Kapitän mit taktischer Aussage

Lars Stindl ist Borussia Mönchengladbachs neue Kapitän. Dies dürfte für einen anderen Spieler im Kader Klarheit bedeuten, dass der Weg zurück in die Stammelf noch ein weiter ist.

Im Grunde gibt es an der Entscheidung nichts auszusetzen: André Schubert hat Lars Stindl zum neuen Kapitän von Borussia Mönchengladbach gemacht. Der 27-Jährige war einer der Favoriten auf den Posten und darf – nach nur einem Jahr bei der Borussia – wieder die Rolle einnehmen, die er auch bei Hannover 96 inne hatte. Auch bei den Niedersachsen war er vor seinem Abgang Kapitän und machte dies in einer guten, stabilen Art und Weise. Insofern ist die Wahl keine Überraschung.

Sie ist aber auch ein Fingerzeig darauf, welche Spieler bei André Schubert wohl mehr Spieanteile bekommen, und welche weniger. Denn rein nach der Erfahrung und von der “Hausmacht” im Verein (insofern es so etwas im Kader der Borussia überhaupt gibt) gibt es mindestens einen anderen Kandidaten, der unter Lucien Favre wohl eher das Amt übertragen bekommen hätte: Tony Jantschke. Doch weder er, noch der über eine ähnliche Reputation im Kader verfügende Julian Korb, sind der neue Anführer.

Nein, Schubert hat sich mit Stindl für einen Spieler entschieden, der, wenn er fit ist, eigentlich immer einen Platz in der Startelf haben sollte. Mit der Entscheidung für Stindl kann man das nun auch definitiv nicht mehr von Jantschke, wie auch Korb, behaupten. Zwar las man in der Vorbereitung überall, dass beide Spieler – immerhin in der Vor-Schubert-Zeit Säulen der Defensive – wieder den Anschluss gefunden hatten. Aber wer gesehen hat, wie Schubert in der vergangenen Spielrunde kaum auf Julian Korb gesetzt hatte, und wie wenige Spuren die Verletzung von Jantschke hinterlassen hat, der konnte die jetzige Entwicklung erahnen.

Zumal mit den Neuverpflichtungen Christoph Kramer, Jannik Vestergaard, Mamadou Doucoré und Tobias Strobl sowie einer möglich längerfristigen Verpflichtung von Andreas Christensen das langfristige Defensivkorsett steht. Rechnet man dann noch ein großes Nachwuchstalent wie Nico Elvedi hinzu, wird es kaum Platz für Jantschke und Korb geben. Zumindest zum Start der Saison. Und insofern zeigt sich: Schubert will einen Kapitän, der einen Stammplatz hat.

Was ebenfalls eine Neuerung seit der Ära Favre ist: Denn unter dem Schweizer Trainer war es im Grunde egal, wer Kapitän war: Favre gönnte sich die Kapitäne Daems und Stranzl, obwohl diese durch Verletzungen aber auch durch größere Konkurrenz am Ende ihrer Zeit kaum Spielzeit hatten. Das Kollektiv war nun einmal wichtiger. Unter Schubert ist das anders. Was sich mit dem “Übergangskapitän” Granit Xhaka andeutete, ist mit dem neuen Chef Lars Stindl nun klar: Unter Schubert hat das Amt wieder eine größere Bedeutung. Und somit ist abseits der Torwartposition der erste Stammplatz in dem guten Kader der Borussia an Lars Stindl vergeben. Im Gegenzug ist jedoch die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass treue Vereinsspieler wie Tony Jantschke und Julian Korb sich erst einmal auf der Bank wieder finden werden. Auch das ist eine Erkenntnis der Kapitänsentscheidung.

5 Kommentare

  1. Ausgesprochen guter Kommentar zur Situation. Unabhängig davon, wie es mit Tony und Julian aussieht, ist Stindl auf jeden Fall eine gute Wahl als Kapitän. Mir persönlich war das Favre-Konzept lieber – aber ich bin ja auch nur ein Fußballromantiker 🙂 Toller Artikel!

  2. Schubert hat Wendt nicht die Kapitänsbinde gegeben, somit muss man annehmen das Wendt kaum spielen wird. Er könnte durch Schulz oder dem hoffentlich bald fitten Dominguez ersetzt werden.
    Ebenso leer ging Raffael aus, er wird kaum spielen da kein Kapitän.

    Anhand der Binde festzulegen, wer spielt oder nicht ist sehr weit aus dem Fenster gelegt. Gerade über die hier angesprochenen Korb und Jantschke äußerte Schubert sich ebenso wie über Hazard sehr positiv in der Vorbereitung.

  3. Mehr als fragwürdig halte ich die Erwägung des Autors einen Julian Korb mit dem Kapitänsamt in Verbindung zu bringen! Ein Spieler der oftmals mehr mit sich zu tun hat soll als Mannschaftsführer auftreten. Seine offensive Entwicklung in der Anfangszeit unter Schubert war offensichtlich. War er unter Favre noch ein Verteidiger in der Viererkette der bei Ballbesitz grundsätzlich den Rückwärtsgang bevorzugte, war er unter Schubert als rechter Offensivverteidiger an vielen Angriffen beteiligt, er erzielte Tore und bereitete sie vor! Aber einen solchen Spielertypen als Kapitän in Erwägung zu ziehen, da könnte man auch über Dahoud oder Marvin Schulz nachdenken, die kämen genau so sehr in Frage. Es ist nicht jeder wieder Xhaka, auch er ist sehr jung aber von seinem Wesen her ganz anders einzuschätzen als Korb oder auch Jantscke. Spieler wie Korb brauchen andere Spieler die ihnen Sicherheit geben, die ihnen den Mut geben Fussball zu spielen und Risiko einzugehen! Stindl ist eine gute Wahl! Er kennt das Amt aus Hannover, ist auf dem Platz einer der vorne weg geht und konstant Leistung bringt!

  4. Eigentlich ist Tony der logische Kapitän,aber bei einer gut funktionierenden Team ist das sowieso egal .Im übrigen sehe ich Jantschke schon als Stammspieler.Die Saison wird lang und hart so das alle zum Einsatzzeiten kommen werden.Hoffentlich.

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