Verstörende Visionen in Manchester

Not more than soccer
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Noch im Shop: MCFC-Fans

Manchester City FC hat Borussia Mönchengladbach verdient besiegt. Dem späten Sturmlauf der „Citizens“ hatten die nun müden Gladbacher nach überragender erster Halbzeit letztlich nichts mehr entgegenzusetzen. Rückstand in Manchester gedreht, dann trotzdem verloren – eine gewisse Enttäuschung war schon vorhanden, als ich gedankenverloren gegen Ende des Spiels auf das von Joe Hart gehütete MCFC-Tor in wenigen Metern Entfernung blickte.

Doch andere Gefühle waren viel stärker! Mitleid, eine gewisse Wut und sogar Ekel: Der Besuch im Etihad (nicht umsonst in England als „Emptihad“ verschrien) ließ jeden Borussenfan für zwei, drei Stunden in die hässliche Fratze des voranwalzenden Sportkapitalismus starren. Dass der Heimspiel-Alltag des Manchester City FC eine Vision aus der Zukunft der Bundesliga ist, muss um alles in der Welt vermieden werden. Der Stadionbesuch als aseptische Konsumveranstaltung unter dem Deckmantel der pseudo-notwendigen, geheuchelten Sicherheit. Hinsetzen, keine Regung, Cola schlürfen und nach dem Abpfiff schnell weg. „The City shop is now open again“. Es ist die Chronologie eines Fußballabends mit einem Klub, der mit einem „Verein“ nichts mehr gemein hat.

Ticketorder aus der Hölle, Stimmung wie auf dem Friedhof

Im Prolog die Farce, dass Ticketbestellungen für Plätze außerhalb des Gästeblocks von deutschen Adressen storniert wurden. Fußball gucken nur bei „passender“ Nationalität oder Wohnort. Am Tag des freien Verkaufes selbst wurden die Kaufbedingungen für das Gladbach Spiel geändert, als die Ticketabteilung wohl bemerkte, dass da jede Menge Borussen über britische Bekannte und Freunde Karten erwarben. Um elf Uhr brauchte man plötzlich Punkte auf seinem MCFC-Konto – durch vorherige Stadionbesuche akkumuliert – um sich für den Ticketkauf City-Gladbach zu „qualifizieren“. Um neun Uhr war das noch nicht der Fall gewesen. Im Stadion dann (Alkohol- und Rauchverbot – geschenkt) Verbote: Feuerzeugverbot. Schalverbot. Trikotverbot. Aufstehverbot. Jubelverbot. City hat die Chance, ihre Champions League Gruppe zu gewinnen, und zehn Minuten vor Anpfiff ist das Stadion halb leer. Wahrscheinlich alle „shoppen“, City-Zahnpasta oder Joe Hart-Parfüm.

Das Spiel beginnt, und es passiert: nix! 95Prozent des Stadions glotzen stumm, was da passiert. Naja gut, kannte man alles vom TV und Erzählungen, die Existenz von designierten „singing sections“ spricht ja ohnehin schon Bände. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Abschnitte neben den “away supporters” genau eben diese singenden Blöcke sind. Und wir mittendrin! Nochmal: Neben dem Gladbach-Bereich befindet sich der einzige Block im Stadion, in dem sich zumindest etwas Fankultur regt! Vom Support her ist das alles sehr, sehr überschaubar. Meine britische Sitznachbarin entschuldigt sich denn auch für die erbärmliche Unterstützung der Fans des Heimteams. Sie und ihre Freundin feuerten aus Leibeskräften an, aber zu zweit kommt man halt nicht weit im Stadionrund. So textete sie dann auch nach zehn Minuten einem Freund: „komm’ mir vor wie bei einem Auswärtsspiel“, als die stimmgewaltigen Fohlen-Fans wieder einmal die akustische Herrschaft übernommen hatten. Zur Erinnerung: Das hier waren die „aktiven“ Heimfans, im “singenden Block”. Bei mir machte sich in der Tat Mitleid breit.

Darum liebt alle den Scheich

Über allem thronte – im Hinblick auf das sich uns bietende Schauspiel aus Borussen-Perspektive mit ironischem Einschlag – ein von offizieller Seite aufgehängtes Banner, in dem Klubbesitzer Scheich Mansour aus den Vereinigten Arabischen Emiraten devot gedankt wird. So nahm das Spiel seinen Lauf, und die auf den Rängen hoffnungslos bis zur Fremdscham unterlegenen “Blues” waren sich dann auch nicht zu schade, allen Ernstes nach den entscheidenen sechs Minuten und drei Toren zum 4:2 „you’re not singing anymore“ in Richtung Borussenkurve zu skandieren: Nachdem sie siebzig Minuten mit teilweise offenen Mündern und gezücktem Smartphone andächtig der Gladbacher Kurve gelauscht hatten. Wieviel verletzter Stolz, wieviel Neid mag sich da Bahn gebrochen haben, bei diesem Inselchen von Cityfans in einem Meer von anscheinend still konsumierenden Anhängern? Nach dem Spiel stand sogar Ekel, als viele Augenzeugenberichte von Borussen von den Tribünen kamen, die schilderten, wie City-„Fans“ jubelnde, sich über Borussia-Tore freuende Gladbacher tatsächlich bei Ordnern denunzierten und Stadionverbannung forderten. Wie sehr muss man sich von dem Sport, den man vorgibt zu lieben, entfernt haben, um sich derart zu verhalten? Allein, man konnte sie nicht fragen, war das Stadion denn auch drei Minuten nach dem Abpfiff zu zwei Dritteln geleert. Auch auf dem Rasen: die Angestellten Spieler waren bis auf Torwart Joe Hart pünktlich in der Kabine verschwunden. Aber hey, dafür war ja jetzt der “City store” wieder offen, wie per Lautsprecher vermeldet.

“Fußball 2015 ist nun mal so”, werden jetzt die einen rufen, “Sicherheit für den Stadionbesuch mit Familie hat Priorität” die anderen. Nur, darum geht es hier nicht. Das “safety”-Gerede ist eine offensichtliche Blendgranate für das Erstreben, bis ins Detail kontrollierbare und formbare Konsumenten für das Business-Franchise Manchester City zu kreieren. Ginge es nämlich um die Sicherheit, hätte man mal zumindest mal den ein oder anderen Besucher am Eingang abtasten können. Das ist nämlich überhaupt nicht geschehen. Dazu ist die Idee, das Heim-Supporter-Blöckchen gleich neben den der Auswärtsfans zu platzieren, getrennt von einem Schrebergartenzäunchen, kompletter Irrsinn. Zynische Niederrheiner in den Bars von Manchester nach Abpfiff vermuteten gar ein gewisses Kalkül hinter dem Aneinanderreihen der Fanlager: So ist ja bei jedweden erwartbaren Reibereien der Ruf nach „mehr Sicherheit“ entsprechend leicht vorzubringen. Sicher kein absurder Gedanke.

Jubeln? Raus aus dem Stadion!

So boten sich in Manchester zwei Bilder: Hier die sich sehr gut benehmenden, zahlreichen Gladbachfans, die mit famosem Auswärtssupport erneut europaweit aufhorchen ließen; dort ein unheilvoller Vorbote auf ein Stadionerlebnis, wie es hoffentlich in der Bundesliga nie vorkommen wird, in zehn Jahren durchaus aber vorstellbar ist. Kernpunkte, wie es dies zu verhindern gilt, sind jedoch nicht die der reduzierten Auswärtskontingente oder personalisierten Eintrittskarten. Dies sind letztlich Details der Fan-Verein-Interessen, die trotz allem immer noch im nahen Austausch zwischen Klub und Fanvertretetern verhandelt und diskutieren werden (können). Nein, der wahre Umschubser in Richtung Etihad-Stimmung käme aus der Führungsetage: Jedwede Aufweichung der 50+1 Regel (auch wenn Kollege Ullrich genau dafür Argumente findet). Es ist simpel: Ist ein Investor mit neunstelligen Millionenbeträgen am Start, verkommt der finanzielle Beitrag der Kartenverkäufe zur Kaffeekassensumme. Ergo hat der Besitzer/Verein, nun gleichbedeutend, kein Interesse mehr daran, sich mit Fankultur auseinander zu setzen, wenn es dem Profit entgegen steht und teure, “akustikberuhigte” Sitzplätze da einfach besser passen. Dazu sind derartige Kunden flugs nach Abpfiff im besagten Shop als Konsumenten – anstelle der “krakelenden” Ultras platziert man viel besser Touristen aus Südost-Asien oder den USA mit einem rundum-VIP-Erlebnis samt Hotel, Essen und Plüschtier im Stadion. Auch wenn das speziell im Gladbacher Falle ein weit entferntes Horrorszenario ist, da der Verein sich aktuell der Bedeutung der Fankultur sehr bewusst ist: In anderen Bundesliga-Stadien würde es schnell so weit kommen, würde man die Investoren nur lassen.

Man mag also zur aktiven Fanszene und deren Protagnisten stehen, wie man will, aber wenn man nicht irgendwann von der “gesitteten Gegengerade” auf eine “stumme Nordkurve” blicken will und neben sich den Hannover-Fan vom Ordner wegen “Torfreude” ermahnt sieht, sollte man sich an Abende wie Borussias Auftritt im Etihad Stadion aus der Fanperspektive stets erinnern.

40 Kommentare

    • Hi Michele,
      vielleicht haben Gladbacher auch aus Ironie mitgesungen. Auf unserer Seite kam „you’re not singing anymore“ ganz klar von den Citizen-Fans. Die Gladbacher haben allerdings, erwartbar, auch mit „you only sing when you’re winning“ (nie passender) geantwortet.

  1. Hallo, mit vielem hast du sicherlich recht. Aber ich war auch direkt hinter dem Tor, mitten in dieser „singing area“ und ich fand deren Support teilweise nicht schlecht. Wobei wir Ärger mit jüngeren Fans dort hatten und uns glücklicherweise ein paar Ältere quasi geschützt haben, sonst wäre es ungemütlich für meine beiden Freunde und mich geworden.
    Also dort hat nicht ein City Fan gesessen. Und sie haben immer wieder versucht anzusingen und uns – also unserer Kurve – paroli zu bieten. Ich fand das gefühlt ganz repektabel.
    Wie mir am nächsten Tag unser Taxifahrer- auch City Fan sagte – interessiert sich in City kaum jemand für die CL. In der Tat sind diese Spiele die Gelegenheit für „ärmere Fans“, um City einmal live zu erleben. Die Karten sind um einiges günstiger. Um uns rum standen auffällig viele junge Fans.
    Ich kann am Ende deine Ansicht von der schlechten Stimmung nicht ganz teilen. Und das sage ich, obwohl wir dort bedroht worden sind.
    Ich kann aber einfach auch eine andere Wahrnehmung gehabt haben als du. Evtl. ist mein Besuch in Everton einen Tag vorher die Erklärung. Denn dort war wahrlich gar keine Stimmung. Sowas hatte ich noch nie erlebt.
    Womit du natürlich recht hast ist die grundsätzliche Entwicklung des englischen Fussballs und deren kommerzialisierenden Auswüchse.

    • Hi Tom,
      es ist letztlich mein Erlebnisbericht, und je nach Akustik wirken solche Dinge schon wenige Meter weiter/höher/tiefer anders.
      Was ich aber versuchte darzustellen ist auch der Aspekt, dass es durchaus gewillte „aktive Fans“ gibt – bei uns stand auch jeder, und einige sangen – die aber sowohl im weiten Rund komplett untergehen, als auch durch diese „singing sections“ komplett einkaserniert werden. Ich hab mich auch mit meinen Nachbarn gut verständigt. Das ist es ja, vielen war es peinlich, die stehen und singen auch lieber. Nur, führ dir mal vor Augen, worüber wir hier reden: Der „ganz respektable“ Support ist der Versuch von einigen hundert Heimfans gegen die Auswärtskurve (!) anzusingen. Beim englischen Meister von 2012 und 2014. Das war deren „Nordkurve“.

      Sicherlich ist CL-Verdruss etc auch ein Punkt, aber letztlich sollte es bei einem Premier League Team in einem 60000-Leute-Stadion nicht zu einer solchen krassen Kräfteverschiebung Heim/Auswärts kommen.

      • Hallo Manuel, da hast du sicherlich recht. Wenn man direkt in diesen paar hundert Mann steht, hat es eine andere Wirkung als wenn man woanders steht. So habe ich zum Beispiel den guten Support von uns gesehen, aber auch kaum gehört und das obwohl ich nur gut 20 Meter weg war. Spricht also eindeutig für deine These.
        Ich denke einfach, dass bei mir das Everton Erlebnis der Grund war. Dort hat in 90 Minuten nicht ein einziger gesungen. Im Verhältnis war da der Support von City schon besser. Immer eine Frage der Erwartung und Relation.

        • Ja. In Newcastle oder hier in Schottland (erste und zweite Liga) fand ich den support zum Beispiel immer ok. Gibt halt keine Kurve, aber wenn von überall angestimmt wird finde ich das auch cool, manche sagen sogar besser so. Aber im Etihad wirkte es wie das letzte Häufchen von ein paar Aktiven.

  2. Ich sass rechts neben den beiden erwähnten Mädels und gehörte zu denen, die wenige ausrastende CityFans mit Schaum vorm Mund nach dem 1:1 des Blockes verweisen lassen wollten. Beim 2:1 dachte ich, dass einer mir von hinten in den Nacken springen und mich lynchen würde. Hat er aber dann doch nicht gemacht und ich den Blickkontakt bis zum Abpfiff konsequent vermieden.

  3. Super Kommentar . Wir sind nach dem 2 1 rausgeflogen weil wir gejubelt haben ! Durften aber ne halbe Stunde wieder rein auf einer anderen Stelle um uns zu schützen

  4. Fand den Support von City Seite und das Denuziantentum einiger Citizens schon erbärmlich. Zudem kann ich auch sagen, dass man vom einen bespuckt und denunziert wurde, die anderen einen für den coolen Support beglückwünscht haben. Hält sich also alles die Waage. Die Begeisterung für die PL hat bei mir aber weiter abgenommen, so möglich. Ich war übrigens in dem Block über der „singing Section“ und ich konnte die Citizens nur von der 81.-85. Minute hören!

  5. Anderer Block, andere Perspektive:
    Wir waren in der 1894 VIP Bar – die war zur Hälfte in Borussenhand. Auf der Tribüne hat unsere Vorsicht dann ungefähr eine halbe Minute gehalten, danach haben wir das ganze Spiel enthemmt gesungen gefeiert und gejubelt. Ab und zu hörte man mal ein „sit down“, aber das war sehr zurückhaltend vorgetragen.
    Insgesamt mit Sicherheit eine sehr einseitige Vorstellung. Was natürlich viel über den englischen Fussball sagt. Und zum Glück auch sehr viel über unsere Borussia!

  6. Klasse Artikel. Allerdings sollte man nicht denken dass in anderen Stadien Englands bessere Stimmung herrscht. Mittlerweile sieht das im Old Trafford oder an der Anfield Road nicht anders aus. Wirklich gute Stimmung bekommt man eigentlich nur noch in Evertons Goodison Park und evtl bei Newcastle United geboten. Ansonsten ist es schon traurig was aus dem englischen Fußball geworden ist.

    Aber die Emotionen sollen ja nicht nur auf den Rängen kürzer treten. In der Bundesliga wird aus jedem Pyro ein Drama gemacht. Auf dem Platz herrschen teilweise kaum noch Emotionen. Die Interviews nach dem Spiel könnten von Robotern stammen. Jahr für Jahr wird alles immer fader und irgendwann wird sicherlich auch die Fußball Bundesliga leider dahin kommen, wo England bereits angelangt ist.

    Ansonsten Respekt für den Support. Die Fanbase von Gladbach ist zusammen mit Dresden, Frankfurt und vllt Dortmund das beste was Deutschland zu bieten hat.

  7. Hallo war das erste mal in England muss sagen das dass ganze drumherum sehr gut war besonders wenn man Behindert ist Service eine glatte 1 man wurde bis zum Platz gefahren das schon ein Erlebnis war aber was dann im Stadion abging geht garnicht wir wurden geschlagen und beschmissen geschubst und es kam weder die Ordner oder Polizei Block 117
    nichts so das wir nachher versucht haben da weg zukommen und auf einmal kam ein mop von 40-50 mann und versuchten uns anzugreifen 5 Polizisten versuchten uns zu schützen was leider nicht funktionierte so das wir Gott sei dank in dem Fanblock rein kammen nochmals in dieses Stadion nein danke gesagt pack mir tuen immer noch die Knochen weh

  8. Dieses Stadion hat mich das letzte Mal in meinem Leben gesehen. So nett und unausstehlich freundlich die Engländer auch sind aber die Schattenseite haben wir am eigenen Leib im Stadion zu spüren bekommen.

    Beim ersten Tor haben wir gejubelt und auf einmal kam von 3 Seiten (sogar vom Nachbarblock) „Sit Down, Sit Down, Steward !!!!“ … nach dem zweiten Tor ist die Hälfte sitzen geblieben und auf einmal gings richtig Los „Sit Down Bastards, Sit down, Steeeeward“ … Dann fingen die City Fans mit dem Steward diskutieren an … Auf uns wurde sogar mit dem Finger gezeigt, wer aller rausgeschmissen werden sollte. Ein Gladbach Fan hat dann zum Steward gesagt: „It´s only a Football Game. Whats the problem?“ Der Steward ging lachend weg und nix is passiert.

    Aber wir hatten die restliche Zeit böse Blicke zu ertragen und die City Fans haben mehr auf uns geachtet als auf das Spiel, dass wir nix falsches machen wie zb. „Jubeln oder Klatschen“

    So etwas hab ich noch in keinem Stadion in Deutschland erlebt was mir dort widerfahren ist.

    Das Geilste war … genau die Leute, die uns rauswerfen wollten sind in der 85. Minute einfach gegangen. Der halbe Block war auf einmal weg. Toller Support … 🙁

    Andere Fans haben im Hotel erzählt, dass Sie sogar mit Plastikflaschen und Essen beworfen worden sind. Die hatten sich sogar eine Loge geleistet.

  9. Wir saßen auf der Haupttribüne im Unterrang zwischen Pressetribüne und Spielerbank. Bei jedem Tor bin ich aufgesprungen und habe gejubelt wie in der Nordkurve und bei jeder guten Aktion habe ich geklatscht und die Jungs lautstark angefeuert. Und bei jeder misslungenen Aktion von City habe ich das auch deutlich zu verstehen gegeben. Und um uns herum nur Citizens. Ein, zwei Leute haben ein wenig verwundert geschaut, dass da einer saß, der für die anderen war. Aber keiner hat irgendetwas gesagt, kein Steward kam und hat gemaßregelt. Habe mich genauso verhalten wie bei unseren Heimspielen, hatte meine Borussen Mütze auf und kann nichts negatives sagen. Auch nach dem Spiel auf dem Weg ins Hotel keine Vorkommnisse.

    Die Karten haben wir im übrigen ganz normal per Telefonanruf bei ManCity gekauft. 25 Pfund pro Karte für die Haupttribüne. Ein Schnäppchen im Vergleich zu anderen Spielen. War alles ganz easy.

    Alles andere zum Support der City Fans und der Stimmung wurde ja schon ausführlich beschrieben. Wenn das die Zukunft des Fussballs ist, dann gute Nacht.

    • Wir (zwischen 45 und 55) saßen in Block 106 und wurden – obwohl ohne erkennbare Fanutensilien – aufgrund unserer Muttersprache schnell als Borussen ausfindig gemacht und schon vor Anpfiff auf das Übelste angepöbelt (besonders nach dem 1:0 für Shitty). Als wir dann beim 1:1 gejubelt haben, hat uns ein hinter uns sitzender Shitty – ‚Fan‘ zuerst erneut angepöbelt und danach einen Ordner gerufen. Dieser hat uns gebeten, die Plätze zu verlassen. Zunächst sagte man uns, dass man uns Plätze in der Nähe der Borussenkurve geben würde; dann aber hat man unsere Eintrittskarten einkassiert und mitgeteilt, dass wir das Stadion zu verlassen hätten („you were insulting the home fans by celebrating a goal scored by the guest team“). Auf die Aussage der Ordner, uns andere Plätze zu geben sagte man nur, das Stadion sei ausverkauft. Nach gut 35 Minuten war unser ‚Stadionerlebnis‘ beendet…

      Fazit: Nie wieder ‚Fussball‘ in England!!!

  10. Ich war am Anfang des Spieles im Block 117. Als wir mit ca. 15 Leuten beim 1:1 jubelten, wurden wir von ein paar Leuten vor uns direkt verbal und körperlich angegriffen. Ordner kamen und wollten die anderen beruhigen. Das klappte nicht, es wurde permanent gefordert uns rauszuwerfen und auch auf die einzelnen Personen gezeigt, die zu entfernen sind. Am Ende wurden wir dann aus dem Block geworfen.
    Ab der ca. 25 Minute standen wir also im Gang hinter dem Block. Dort warteten wir auf die Entscheidung, was mit uns ist. Kurz vor der Halbzeitpause fiel den Verantwortlichen dann auf, dass es wohl keine gute Idee war, uns dort einfach so stehen zu lassen und drängte uns an das Tor zum Gästeblock und stellten ein paar Polizisten vor uns auf. Als dann der Mob kam, wahrscheinlich um seine Freude über unseren Besuch auszudrücken, wurde dann endlich das Tor zum Gästeblock für uns geöffnet und wir wurden in Sicherheit gebracht.
    Dort hab ich mich dann unten recht an die Grenze zum Heimblock gestellt und den von gegenüber Kindern beim Provozieren zugeschaut. Unter aller Kanone war, dass die auf Gladbacher gezeigt hatten, die angeblich im Stadion geraucht hatten. Merkwürdig fand ich, dass denen nix passiert ist, aber Gladbacher, die zu offensiv an die Absperrung traten und zurückbrüllten von der Polizei aus dem Block geführt wurden.

  11. Ich bin ein 53jähriger Gladbach Fan und Familienvater der mit seiner ganzen Familie und 2 Freunden die Reise von Tirol nach Manchester angetreten hatte!!
    Wir sind seit zig Jahren mit unserem VFL tausende Kilometer unterwegs,waren schon in etlichen Stadien und haben wirklich viel erlebt!
    Das „Erlebniss“ bei City allerdings ist eines der tiefgreiffens
    ten und nachdenklichsten überhaupt !!
    Wenn das die Zukunft des Fußballs ist,wird er irgendwann ohne mich stattfinden!
    Ich kann fast alles was hier geschrieben wurde auch aus unserem Block bestätigen,es war einfach nur noch lächerlich !!
    Ich schäme mich (fremd) für diesen „Verein“ und den gesamten englischen Fußball von welchem ich immer ein großer Freund war!!
    Macht das in Deutschland Schule,ist das das Ende unseres so geliebten Sports !!
    Wenn es ein „nächstes mal“ geben sollte,sollten wir statt 5000,20000 sein um ein Zeichen zu setzen was Fußballkultur wirklich ist!!
    Irgendetwas ist in diesen 3 Tagen Manchester in mir kaputt gegangen…………..

  12. Hi
    Danke für die tollen Berichte
    Wir waren im Joe’s ein kleiner Vipbereich auf der Gegenseite . Dort waren einige Borussen und wir haben dort mächtig lautstark unterstützt. Die Engländer dort sind sogar mit uns aufgestanden und haben mitgehüpft weil sie keine Kölner waren. Wir waren 2 Blocks neben unseren Jungs und konnten das Treiben wunderbar beobachten . Da waren gefühlt nur 200 City Fans …..
    Aber der Jubel bei den Toren in der 2. Halbzeit war extrem laut , ich glaube die Arkustik ist im Stadion außergewöhnlich somit sollte wir froh sein nur Borussenlieder gehört zu haben …:-)
    Diese Karten (50£) wurden Deutsche verkauft und die Engländer waren dort in dem Bereich alle sehr freundlich .
    Nach dem Soiel sind wir zu Straßenbahn und man hatte uns sehr freundlich geholfen .
    Einer sagte zu mir, wir haben nicht verlohten , wir hätten den Sieg verschenkt…..
    Ich glaube das Team und die Fans haben dort einen starken Eindruck hinterlassen , nur schade das Juve nicht das 1:1 gemacht hatte …..

    • Hi Stefan,
      Dirk und Uwe, und Marco teilweise (unten) haben ja auch gute Erfahrungen gemacht. Schön, dass es nicht überall negativ war. Ich glaube auch, dass die City-Fans, wie alle Fangruppen, viele nette Leute haben, wir haben einige in Bars nachher getroffen. Nur gibt es so viele Regeln und Einschränkungen, dass die Leute völlig vergessen haben, wie es „früher“ mal auf den Tribünen war. Und, klingt ja auch bei dir durch, letztlich war es den meisten unangenehm-peinlich, „echten“ Support vorgeführt zu bekommen, da sind viele sicher auch aus verletztem Scham sauer geworden – obwohl ihre Wut sich sicherlich vielmehr gegen ihren Verein oder die „Fans“ richtete, als gegen Gladbach.

  13. Toller Artikel und super geschrieben. Trifft leider alles zu, auch das was in den Kommentaren steht.
    Glücklicherweise habe ich das mit den Beschimpfungen und Denunziationen nicht selbst erlebt. Es gesellten sich aber nach 15 Minuten einige Gladbach-Fans in unsere Reihe, die nur ein paar Reihen weiter offensichtlich massiv beschimpft wurden.

    Wir waren über der singing section in Block 314 und dort auch zu 50% unter City-Fans. Von denen kam zum Teil sogar Support, aber vor allem viel Respekt für unser Fanverhalten. Gestanden haben die alle auch meist. Auf meine Nachfrage bei dem aktivsten Fan hinter mir was mit dem City Support ist nur betretendes Schweigen und ein Blick auf den Boden.

    Wenn das die Zukunft des Fussballs ist, nein Danke. Und das sage ich als Vater, der mit seinem Sohn in Manchester war und im Borussia-Park meist im Osten oder Westen sitzt. Ich schüttel auch manchmal den Kopf über unsere Ultras, aber das was da in England abgeht, möchte ich nie bei uns erleben.

    Ich war im August in Watford. Erstes PL-Spiel nach deren Aufstieg. Volles Haus ja – aber Support auch dort nur auf Hoffenheim-Niveau. Ich bin mir sicher, die PL ist überall so. Schade, Tschüss Fankultur im Land des Fussballs

  14. Ich wollte in der Sache auch noch eines loswerden. Egal, wie das Erlebnis mit den Fans im Stadion war, haben wir sehr viele tolle City-Fans getroffen. Vor dem Spiel war es super und wie ich weiter oben schrieb, haben uns die älteren Fans im Block geschützt. Das ging sogar so weit, dass die Heißsporne, die in der Reihe hinter uns standen in der Halbzeit ihre Plätze verlassen mussten. Die standen danach einige Reihen höher und um uns eben die Älteren. Das fand ich trotz allem echt bemerkenswert.
    Das ändert natürlich nichts daran, dass das Verhalten der anderen beschämend war und der Support im ganzen eben dann kläglich.

  15. Klasse Bericht! Es wäre toll, wenn ihr das mal ins Englische übersetzen und verbreiten würdet. Ich glaube, die sind sich gar nicht richtig bewusst, in welcher Welt die mittlerweile leben!

  16. Moin, auch ich möchte gern meinen Erfahrungsbericht hier loswerden. Zunächst finde ich den Artikel ausgezeichnet geschrieben, nahezu sämtliche Kommentare aber ebenso. Die Übersetzung ins Englische möglichst inkl. der Kommentare ist eine hervorragende Idee. Ich hätte sogar einen potentiellen englischen Interessenten.
    Ich bin ein 47jähriger Borusse aus Schleswig-Holstein und bin daher leider nur unregelmäßig zu Spielen. Auch eine DK ist unsinnig. Daher schauen meine Familie und ich leider häufig trotz Mitgliedschaft besonders bei Auswärtstickets in die Röhre. Unser Sohn ist 13 und seit Jahren Borusse, was im Norden nicht immer einfach ist, da er stets allein unter all den gleichaltrigen FCB-„Fußballsachverständigen“ ist. Eigentlich sollte das Auswärtsspiel zu Juve gehen, da dies in den Herbstferien lag. Keine Chance für Tickets. Beim Hinspiel gegen City traf ich bei Ankunft in Düsseldorf auf eine Gruppe Cityzens, die alle nicht mehr in diesem Heißspornalter waren. Wir kamen ins Gespräch, teilten das Bier und die Schals im Zug auf dem Weg nach Gladbach und ich nahm sie mit ins Fanhaus. Wir leerten dort diverse Pitcher Alt und Pils und tauschten Kontakte miteinander aus. Sie waren begeistert von unserem Kulttreff und der lockeren Atmosphäre. Sie versprachen, für uns Tickets für das Rückspiel zu besorgen. Zu Hause angekommen, sprach ich mit meiner Familie darüber und wir beschlossen, daß wir alle 3 dorthin wollen. Diese Reise haben wir zelebriert. Die Freistellung für unseren Nachwuchsborussen wurde offiziell schriftlich beim Schulleiter des Gymnasiums beantragt und von diesem genehmigt. Es fanden Gespräche mit der Klassenlehrerin statt, unser Sohn arbeitete das gesamte Wochenende vor dem Spiel die beiden Schultage vor. In Manchester trafen wir dann nach einem Stadtbummel auf dem Christmas Market an der town hall unsere englischen Freunde, die beiden Cityzens. Sie nahmen auch am Fanmarsch teil, der leider etwa 20min früher startete als bekanntgegeben. Kurz vor Erreichen des Stadions überredeten sie uns, mit ihnen zu einem Cityzens-Pub zu gehen. Dort fingen dann die Unglaublichkeiten an. Obwohl wir als Zeichen unserer Freundschaft alle Schals in skyblue trugen, wurden wir dort abgewiesen. Auch unsere Engländer konnten daran nichts ändern. Am Stadion selbst gab es eine Art Biergarten mit Ausschank von richtigem Bier. Dort wollten sie nun mit uns Kerlen noch einmal anstoßen. Man fragte mich woher ich komme. Ich antwortete mit Germany, das wars. Keine Bedienung, selbst wenn ich Mineralwasser gewollt hätte. Aus Solidarität tranken unsere Engländer natürlich auch nichts. Die Stimmung war nun erstmal im Eimer, das nun eimsetzende englische Wetter tat sein Übriges. Am Einlass ging es weiter. Jacke schließen, damit man mein Gladbach-Trikot nicht sieht. Der Borussia-Schal mußte auch hinein, der City-Schal durfte sichtbar bleiben. Mein Sohn trug die grüne Coachjacke von letzter Saison, welche den Leuten am Einlass richtig Kopfzerbrechen bereitete. Ich hab echt gedacht, der Junge muß ohne Jacke ins Stadion. Man ließ ihn gewähren. Wir waren im Block 314 nahe dem Zugang mit etwa 4 oder 5 Polizisten. Einer unserer englischen Freunde saß in der Reihe vor uns. Beim 1:0 wurden wir das 1.Mal von einem Typen vor uns angegiftet, was ich zum Glück nicht mitbekam. Meine Frau sagte mit, er hatte regrlrecht Schaum vorm Mund und plärrte u a. „Fuck you“ auch in Richtung unseres Sohnes. Hätte ich es mitbekommen, wären wir sicher rausgeflogen, weil ich ihn dann zur Rede gestellt hätte. Beim Ausgleich teilte ich ihm auch etwas ähnlich Nettes mit, worauf er umgehend petzen ging. Mehrere Polizisten standen dann unmittelbar vor uns und diskutierten. Ich ignorierte das und feierte statt dessen unsere Borussia. Zum Glück gingen sie wieder, ich hab dem Typen gegenüber dann den Mund gehalten. Er ging sich dennoch noch mehrere Male beschweren, was mir als sehr eigenwillige Unsitte bereits da auffiel. Hinter uns standen nettere Engländer, von denen wir uns nach Abpfiff sogar mit shake hands verabschiedeten. Die Krönung waren dann noch die Shuttle-Busse zur Picadilly Station, welche eben nicht kostenlos waren, wie wir das aus nahezu allen deutschen Fußballstädten gewohnt sind. Jeder einzelne Fahrgast mußte bar bezahlen, was eine halbe Ewigkeit dauerte. Stellt Euch das mal am Borussiapark nach einem ausverkauften Spiel vor! Ich sprach vor dem Spiel noch mit unserem City-Freund über das Gefühl, hier nicht willkommen zu sein und über all die dämlichen Schikanen. Er sagte mir, daß es eine Art Fangruppierung bei den Cityzens gibt, die gegen genau das kämpfen. Sie wollen Veränderungen, weil sie das genau so unmöglich finden. Womit die Frage beantwortet ist, ob die überhaupt merken, was bei ihnen los ist. Ja, einige tun dies zum Glück noch. Und geschämt haben sich unsere Gastgeber mit Sicherheit. Immerhin kennen sie das Fanhaus am Borussiapark und sie haben unsere großartige Choreo beim Hinspiel erlebt. Es war ein fantastisches Abenteuer, besonders für unser „Fohlen“. Aber wie Uwe List etwas weiter oben geschrieben hat, ist auch bei mir ein klein wenig kaputtgegangen. Der Glaube daran, daß es das Größte ist, einmal den Fußball auf der Insel erlebt zu haben.

    • Hi Thomas B,
      vielen Dank für den ausführlichen Erlebnisbericht. Find‘ ich echt hart, deine Geschichte, soviel Energie und Vorfreude mit der Familie und den Citizens-Jungs, und dann sowas…Total frustrierend.

      • Um Missverständnisse auszuschließen: es überwiegt dennoch das Positive. Es war und ist nicht meine Absicht, das Erlebnis schlechtzureden. Ob es eine Möglichkeit gibt, das hier Geschriebene ins Englische zu übersetzen? Ich würde meinem Cityzen-Kumpel gern einen Link schicken. Evtl.kann besagte Gruppierung in Manchester damit was anfangen. Weil die Leute haben sicher ebenso wenig eine Ahnung, wie wir darüber denken, wie wir darüber reden bzw. was uns so widerfahren ist.

          • Danke Manuel, ich werde ihm den Link schicken. Die Kommentare zu übersetzen ist wohl leider nicht möglich? Ich denke das sollte auch mit einem Übersetzungsprogramm gehen. Die Kommentare belegen, dass der Verfasser des Artikels kein einsamer Spinner ist und nicht allein mit seinem Erlebten steht, sondern nahezu alle Gäste von ähnlichen oder gar identischen Erlebnissen zu berichten haben.

          • Hi Thomas,
            alles übersetzen per Hand ist natürlich ein sehr grosser Aufwand, vielleicht ist da ein Uebersetzungsprogramm, bei allen Macken, besser.
            Gruss
            Manuel

  17. Ja ,JA die Engländer, das war vorab gesagt das Schlimmste was ich je mit unserer Borussia erleben musste. Und ich fahre bald jedes Spiel seit über 30 Jahren mit und im Europapokal sowieso
    Wir hatten mit Schweizer Freunden eine private Loge angemietet. Schon vor dem Spiel kann der Sicherheitschef und erklärte mit tiefer , fester und bestimmter Art und Weise wir müssten uns im klaren sein wo wir sitzen und zwar im Auswärtsstadium.
    Rauchen tabu, geschenkt, Getränke nur drinnen, nicht an der Scheibe stehen, sondern hinsitzen.
    Kein Jubeln bzw warten und in die Loge zurück gehen und dort jubeln, aber im Sitzen !!!und keine Fanutensilien zeigen. Wir würden sofort rausgeworfen werden.
    Das muss man mal den Schweizern erklären, die gar nichts ansonsten mit Fussball zu tun haben, sondern da einer von unseren Gladbachern seinen 50 zigsten Geburtstag feierte, zu Gast waren.
    Schon dieses Einweisungen waren unfreundlich, drohend und aggressiv.
    Dann limitierte Getränke, da der Caterer und diese Mail liegt uns vor „nicht ins Gefängnis wolle“ wenn wir zu viel trinken würden und dann ausfallend wären.
    Bevormundung an allen Seiten. Wir haben dann aber volle Kraft voraus gesungen und wurden nach unseren Toren von überall her beworfen mit Stadionmagazinen und Essen. Die Monchichis und so möchte ich sie nun bezeichnen sprangen auf und drohten uns und beleidigten alle und konnten mit keinerlei Respekt für eine gute Leistung der Borussia umgehen. Nach den Monchichi Toren drehten sie sich um und spukten und versuchten zu schlagen. Ordner wurden gerufen und wir sollten die Loge verlassen.
    Meine Frau, selber Engländerin aus London, versuchte tief beschämt über das Verhalten der Engländern auf zu klären ,das Leute aus London anders sind und Fussball eben nicht Rugby ist.
    Beim Fussball in England wäre eben das ganz einfache Publikum.
    Sie aber konnte auch nicht glauben was an dem Abend dort vor sich ging.
    Auch keinerlei Stimmung und auf die Idee zu kommen die Blöcke nebeneinander zu legen muss man auch erst einmal kommen.
    Nie wieder Manchester!! Möge das Öl der Scheichs den Platz überfluten und sie in ihrer „Scheisse“ , entschuldigt die Ausdrucksweise, ausrutschen.
    Das ist kein Fussball mehr und so darf es nie in Deutschland werden.

  18. Hallo! Bin mit der Einschätzung, dass in England im Fussball vieles in die falsche Richtung geht, einverstanden. Aber was hat das mit „Sportkapitalismus“ und „Profit“ zu tun? Ich wünschte mir da schon eine etwas präzisere Analyse und nicht einfach Stammtischparolen. Ginge es wirklich darum, so viel Profit, wie möglich zu machen, würden die Zuschauer viel besser behandelt, man würde auf ihre Wünsche eingehen, man würde die Stimmung machenden Fans unterstützen und nicht schikanieren, man würde die Spieler anhalten, mehr mit den zahlenden Zuschauern zu kommunizieren, und man würde die Zuschauer möglichst lange im Stadion halten wollen, damit sie möglichst viel Geld für Verpflegung ausgeben.

    All die übertriebenen Sicherheitsmassnahmen sind schädlich für den Profit. Aber wie von Dir angetönt, spielt das im Gesamtbild nicht so eine grosse Rolle, weil das Geld trotzdem fliesst – durch die TV-Gelder und die Zuwendungen von enorm reichen Klubbesitzern. Für diese ist der Klub eben gerade NICHT eine Profitmaschine, sondern das Gegenteil davon: ein teures Hobby, Geld wird vernichtet. Den Forderungen des Überwachungsstaates wird nachgegeben, weil der Profit aus den Zuschauereinnahmen für diese klubs nicht mehr existentiell wichtig ist.

    • Hi Peter,
      schön, dass du diesen Artikel gelesen hast. Ich glaube aber nicht, dass meine Aussagen wie auch immer in die „Stammtisch“-Ecke gehören. Du sprichst sehr richtig den Aspekt an, dass der Profit aus den Zuschauereinnahmen in der Tat sehr, sehr gering geworden ist bei diesen Klubs, während dieser Anteil zB in der Bundesliga noch bis vor kurzem in Bereichen von 20-30% lag. Ich meine aber nicht, dass sich Profit und Zuschauer dadurch mittlerweile ausschliesst:
      In Kurzform geht es darum, und dahinter steckt sehr wohl ein Profitgedanke und Sportkapitalismus, dass der gemeine „08/15-Kurvenfan“ ausgetauscht wird. Am liebsten von neuerschlossenen, kaufkräftigen „Fans“ aus anderen Gegenden der Welt. Denen wird dann ein „hospitality“-Paket zusammengeschnürt, mit Hotel, Merchandise, Dinner und Tickets. So ein „Kunde“ lässt dann mal schnell mehrere hundert Pfund da, und nimmt im Idealfall mehrere Trikots etc mit für die Freunde und Verwandtschaft in Asien – Markenverbreitung weltweit.
      Natürlich haben solche Anhänger genauso das Recht, im Stadion zu sein, wie der anfangs angesprochene „Kurvenfan“ (der halt neben dem (unerheblichen) Ticket-Preis zB nur noch zwei Getränke und was zu essen holt), nur geht es meiner Meinung nach von Klubseite darum, diese Gruppen komplett auszutauschen. Ziel ist der aus der ganzen Welt anreisende, Man City aus dem TV verfolgende Neu-Fan, der ohne Probleme drei- bis vierstellige Beträge für seinen Kurzurlaub, aka Stadionbesuch, da lässt. Diese Zielgruppe war en masse vor den Stadiontoren während des Spiels zu sehen. Dahingehend ist der Begriff „Profit“ schon angebracht, finde ich.
      Beste Grüße
      Manuel

  19. Will es nicht versäumen Euch mitzuteilen, wenn auch ziemlich spät, dass ich die englische Version wie angekündigt unseren Citizens geschickt habe. Tja, seither ist der Kontakt beendet. Ich finde es außerordentlich schade. Offenbar ist es zu ehrlich und zu deutlich, als dass sie es akzeptieren bzw. verkraften können. Hab es noch ein paar Mal versucht, aber keine Antwort mehr bekommen.

    • Hi Thomas,

      danke für deine Rückmeldung. Vielleicht hat der Artikel ja trotzdem auch die letztes Jahr von dir erwähnten „Protestler“ erreicht und sie nochmal in der Richtigkeit ihres Anliegens bestärkt.
      Schon traurig, dass da von deinen Kontakten nichts mehr kommt – die generelle Meinung über die Entwicklung des Klubs wird ja, basierend auf vielen „dritte-Halbzeit-Gesprächen“, in der Stadt weitestgehend geteilt.

      Gruss
      Manuel

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