Büskens und der Journalismus

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Huch, Dienstag (05.11.2013) also die Meldung: Mike Büskens bleibt der Trainer von Fortuna Düsseldorf. Hatte das die BILD-Zeitung nicht schon längst anders beschlossen und gar verkündet, es nach dem Spiel in Aalen sogar auf die Titelseite gehoben? “Büskens entlassen” konnte jeder im Einzugsgebiet der Regionalausgabe Düsseldorf lesen. Andere spekulierten danach gar über die Rückkehr von Norbert Meier. Am Ende kam alles (vorerst) anders, die Einsicht der betroffenen Medien hält sich jedoch in Grenzen. Man gibt Irrtümer halt ungerne zu und läuft somit ins Abseits. Und zeigt deutlich auf, warum der (Sport-)journalismus ein großes Problem hat.

Es ist schon ein Hammer! Im Grunde hat die BILD jetzt alle Chancen, mal einen Irrtum zuzugeben. Öffentlich im Blatt. Aber so einfach geht das wohl nicht. Statt sich mal an die eigene Nase zu packen, in Sachen Büskens etwas vorschnell agiert zu haben, wird das ganze zum “Chaos” hoch geschrieben. Denn wer nicht auf die Boulevardzeitung hört, der kann sie ja – gerade im Fußball – nicht mehr alle an der Lampe haben. Und dafür, dass Fortuna mindestens noch ein Spiel lang an Büskens festhält, kann es nur einen Grund geben: Es MUSS Chaos im „Irrenhaus Fortuna“ herrschen! Dass die in dem Entlassungsartikel genannte Quelle (ein Einzelner aus dem Dunstkreis des Aufsichtsrats?) des Guten zu wenig sein könnte, scheint ausgeschlossen. Gerade bei diesem Autor. Fiel doch ebendieser auch an anderen Bundesliga-Stationen häufiger mal – nicht gerade wohlwollend – auf. Zumindest kann man bei der BILD in diesem Fall sagen: Rein professionell und handwerklich gesehen ist das kein (ausreichender) Journalismus.

Auch RP und Express greifen ins Klo

Jetzt ist es natürlich einfach, auf die BILD zu prügeln – reine Mainstream-Medien-Kritik. Aber der “Fall Büskens” geht weit über die BILD hinaus. Denn zwei andere Blätter versuchten anscheinend, ebenfalls mit maximalem Krawall die Verkäufe zu steigern. Da ist der “Express”, der Norbert Meier zurückschreiben wollte. Auch hier: Quellenlage dürftig. Und die Rheinische Post zieht einen Tag später sogar auf dem Titel in Düsseldorf nach. Ganz schlimm: Informanten? Im Text mit der Lupe zu erkennen, wenn überhaupt! Es drängt sich auf, da schreibt man einfach mal voneinander ab. Die BILD hat die Kündigung ausgerufen, der Express holt Meier zurück, die RP denkt wohl: “Wird schon stimmen, was beide da treiben, machen wir dann auch so.” Dass alles anders kam, ist dann natürlich irgendwie “doof”. Denn nicht eine “Vision” dieser Artikel ist in der Realität angekommen. Im Grunde hätte sich jeder Fortuna-Fan von Samstag bis Mittwoch sein Geld für diese Zeitung(en) sparen können. In Sachen Fortuna standen nur Wünsche drin, wie an Weihnachten. Es regierte der literarische Bluthochdruck. Für diesen zahlt der Kunde aber nicht, sondern für – Achtung Insiderinformation – Journalismus!

Dabei mag es ja sein, dass es all diese Gedankenspiele bei der Fortuna gab. Durchaus legitim, darüber mal was zu schreiben, es mal im Rahmen einer kritischen Analyse anzumerken. Aber nicht in der erlebten Größenordnung! Titelseiten wurden mit dünnster Quellenlage gefüllt. Ich hatte schon am Samstag ein ungutes Gefühl, ob die Kollegen da nicht größeren Schaden für den Berufsstand anrichten. Aber was wunder ich mich: Natürlich schafften sie es. Zumindest ist jetzt erst einmal die Glaubwürdigkeit wieder ein Stück weit mehr dahin.

Zurück zur Recherche

Was ist also die Lehre aus dem “Fall Büskens”, der so beispielhaft für den Zustand des (Sport-)journalismus steht. Ich würde mir wünschen, es wird wieder mehr auf Eigenrecherche gesetzt. Das Voneinander-Abschreiben muss ein Ende haben! Einfach mal selber nachdenken, statt das Hirn beim Abpinnen anderer Texte abzugeben. Warum nicht zum Hörer greifen, die Betroffenen fragen und auch mal mehr als zwei Minuten auf einen Rückruf oder eine Antwort warten. Und bei Fehlern: Schluss mit der ewigen Rechtfertigung, und Hosen runter! Ich bin immer gut damit gefahren, inhaltliche Fehler unumwunden zuzugeben. Das bringt Vertrauen bei den Quellen und Glaubwürdigkeit gegenüber dem Nutzer. Wo ich mich rauswinden wollte, hab ich später nichts mehr zu holen gehabt. Eben weil viele Journalistenrechtfertigungen beim Empfänger oft in den falschen Hals geraten – wenn man keine Argumente mehr hat außer dem Beharren auf kleinen Unterpunkten. Es klingt dann immer so peinlich nach “Halt’s Maul du Leser, ich weiß schon was ich tue.” Das Blöde an dieser Geisteshaltung ist heutzutage jedoch, dass sich der doofe Leser dann, ganz mündig, halt was anderes sucht. Zum Beispiel Blogs. Welche Folgen das hat, kann man schön daran beobachten, wie manche Zeitung gerade ausblutet.

Also halten wir fest: Mike Büskens ist immer noch Trainer bei der Fortuna, Norbert Meier immer noch entlassen. Marc-Andre ter Stegen spielt in dieser Saison irgendwie immer noch nicht in Barcelona, Lucien Favre ist nicht bei den Bayern oder bei der Schweizer Nationalmannschaft gelandet und die DEG hat schlicht ‘ne neue Gesellschafterstruktur und intern ein bisschen die Stühle verschoben. Ist aber finanziell längst nicht gerettet. Und der 1.FC Köln ist noch lange nicht aufgestiegen, geschweige denn in der Champions-League angekommen. Diese Zustände einfach mal als gegeben zu sehen, statt sie ständig neu zu interpretieren, das wäre ein Anfang für den Sportjournalismus. (cu)

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