Zwischenruf: Englische Verhältnisse

Mehr junge Spieler
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Viele Fans und Journalisten warten auf einen gestandenen Innenverteidiger, darauf, dass Max Eberl endlich eintütet, wer mit Martin Stranzl, Tony Jantschke und Rouel Brouwers in der kommenden Saison das Zentrum dicht macht. Das ist insofern bemerkenswert, weil die Borussia bereits zwei neue Verteidiger verpflichtet hat. Zum einen konnte Crystal Palace mit dem 17-jährigen Mandela Egbo eines der besten englischen Nachwuchstalente abgeluchst werden. Zum anderen wurde, nur einen Tag später (24.06.2015), Nico Elvedi vom FC Zürich verpflichtet.

Während Egbo noch für die U23 eingesetzt zum Einsatz kommt, könnte Elvedi schon ein Kandidat für den Profi-Kader sein. In der Schweiz hat der 18-Jährige bereits in der ersten Liga sowie in der Europa League gespielt. Sind die beiden jetzt also die angekündigten Verpflichtungen für die Defensive, die in der kommenden Saison bereits einsatzfähig sind und der Mannschaft schnell weiter helfen?

Wohl nicht. Eher sind die beiden Ausdruck für die nächste Entwicklungsstufe der Borussia. Nach der Champions League-Teilnahme hat der Verein in ganz Europa einen noch besseren Ruf. Besonders, dass in Gladbach gerne mit jungen Spielern gearbeitet wird und man mit ihnen auch Geduld hat, ist ein zusätzlicher Motivationsfaktor, bei der Borussia zu unterschreiben. Dieses Gemisch aus Erfolg, Können und Image nutzen die Verantwortlichen nun.

Denn Spieler wie Eveldi und Egbo sind Wetten auf die Zukunft. Sie kosten – zumindest für derzeitige Einnahmenverhältnisse – nicht viel. Im Zweifel ist der finanzielle Verlust – sollten sie nicht durchstarten – verschmerzbar. Aber davon gehen die Verantwortlichen nicht aus. Im Gegenteil. Schlagen die Spieler ein, sind sie Säulen und können den Verein eventuell zu einer größeren Titelsammlung verhelfen und langfristig im Borussia-Park auflaufen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass man in Mönchengladbach darauf baut, die nächsten Renditen einplanen zu können. Vielleicht erzielt man mit Egbo oder Elvedi irgendwann  Ablösesummen in der Höhe eines Firminos. Gerade bei einem etablierten Profi wie Egbo, der dann vielleicht englischer A-Nationalspieler ist, würden nach heutigen Stand massenhaft englisches Pfund über den Kanal geflogen kommen.

Wie lohnenswert das Geschäft mit kostengünstigen oder eigenen Spielern ist, zeigen Transfers wie Max Kruse, Marc-Andre ter Stegen, Marco Marin oder Marcell Jansen. Mit ihnen machte man fette Gewinne. Darüber hinaus – das war bei Jansen und Marin noch anders –  vermag man solche Abgänge inzwischen sportlich kompensieren. Und mit den neuen U18-Spielern besteht jetzt sogar die Chance, noch höhere Summen zu erzielen.

Warum? Sind doch die jetzigen Verpflichtungen Talente, die sich vor zwei, drei Jahren sich zum Beispiel noch für die Jugendakademie Arsenal Londons entschieden hätten. Ins Bild passt hierbei die vor ein paar Tagen bekannt gewordene Info, dass sich das norwegische Top-Talent Martin Ødegaard beinahe mal für die Borussia entschieden hätte, bevor er dann in die Nachwuchsabteilung Real Madrids wechselte. Klar ist Madrid eine Hausnummer, mit der sich der linke Niederrhein nicht messen kann. Die Geschichte um Ødegaard und die beiden jetzt erfolgten Transfers zeigen jedoch: Die Borussia stößt bei den Neuverpflichtungen in andere Dimensionen vor. Europas Top-Nachwuchs schaut auf die “ostholländische” Fußball-Philososphie. Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis der bisherigen Transfer-Phase. Es könnte die (Überlebens-) Lebensgarantie für den Gladbacher Erfolg sein.

2 Kommentare

  1. Sicher wird Borussia Mönchengladbach immer interessanter für neue Talente. Aktuell muss man aber die kommende Saison im Auge haben. Ich vertraue da auf Max Eberl. Bisher hat er aus meiner Sicht bei solchen Dingen hervorragende Arbeit geleistet.

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