Cool bleiben!

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Marc-Andre ter Stegen wird Borussia Mönchengladbach verlassen. Irgendwie steht es ja fest – und wie will man es  einem jungem Torwart seiner Klasse auch übel nehmen, dass er bald beim FC Barcelona das Tor hüten darf. Identifikationsfigur hin oder her. Man kann, sollte es ihm gönnen. Was jedoch allen Beteiligten in den Knochen hängt,  ist das ganze Geschacher um den Wechsel.

Die Weihnachtsfeiertage waren ein Auf und Ab. Der spanische Sportboulevard verkündete auf einmal eine irre Wendung. Hatte gerade noch Gladbachs Trainer Lucien Favre sein “Die-Welt-geht-unter-ein-Spieler-ist-weg”-Gesicht aufgesetzt und (mal wieder) dunkle Wolken beschworen, schreibt die Marca, dass Barcelona sich für Thibaut Courtois von Athletico Madrid, bei Chelsea unter Vertrag, entschieden habe. Einen Tag später schreibt die “Sport”, alles sei anders, also alter Stand. Ter Stegen spielt bei den Katalanen. Verkündet werden soll das Ganze jedoch erst, wenn Barcelonas bisheriger Torhüter Valdez einen neuen Verein gefunden habe. Noch den Durchblick? Keine Sorge – den hat in der “Causa ter Stegen” nicht erst seit Weihnachten keiner mehr .

Spanisches BlaBla

Der gröbste Fehler in der ganzen Debatte ist einfach zu finden: In der ganzen Berichterstattung fehlt die Distanz zu den spanischen Tageszeitungen. Dort ist nicht wichtig, wie wahr eine Story ist, dort zählt rein das Ballyhoo um die höchste Auflage. Schon die 11Freunde erprobte sich einst an einem Selbstversuch, den spanischen Sportmedienmarkt zu verstehen. Mit geringem Erfolg. Genauso wenig Erfolg ist auch uns beschieden, wirklich zu wissen, was in der Sache ter Stegen tatsächlich los ist. Dabei gibt es zahlreiche Punkte, den Wechsel nüchtern, sachlich und vor allem auch interessant zu betrachten, ohne dass der geneigte Gladbacher Angst um die Zukunft seines Teams haben muss.

Der Berater

So hat Marc-Andre ter Stegen einen Berater, der diesen Namen auch wirklich verdient. Gerd vom Bruch war mal Gladbach-Trainer, in einer Zeit, in der der Verein nicht besonders gut aufgestellt war. Er hatte mäßigen Erfolg, galt aber als ruhiger Mann in einem verunsicherten Club. Ein unseriöses Image hat der Mann sicher nicht. Auch als es los ging mit der ganzen Geschichte um ter Stegen, war es vom Bruch, der die ganze Sache stets beruhigte. Es ist auch sein Verdienst, dass der Torwart stabile Leistungen zeigt, statt aufgrund der Spekulationen komplett durchzudrehen. Denn ankreiden kann man ter Stegen nicht, dass er sich hängen lässt oder überdreht. Man stelle sich diese Gerüchteküche bei einem Spieler vor, der eine Berater-Kohorte wie der Wolfsburger Diego hat. Man könnte das Training einstellen, soviel dummer Mist dann erzählt werden würde. Und wirklich Leistung bringt ein solcher Spieler auch nur selten.

Die Mannschaft

Würde der Keeper gehen, sollte man nicht in die Januar-Panik wie vor zwei Jahren verfallen. Ein ter-Stegen-Abgang ist mit der damaligen Situation um Dante und Reus nicht vergleichbar. Zwar spült der Torhüter einen hohen, puren Reingewinn in die Vereinskassen. Aber – im Gegensatz zu damals – gibt es mit Oliver Baumann einen fast schon natürlichen Ersatz (der Giefer-Kelch wandert ja bekannter Weise in Richtung Schalke). Von der Spielanlage ähneln sich Baumann und ter Stegen sehr, von der Art her dürfte der ruhigere Baumann einem Trainer wie Lucien Favre fast noch besser gefallen. Zumindest nach ein paar Monaten der Eingewöhnungszeit. Sollte sich Gladbach tatsächlich für das internationale Geschäft qualifizieren, wird Baumann für die Freiburger nicht zu halten sein. Auf jeden Fall kann man – selbst wenn es nicht Baumann wird – davon ausgehen, dass mit dem Wechsel ter Stegens zeitnah eine Lösung für die Borussia verkündet wird. Parallelen zum Weggang von Manuel Neuer damals auf Schalke gibt es kaum. Dass dieser Vergleich unzulässig ist, zeigt der in den letzten beiden Jahren sehr deutliche Qualitätsunterschied der sportlichen Leitungen von Schalke und Gladbach. Horst Heldt ist nun mal einem Max Eberl nur in der Körpergröße ebenbürtig.

Die Identifikationsfigur…

…ist ter Stegen irgendwie schon, aber auch nicht wirklich. Der Junge ist zwar aus Gladbach, aber er ist ein großer Spieler, der ein großes Angebot hat. Solange er nicht zum 1.FC Köln, Bayern oder nach Dortmund wechselt, bleibt er immer ein Borusse vom Niederrhein. Das hat selbst Günther Netzer geschafft, der ja nun mal auch nach Spanien, zu Real Madrid, gegangen ist. Ein Problem sah darin damals nur der Trainer, der deshalb beinahe ganz Gladbach um einen großen Moment brachte, als er Netzer im Pokalfinale ‘73 zunächst schmähte. Aber die Zeiten eines Hennes Weisweilers sind vorbei, auch wenn der kautzige Favre sich anschickt, in seine Fußstapfen zu treten.

Womit wir bei der derzeit einzig wahren Identifikationsfigur sind: Es ist Lucien Favre. Mit seinem Abgang hätte man verloren. Bleibt jedoch der Rest der Mannschaft zusammen, ein guter erster Torwart (und bitte auch ein guter, neuer Back-Up), der Mann sollte zufrieden sein. Eine Vertragsverlängerung mit Favre über 2015 hinaus würde alles in den Schatten stellen. Auch, dass ein verdammt guter, junger Torwart sein Recht einlöst, sich einen weiteren Kindheitstraum von der Playstation zu erfüllen. Nämlich nicht nur Elfmeter von Messi zu parieren, sondern auch mit ihm in einem Team zu spielen. (cu)

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