Das Ende der Gelddruckmaschine

Stadion in Caen

Stadion in CaenDass es in der Bundesliga rund läuft, kann nun wirklich keiner behaupten. Zumindest klaffen zwischen Selbstwahrnehmung und Wirklichkeit inzwischen eklatante Lücken. Wer immer noch von der stimmungsvollsten, spannendsten und ausgeglichensten Liga sprechen will, muss schon ein gehöriges Maß an Selbstverleugnung aufbringen. Einsame, großkotzige Rummenigge-Bayern an der Spitze, vermeintliche Spitzenteams wie Wolfsburg, Mönchengladbach, Schalke oder Leverkusen, die ihr Potential nicht konstant genug abrufen. Und dann wäre da noch Borussia Dortmund. Der feuchte Traum eines jeden Möchtegern-Fußball-Kenners hat sich gewandelt: Vom Supermodel zum in der Ehe verfetteten Partner, der sich um nichts mehr kümmert, am wenigsten um sich selbst.

Würde man derzeit einen Markenvergleich wagen wollen, ist der BvB wie Apple. Die Technik ist seit Jahren dieselbe, das Design soll die Schwachstellen unter der Haube verwischen und der Vorturner gibt sich – PR und Marketing sind ja alles –  gewohnt entspannt, dass die nächste große Sache nur einen Katzensprung entfernt ist. Aber – das kennt man aus der Firmengeschichte Apples – das geht selten gut. Borussia Dortmund war zwischenzeitlich Tabellenletzter. Zwar spielt die Mannschaft nicht wie ein solcher, aber auf eine solche Dauer der Pleiten gesehen, ist das ganze nun auch nicht mehr unverdient.

Zumal nicht erst seit dieser Saison das sportliche Konzept eines Jürgen Klopps in der Kritik steht. Taktisch ist Klopp schon seit Jahren derart unflexibel, dass es einem graust. Fast wäre es Borussia Mönchengladbach gelungen, zum vierten Mal in Folge einer einfallslosen Sturmarie einen ergaunerten Punktgewinn entgegen zu setzen. Klopp kann nun einmal nur “brutal” offensiv. Sein Vokabular ist seine Taktik. Das hat überraschend lange sehr gut funktioniert. Nur jetzt ist der Einbruch da. Ob der BvB auf die Saison gesehen dort rauskommt, erscheint fragwürdig. Sollte der Club bis Weihnachten den Anschluss an das Mittelfeld nicht geschafft haben, droht sogar der totale Verlust des internationalen Geschäfts.

Wohin mit den Eventys?

Als Fußballfan stelle ich mir dann nur die Frage: Wohin mit den Eventys? Viele von ihnen sind ja ganz bewusst Mitläufer bei den Dortmundern geworden. Selbst in den erfolgreichen Zeiten der Lüdenscheider versprach eine Fanwerdung beim FC Bayern langfristig und zumindest oberflächlich mehr Party und Event als in Dortmund. Zwar darf man davon ausgehen, dass Menschen, die nur für den Moment der Feier leben, so schnell nicht kapieren, dass eine Party auch mal vorbei sein kann. Aber viele der neuen Fußballfans haben sich die Dortmunder ausgesucht, weil der FC Bayern nun einmal auch ein Image hat. Und so hip ist das nun auch wieder nicht. Dieses dauerhafte Streben nach Erfolg, gepaart mit agressivem Transfergebaren, kann anstrengend sein. Zu anstrengend für den, der es sich einfach machen will.

Von daher stehen jetzt unter Umständen viele ohne neuen Verein auf der Straße. Alternativen – zumindest in Deutschland – gibt es keine. Borussia Mönchengladbach ist zu weit weg von den Bayern. Zumal: Wer erwartet schon am knurrigen Niederrhein Offenheit gegenüber neuen Fans? Mit einer Röhrenjeans sollte man sich nicht auf den Geraden des Borussia-Parks blicken lassen, will man nicht an einen schimpfenden Rentner geraten. Auch Schalke ist keine gute Wahl. Dazu hat die Dortmunder Führung – ganz geschickt – sich über die Jahre vom Rivalen abgegrenzt, und das Image des ewig besserwissenden Ruhrbarons, der nur im ganz großen Stil auf die Fresse fallen kann, den Schalkern überlassen. Dortmund hat sich dagegen – im Gegensatz zur Wirklichkeit – als kleiner “fighter” aus dem Ruhrgebiet stilisiert. Trotz eines Aki Watzke an der Spitze: Großkotziges Kampmann-Gebaren blieb Schalke vorbehalten.

Marketing-GAU für die Liga

Womit wir beim Zustand der Liga im Winter nach dem Gewinn des “Schland-Pokals” in Brasilien sind. Ehrlich gesagt: Er ist katastrophal. Da ist Bayern München. Ganz weit vorne. Ein paar Traditionsvereine ohne Meisterperspektive und dann halt noch Wolfsburg, Hoffenheim, Paderborn, Augsburg und Leverkusen. Allesamt mit mehr Mitteln als Köln, Bremen und Frankfurt und mehr Verstand als Hamburg und Stuttgart. Wer jetzt glaubt, dass würde sich ein durchschnittlicher Fußballliebhaber außerhalb Deutschlands gegen Bezahlung im Fernsehen anschauen, glaubt auch an die Meisterschaft von Borussia Mönchengladbach.

Es gehört eine Menge ideologischer Verblendung dazu, den deutschen Profi-Fußball derzeit geil zu finden. Er wirkt erschöpft von Jahren der Überhitzung. Viele haben gewarnt, viele haben gemeckert. Aber es kam nun einmal so. Für den wirklichen Fußball-Fan nicht weiter schlimm, bald das Renommee der französischen Liga zu haben. Das Produkt jedoch hat Kratzer bekommen. Das kann man schwer kitten, selbst wenn zumindest die zweite Liga Spannung verspricht. Geld macht man nur mit der ersten Liga. Und die ist gerade so ziemlich mau. (cu)

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