Gesundes Wachstum

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Vollere Ränge

Die Eishockey-Saison 2015/16 hat nun ein paar Spieltage auf dem Buckel, fast schon eine komplette Runde aller gegen alle ist gespielt, mindestens zwölf Liga-Partien hat jeder Club auf dem Buckel, wenn man die Spiele in der Champions-Hockey-League nicht dazu zählt. Womit wir bei der Düsseldorfer EG wären, einem der Starter in der CHL. Der bisherige Saisonverlauf der DEG lässt hoffen, dass die Mannschaft auch in diesem Jahr wieder eine Rolle spielen kann.

Zwar sagt das der aktuell neunte Platz, der noch nicht einmal das Heimrecht in den Pre-Play-Offs bedeuten würde, eher aus, dass man sportlich noch gehörig Luft nach oben hat. Aber wer sich die Tabelle genau anschaut: Sie sagt im Moment noch garnichts aus. So fehlen auf den Tabellenführer aus Berlin nur fünf Punkte – bedenkt man, dass stets zwei Spiele pro Wochenende anstehen, ist die DEG von ganz oben nicht ein Wochenende entfernt. Allerdings – und das gehört auch zur Wahrheit – ist der vorletzte Platz ebenfalls nur fünf Punkte entfernt. Die Einschätzung von Cheftrainer Christof Kreutzer ist also richtig: Die Liga ist in diesem Jahr viel ausgeglichener als im vergangenen Jahr: Die Clubs, die 2014/15 noch am Tabellenende standen, scheinen sich wettbewerbsfähig verstärkt zu haben. Die Enttäuschungen der letzten Spielzeit – so zum Beispiel Köln, Berlin, München oder Nürnberg – sind wieder in der Spur des Erfolgs.

Zweitbeste Defensive der Liga

Daher ist die sportliche Leistungsfähigkeit eigentlich nur zu bewerten, wenn man sich sämtliche Einzelspiele im Verlauf anschaut. Und da fällt in diesem Jahr vor allem eines auf: Die Mannschaft wirkt in diesem frühen Saisonstadium stabiler. Sie ist in jedem Spiel in der Lage, zu punkten. Allein die Abschlussschwäche stand einer größeren Punkteausbeute im Weg. Spiele wie in Straubing, Nürnberg oder Wolfsburg kann man – trotz schwächerer Leistungen – durchaus gewinnen. Allerdings zeigt sich die Offensive noch nicht so Torgierig, wie in der letzten Spielzeit. Hatte die DEG damals einige Spieler unter den Topscorern, findet sich zum derzeitigen Zeitpunkt kein Düsseldorfer unter den Top 50 im Angriff. Der punktbeste Spieler ist derzeit Stephan Daschner auf Platz 73. Ein Abwehrspieler!

Diese mangelnde Effizienz kann sich die DEG allerdings nur deshalb erlauben, da die Abwehr deutlich stärker auftritt. Nur die Kölner Haie haben weniger Gegentore kassiert, als die DEG. Weiß man um die Bedeutung einer guten Defensive – schließlich wird sie bei Meisterschaften meist als größter Faktor bezeichnet – dann hat sich die Mannschaft von Christof Kreutzer enorm stabilisiert. Gab es in der Frühphase der letzten Saison noch üble Klatschen, wie das 0:7 in Wolfsburg oder die schlimmen acht Gegentore in Iserlohn, gab es in diesem Jahr bisher keine deutliche Niederlage. Selbst ein wirkluch schlechtes Spiel, wie das 1:3 in Schwenningen, kann man gewinnen, wenn man nicht das Derby, zwei Tage später, gegen Köln im Hinterkopf hat. Wobei auffällig ist, wie schwer es für  die DEG gegen die “kleinen Clubs” ist. In Straubing, Schwenningen und gegen Augsburg gab es Niederlagen. Gegen ein inzwischen deutlich schwächeres Krefeld tat man sich schwer.

Mit Top-Teams auf Augenhöhe

Dagegen fällt auf, dass die Düsseldorfer gegen die Top-Teams aus Köln, Mannheim, Berlin und Hamburg verdient gewonnen hat. Gegen spielstarke Teams wirkt die DEG taktisch ausgereifter, cleverer und am Ende williger als der Gegner. Nicht die Siege sind hier die Überraschung, sondern die spielerische und souveräne Art sind es. Trainer Christof Kreutzer und sein Co-Trainer Tobias Abstreiter haben es geschafft, den Kader richtig zu ergänzen und auch spielerisch einzustellen, dass es an das Top-Level ranreichen kann: Erfahrenen Kräften wie Eduard Lewandowski, Chris Minard oder Norm Milley stehen wieder einmal junge Überraschungen gegenüber. Wie zum Beispiel Mathias Niederberger – der junge Torwart ist nach statistischen Werten aktuell die Nummer zwei in der Deutschen Eishockey Liga. Und da ist noch die Mega-Überraschung der Liga, Maximilian Kammerer. Das 19-jährige Top-Talent hat sich inzwischen die Reihen hochgespielt und ist derzeit mehr als nur gesetzt. Hinzu kommen die bisherigen Spieler, die als Kernmannschaft gefestigter wirken. Will man die DEG in dieser Saison bisher beschreiben, dann ist sie vor allem eins: stabil!

Und das ist ein wohltuender Schritt. Der Club wächst sportlich langsam. Es wird ganz auf stetige Entwicklung gesetzt. Das mag eigentlich nicht zu der Stadt und einem ehemals schillernden Club wie der Düsseldorfer EG passen. Aber es ist das richtige Rezept, den Verein langfristig wieder an die Spitze zu führen. Statt mit Mega-Transfers eine riesige Fallhöhe aufzubauen (so wie in Köln, wo der zweite Platz schon ein GAU wäre) geht man Schritt für Schritt. Und signalisiert vor allem jungen Spieler: “Hier bauen wir was auf, hier kriegst Du Verlässlichkeit.”

Verlässlich auf vielen Ebenen

Kein Wunder, dass viele der jüngeren Spieler langfristige Verträge unterzeichnet haben. Und wenig überraschend wäre es, wenn es nicht noch mehr Perspektivspieler mit großem Potenzial werden. Mit der jetzt vollzogenen Vertragsverlängerung von Cheftrainer Kreutzer und seinem Assistenten Abstreiter bleibt das Hauptargument, als junger Spieler nach Düsseldorf zu kommen, zumindest für drei weitere Jahre bestehen.

Und in denen sollte der Griff nach dem Titel vielleicht gelingen. Durch stetiges, ruhiges und langsames Wachstum. Wie gesagt: Eine ganz neue Erfahrung für Düsseldorf. Statt eines Hypes gibt es solide sportliche Arbeit. Die Anklang findet: So liegt der Zuschauerschnitt nach den ersten Heimspielen spürbar – wenn auch nicht großartig – höher, als noch vor einem Jahr. Kamen damals in den ersten fünf Spielen (ohne die eine Dienstagspartie) gegen fast dieselben Mannschaften im Schnitt 5.613 Zuschauer sind es  jetzt 7.032. Unterm Strich bleibt daher: Auch wenn es der Tabellenplatz noch nicht ganz belegt – der Saisonstart ist trotzdem geglückt und man kann zumindest mit einer gewissen Zuversicht auf die noch 40 ausstehenden Partien der Hauptrunde blicken.

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