Das Sponsorendebakel bei der Düsseldorfer EG

Am Montag (02.05.2016) wartete das gut informierte Eishockey-Düsseldorf auf die BILD-Zeitung. In den Tagen zuvor hatte sich herumgesprochen, dass der in der Kritik stehende DEG-Gesellschafter Mikhail Ponomarev dem Blatt ein größeres Interview gegeben haben soll. Doch es erscheint vorläufig nichts. Stattdessen heißt es aus gut informierten Kreisen des Vereins, dass Geld, das Ponomarev zahlen wollte, immer noch nicht da sei. Es ist ein weiteres Detail in der verworrenen Gemengelage rund um die Düsseldorfer EG.

Tatsächlich gerät der Club immer mehr in Gefahr. Ein dem Halbangst-Blog vorliegendes Papier aus der DEG-Geschäftsstelle zeigt die Ernsthaftigkeit der Lage und wie lange diese Gefahr schon bekannt ist. “Reporting DEG Eishockey GmbH” heißt das als streng vertraulich deklarierte Dokument von Mitte März. In diesem werden Zahlen der abgelaufenen Saison 15/16 umschrieben, aber auch finanzielle Perspektiven für die kommende Spielzeit aufgezeigt. Die Zahlen werfen kein gutes Licht auf die Arbeit der Geschäftsführung in der Profiabteilung.

Dem Verein fehlen Millionen

So wird in dem Papier die finanzielle Unterdeckung “der aktuellen Grobplanung” auf 2,9 Millionen Euro beziffert. Übersetzt heißt das: Es fehlt Geld.Und dabei ist noch nicht einmal von der Miete für den Dome die Rede, die von der Stadt aktuell gestundet wird. Und das in einer Situation, in der die Düsseldorfer EG boomt. Eigentlich ist der Verein sportlich eine hübsche Braut, die Zuschauerzahlen sind auf Rekordniveau. Die Sponsoringeinnahmen allerdings sind dagegen nicht wirklich der Rede wert.

Zwar tauchen unter dem Punkt “Sponsorenliste für die kommende Spielzeit” mögliche Einnahmen von fast zwei Millionen Euro auf (genau genommen 1.957.000 Euro). Aber auf dieser Liste befinden sich zahlreiche Sponsoren, mit denen noch verhandelt wird, und mit deren Geldern deshalb nicht zwingend gerechnet werden kann. So werden in der Rechnung zum Beispiel 65.000 Euro eines Duisburger Touristik-Unternehmens eingerechnet. Allerdings sind laut der Liste die Verhandlungen gescheitert, hätten also gar nicht erst mitgezählt werden dürfen. Und rechnet man alles raus, was laut Papier nicht “rechtskräftig unterzeichnet” ist, und worüber noch kein Verhandlungsstand öffentlich bekannt ist (so haben in der Zwischenzeit zwei “größere” Sponsoren noch eine Zusage gegeben), verfügt die DEG aktuell nur über etwas mehr als 700.000 Euro an harten Einnahmen durch Sponsoring.

Das ist nur knapp mehr, als durch den von der Stadt initiierten DEG-Club 2020 eingenommen werden soll. Hier können kleinere Unternehmen und Privatpersonen für 5.000 Euro pro Spielzeit ein Business-Paket erwerben, insgesamt soll das dem Verein laut Papier 500.000 Euro bringen.

Ein Akquise, die ihren Namen nicht verdient

Die Zahlen lassen demnach tief blicken, was die Sponsoring-Akquise der Düsseldorfer EG angeht. Geschäftsführer Paul Specht, wie auch seinem Vorgänger Jochen Rotthaus, ist es nicht gelungen, die Düsseldorfer EG gut zu vermarkten. Einige Verträge, die groß vom Verein angepriesen wurden, wirken wie das Verramschen von Leistungen. So zahlt laut dem vertraulichen “DEG-Reporting” das Modehaus Breuninger nur 20.000 Euro pro Spielzeit. Trotz der Tatsache, dass Breuninger die Mannschaft ausstattet, ist das ein eher – diplomatisch formuliert – kleiner Betrag. Zudem ist es mit 175.000 Euro erneut ein kommunales Unternehmen, das den größten Betrag zahlt. Die Rede ist von den Stadtwerken. Es sind Daten, die zum einen die Frage aufwerfen, ob Paul Specht wirklich noch als Geschäftsführer zu halten ist. Zum anderen zeigt sich eine ernste Lage, die deutlich macht: So ist die Düsseldorfer EG nicht lebensfähig.

Unter diesen Bedingungen werden wieder die Gesellschafter mit hohen Beträgen einspringen müssen. Ob der bisherige Hauptzahler Peter Hoberg dies allerdings noch weiter möchte und kann, ist fraglich. Und zur Vertrauenswürdigkeit des russischen Gesellschafters Ponomarev gibt es mehr Fragen denn je. Wie aus Vereinskreisen zu hören ist, soll am heutigen Dienstag (03.05.2016) ein Treffen der finanzierenden Gesellschafter stattfinden, bei dem es auch um Ponomarevs Pläne für die Zukunft geht. Dem Vernehmen nach wollte der russische Gesellschafter diesen Termin nicht einhalten. Allerdings sollen seine Mitstreiter drauf bestehen.

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