brehmstraße weht. Mit dem Ende der Ära Kreutzer war der Weg nämlich zunächst für einen großen sportlichen Umbau frei. Mit Mike Pellegrims ist ein anderer Trainertyp nach Düsseldorf gekommen und mit ihm elf neue Spieler. Die – höflich formuliert – eishockeyfremden Gesellschafter versprachen vollmundig Erfolge durch “bestes Training” und die sportliche Leitung wirkte erst einmal zufrieden.

Zögerliche Zuneigung von Beginn an

Die Fans warteten ab, zögerten, die neue Truppe zu mögen. Vor allem als die neuen Kapitäne vorgestellt wurden, gab es erstes Murmeln. Darryl Boyce folgte auf Daniel Kreutzer – ein neuer Kontingentspieler, den zuvor kaum einer kannte. Es gab Zeiten bei der DEG, da achtete man bei solchen Positionen auch auf Identifikation. Das war hiermit erst einmal hinfällig. Als dann noch der bis dahin ungeliebte Alex Barta einen Stellvertreter-Posten bekam, war das erste Naserümpfen da. Währenddessen startete das Verhältnis zwischen Medien und dem neuen Trainer unglücklich: Ein Hintergrundgespräch mit Journalisten führte zu Entfernung statt Annäherung.

Es war klar: Die DEG ging in die Vollen. Das neue Ensemble war eine selbstbewusste Ansage, dass man keinen Kredit bei Fans und Medien braucht. Man wird schon erfolgreich sein und damit auch gemocht. Und in diesem Kalkül liegt der Fehler. Seit einem furiosen 5:1 in Iserlohn türmen sich die Niederlagen. Mit jeder weiteren Pleite wird es unruhiger. Die öffentliche Kritik an der kauzigen Art des Trainers wird lauter, eine Charme-Offensive mithilfe städtischer Mittel wirkt unfreiwillig komisch bis peinlich und schadet Pellegrims eher, statt zu helfen. Er wurde in eine Schablone gepresst, in die er nicht passt, passen will oder kann. Das wird nicht funktionieren.

Vollends Mitleid mit Pellegrims hat man, wenn man die aktuelle Krisen-PR der Geschäftsstelle dazu zieht. In einem der heutzutage üblichen PR-Interviews auf vereinseigenen Medien betonen Sportdirektor Mondt und Geschäftsführer Adam ihre Unzufriedenheit mit dem Tabellenplatz, loben aber auch die Spielweise. In einer Phase wie dieser ist ein solches Statement sicher keine schlechte Idee. Aber auch nur, solange alle Beteiligten ohne Schaden aus der Sache rausgehen.

Leitungsebene lässt den Trainer schlecht aussehen

Spätestens jedoch, als beide dezidiert über die konkreten Verletzungen der Spieler reden, die nicht spielen können, fallen sie dem eigenen Trainer in den Rücken. Beharrt der doch stets darauf, nur von Unter- oder Oberkörper-Verletzungen zu sprechen, um Gegnern keine Anhaltspunkte für Schwachstellen zu geben. Dafür wird er oft belächelt, es ist jedoch im internationalen Eishockey nicht unüblich – egal wie affig wir Medienvertreter das finden mögen.

Ein öffentliches Abweichen davon kann also nur der Coach selber vornehmen. Ob auf Ansage oder freiwillig – das ist egal: Er muss es selber verkünden. Doch das passiert eben gerade nicht. Seine direkten Vorgesetzten sprechen für ihn – gefährlich für die öffentliche Autorität eines Trainers und ein Zeichen, wie viel bei der DEG aktuell drunter und drüber läuft. Die Angst vor einer weiteren Spielzeit ohne Play-offs ist groß – das haben die unglücklichen Auftritte jenseits des Sports jetzt gezeigt.

Nur – keine Initiative oder PR-Offensive kann das noch retten. Man hat sich entschieden, ohne Wohlfühl-Familien-Bonus in die Spielzeit zu gehen, und Sympathie ausschließlich durch Siege zu erlangen. Darauf sollte man sich besinnen: Der Verein braucht schnelle Erfolge und gute Play-offs. Nichts anderes kann den Verantwortlichen jetzt noch helfen – die viel beschworene DEG-Familie da draußen ist nämlich längst nicht mehr so leicht zu beruhigen, wie sie es mal war.

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