Das absehbare Ende einer Fanliebe…

Der Protest gegen RB Leipzig beim Gastspiel der “Dosen” in Düsseldorf darf als Erfolg gewertet werden. In Sachen Kreativität sicher kein großer Wurf, hatte es eine vergleichbare Aktion bei Union Berlin eine Woche zuvor gegeben.  Die dortige Fanszene hatte den Düsseldorfer Protest vorwegkopiert. Aber in der Größe wie bei der Fortuna wirkte das ganze schon imposanter. Doch wie das so mit polarisierenden Vereinen und den Gegenaktionen gegen selbige ist: die Frage nach der Nachhaltigkeit solcher Aktionen bleibt.

Vor allem, weil man damit nicht allen gefallen kann. So haben wir am Freitag – in Form des Kommentars von Kollegen Benedikt Walter – darauf verwiesen, dass der Protest gegen RB nur ein Placebo ist, und der eigentliche Kampf gegen diejenigen laufen müsste, die das ganze ermöglicht haben. Die teils heftigen Reaktionen darauf (bei Facebook) haben uns in einem Fall darüber nachdenken lassen, den Anwalt einzuschalten. So weit kann es gehen! Wer nicht blind gegen RB folgt, bekommt sein fett weg. Und das geht garnicht, auch wenn ich Benedikts Meinung nur bedingt teile. Denn ich glaube, dass über RB inzwischen alles gesagt ist und man jetzt die “Waffengleichheit” herstellen muss. DFB und DFL haben de facto mit RB keine Argumente mehr für die 50+1-Regel, die ausgelagerte Profiabteilungen daran hindert, sich Investoren in für diese interessanter Größe mit ins Boot zu holen. (Und bevor ein krampfhafter Brauseblogger wieder damit anfängt: ich weiß – für RedBull gilt diese Regel nicht, da der Leipziger Club ein e.V. ist!)

Mit RB haben DFL und DFB endgültig bewiesen, dass es einen Fehler im System gibt. Nicht nur Leipzig ist ein Problem. Auch die Lage in Dortmund. Als AG kann der BvB mittels Kapitalerhöhung machen was er will. In sportlich guten Zeiten können die Dortmunder so viel Geld sammeln, dass der österreichische Brausehersteller wie ein kleines Licht aussieht. Würden diese Möglichkeiten anderen Vereinen offen stehen, ohne dass man gleich eine Aktiengesellschaft am Zocker-Parkett werden muss, wäre das Problem RB Leipzig geliefert. Wenn ein Investor einsteigen kann, wie er will, dann ist Red Bull raus. Denn für Geldgeber – siehe England – ist der Wert einer Traditionsmarke wie Bayern, Schalke, Dortmund, Gladbach und sogar Fortuna Düsseldorf ungleich höher zu bewerten als ein Kunstprodukt. Und wer es traditionalistisch mag: Mein Gott, dann machen wir halt einen Bestandsschutz auf Logos, Standort und Vereinsnamen, die beim DFB gemeldet sind. Nur mit einer Neugründung in der untersten Liga könnten Sponsoren dann Farben und Namen ändern. Ich wette – bei derzeitigem Liga-Potential – würde das große Geldgeber sämtlicher Schurken-Wirtschaftszweige trotzdem nicht vom Einstieg bei einem großen Club abhalten, müssten sie Logo und Vereinsnamen beibehalten.

So schlimm das wäre, die leidige RB-Debatte wäre damit vorbei, da nun die interessanteren Vereine im Geld schwimmen würden. Zugegeben: das ist trotzdem eine Horrorvorstellung. Aber anders ist das kaum mehr zu lösen. Die Fußballverbände haben mit RB Leipzig nun einmal – ob gewollt oder ungewollt – die letzte Liberalisierungs-Welle der Marke “Fußball-Bundesliga” angekurbelt. Nun – im Sinne von wer A sagt muss auch B sagen – sollte für die anderen Wettberwerber Chancengleichheit hergestellt werden. Die Nummer zu deregulieren ist mit dem Auftritt von RB ja nun nicht mehr ohne enormen prozessualem Aufwand möglich, wenn es nicht sogar schon mit Hoffenheim und Wolfsburg um die bestehenden Klauseln für den Fußball in Deutschland geschehen war.

Wir müssen uns eins klar machen: Diese liberalen Regeln haben wir alle nicht gewollt. Trotzdem bin ich überzeugt, dass sie kommen werden! Aber im Kern hat der Liberalismus auch noch eine andere, gute Seite. Einem Angebot steht auch immer die entsprechende Nachfrage gegenüber. Solange wir dann noch zu jedem Preis und jeder Bedingung ins Stadion pilgern, sind wir es auch selber Schuld. Aber das müssen wir ja nicht. Für mich zum Beispiel ist das Ganze nur noch ein Spiel auf Zeit. Mein Verein ist gegenwärtig noch eine Art “ehrbarer Kaufmann” im Business. Sobald auch Borussia Mönchengladbach seine Seele verkauft, ist der Ofen für mich aus. Klatschvieh für ein anrüchiges Besitzerunternehmen von Borussia Mönchengladbach gebe ich nicht! Und Dank DFL und DFB wird der Tag der Investoren-Übernahme kommen, will mein Verein weiterhin zu den Top-Ten in Deutschland gehören. Aber, im Gegensatz zu vielen anderen, habe ich meine Alternativen längst gefunden. Mein persönliches Wohl und Wehe hängt nicht mehr am “Großen Fußball”. Sind die Konditionen nicht mehr gesellschaftsfähig, gehe ich halt ein paar Ligen runter. Entweder mit der Borussia, wenn sie sich gegen die Deregulierung des Fußball-Geschäfts entscheidet. Oder ich gehe zu einem Amateurclub und lebe mich da aus. Und den habe ich auch schon längst gefunden. Nur werde ich ihn noch nicht verraten. Denn noch glaube ich an die Borussia. Und diese letzten Jahre werde ich noch genießen, bevor ich mich dann angewiedert von dem übervermarkteten Bundesligisten abwenden werde oder mich auf die viertklassige Borussia freue. So oder so – eine dieser beiden Varianten wird Realität werden – RedBull, DFL und DFB sei Dank. Aber zumindest bin ich vorbereitet. Das lässt einen entspannter auf RB schauen, deren Produkte ich nicht erst seit Leipzig als Konsument meide. Ich glaube nämlich an die Wirkung von Angebot und Nachfrage. (cu)

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