Das Playoff-Fieber steigt

DEG-Fans auf der Stehplatzgerade
Die Fans kommen wieder

Wenn heute das Viertelfinale in der Deutschen Eishockey-Liga beginnt, steht zum ersten Mal seit 17 Jahren wieder die Düsseldorfer EG in den Playoffs um die Deutsche Meisterschaft. Erfahrene Fans werden jetzt überrascht anmerken, dass die letzte Playoff-Teilnahme doch erst drei Jahre her ist. Doch da hieß der Club noch anders. Damals hatte ein großer Einzelhandelskonzern noch das Sagen bei den DEG METRO Stars. Unter dem eigentlichen Vereinsnamen stand die DEG zuletzt in der Saison 1997/98 in der Schlussrunde.

Warum wir hier unterscheiden? Weil die Düsseldorfer ein Beleg dafür sind, dass es schwerlich funktioniert, wenn Unternehmen die Identität eines Clubs schlucken. In der Regel hat man dann nämlich viel Geld, aber selten eine große Identifikation. Das fängt schon bei den Spielern an, die ein solches “Unternehmensfranchise” selten als wahre Herzensangelegenheit betrachten. Was wundert es in der Rückschau, dass die DEG zu Metro-Zeiten im Geld schwamm, aber keine Meisterschaft gewann. Vor allem holte man immer weniger Fans in den Dome. Das lag schlussendlich nicht nur am Umzug von der geliebten in die Rather Peripherie, sondern an einem über Jahre gepflegten Eishockey ohne Seele.

Die Zeiten ändern sich

Inzwischen sieht die Welt anders aus. Die heute (11.03.2015) beginnende Viertelfinal-Serie gegen die Hamburg Freezers mobilisiert die Fans. Im Gegensatz zur letzten Playoff-Teilnahme 2012. Damals gegen Iserlohn und Ingolstadt konnte man sich für alle Partien noch am Spieltag Tickets für sämtliche Kategorien kaufen. Der Schnitt lag bei nur knapp 5.000 Zuschauern. Ziemlich wenig, wenn man sich die damalige Situation noch einmal vor Augen führt: Es waren die letzten Spiele der Metro-Ära. Es gab zu diesem Zeitpunkt keine neuen Sponsoren, der Club stand quasi vor dem Aus. Es hätten also für lange Zeit die letzten professionellen Eishockey-Spiele in Düsseldorf werden können. Und das Schlimme ist: Es interessierte niemanden. Klar, damals war die Fortuna auf den Weg in die erste Liga und elektrisierte die Stadt! Wer wollte sich da mit Eishockey abgeben? Aber trotzdem: so wenig Solidarität mit der DEG war schon erschreckend.

Überraschend ist dagegen die Situation jetzt. Das erste Playoff-Heimspiel gegen Hamburg werden am Freitag (13.3.2015) mehr als 7.500 Menschen sehen. Die DEG hat sogar den Oberrang im Stadion geöffnet. Stehplätze sind schon länger nicht mehr erhältlich – selbst für die lange Gerade im Unterrang. Optimisten träumen am Ende sogar von einer fünfstelligen Zuschauerzahl. Auch der Vorverkauf für das zweite Heimspiel läuft sehr gut – trotz des unattraktiven Dienstag-Termins. Und vor dem ersten Auswärtsspiel am heutigen Mittwoch (11.03.2015) laufen in einigen Haushalten und Facebook-Gruppen Diskussionen, in welcher Kneipe man den Auftakt der Serie schaut. Die Partie in Hamburg wird nämlich von dem RedBull-Sender Servus TV live übertragen. Das Fieber ist entbrannt. Zwar noch nicht stark, aber eine ausgereifte Hitzewallung kann man schon diagnostizieren.

Der Club erzählt wieder eine Geschichte

Man reibt sich also verwundert die Augen. Wie kann Eishockey auf einmal wieder derart beliebt sein? Diesen Umstand nur mit der stagnierenden Zweitliga-Fortuna zu begründen, die der DEG die Eventys in die Arme treibt, ist viel zu einfach gedacht. Zu kontinuierlich ist die Entwicklung der Zuschauerzahlen in dieser Saison nach oben gegangen, während sie beim Fußball stabil bleibt. Viel eher belegt die Düsseldorfer EG, was passiert, wenn man als Sportverein eine Geschichte zu erzählen hat.

Dazu genügt nur ein Blick auf die jüngere Vergangenheit und was in dieser Saison geschah: Ein Team, bei denen ein Großteil der Spieler in den letzten beiden Spielzeiten nur auf die – Entschuldigung – Fresse bekommen hat, spielte sich auf den fünften Rang. Die Mannschaft wirkt geschlossen. Es gibt viele junge deutsche Spieler, die langfristig bei der DEG spielen wollen und sich reinhängen. Dazu kommen erfahrene Akteure, die sich mit dem Club identifizieren und ebenfalls noch einmal alles geben. Es wird erfolgreiches Hockey gespielt, da der Trainer – selbstredend ein Ur-Düsseldorfer – versteht, welches System der Mannschaft gut tut. Die DEG spielt schön, packt nur selten die grobe Kelle aus und ist häufig dem Gegner technisch wie taktisch überlegen. Dass im körperlichen Bereich noch Luft nach oben ist, bemängelt kaum einer. Zu sehr macht es Spaß, die DEG spielen zu sehen.

Hinzu kommt noch das Image, dass der Verein inzwischen neben der Eisfläche vorlebt. Mit dem neuen Geschäftsfüher Jochen Rotthaus ist “Rot-Gelb” in der Stadt wieder sichtbar. Das “Prinzip Pommesbude” ist nicht mehr das Geschäftsmodell des Vereins. Selbst die Hautsponsoren sind mit den Stadtwerken, die mehrheitlich dem Land Baden-Württemberg gehören, und einer genossenschaftlichen Bank derart solide, dass man fast verleitet ist, der DEG zu vertrauen. Selbst zu erfolgreichsten Zeiten konnte man das nicht vollends. Diese Veränderungen im Erscheinungsbild führen natürlich auch dazu, dass die Leute wieder gucken kommen. Eishockey “Made in Düsseldorf” ist wieder eine Marke! Eine mit positiven Eigenschaften. Es ist also angerichtet für die Playoffs und die DEG. Erfahrene Sportgucker wissen, wie solche Sportgeschichten in der Regel enden: Am Ende holt die Mannschaft einen Titel oder scheitert im letzten Moment an dem ganz großen Triumph – was das Finale bedeuten würde. Keine ganz so schlechten Perspektiven.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*