Ende einer Amtszeit

Borussia Mönchengladbach geht mehr als angeschlagen in die Länderspielpause. Über intensive Wochen jammernd taumelt einer der besten Bundesligakader in Richtung untere Tabellenhälfte. Zeit für eine gewichtige Änderung:

Es ist ja nicht so, dass wir, die bei Halbangst über die Borussia schreiben, uns es leicht machen würden, wie wir über den aktuellen Trainer der Borussia urteilen. Sicher: André Schubert ist scheinbar ein kluger Kopf, seine Gedanken, die er äußert, sind oft logisch, sicher ist er ein angenehmer Gesprächspartner. Doch seine Arbeit zeigt nicht selten Schwächen trotz guter Resultate. Das hat uns das Schubert-Paradox beschert, welches uns an den Rand verhasster Schwarz-Weiß-Denkmuster brachte. Anders als Borussia selber es in seiner dümmlichen Werbung für das aktuelle Heimtrikot behauptet, ist das Leben in Schwarz und Weiß eben nicht am schönsten.

Borussia hat keine Spielidee mehr

Man siehe nur die aktuelle Diskussion über Schubert. Die einst von den verantwortlichen Borussen wie Eberl, Meyer und Bonhof als – ob der Demut in den guten Jahren – klug beschriebenen Fans sind auf einmal gespalten. Nicht nur grunzend bei Facebook oder in den ewigen Meckerblöcken 11 und 10 im Stadion. Nein, auch bei vielen Gemäßigten ist der Geduldsfaden gerissen: Will die Borussia wieder in die Spur, sollte der Irrtum mit André Schubert beendet werden.

Warum? Weil es erschreckend ist, wie inzwischen Potentiale in einem rapiden Tempo verschleudert werden. Mag ja sein, dass Schubert ein fußballerischer Kenner und Taktiker ist. Aber seine schnellen gedanklichen Optionswechsel überfordern die Mannschaft, im Grunde auch ihn. Unter ihm hat die Borussia, nachdem er nicht den Mut aufbrachte, sein 3-5-2 gegen Kritik zu halten, keinerlei Spielidentität mehr. Der stetige Wechsel zwischen Dreier- und Viererkette und die ständigen Positionswechsel haben Unklarheiten hinterlassen. Es gibt eine schlechte Verbindung zwischen den Mannschaftsteilen. Wo früher aufgrund klarer Struktur schnelle Pässe auch aus der Antizipation gespielt werden konnten, verbleiben Bälle inzwischen zu lange beim ballführenden Spieler, die Geschwindigkeit ist raus. Die Spieler wirken technisch und unter Druck schlechter, als es ihrem Vermögen entspricht.

Köln könnte strukturell vorbeiziehen

Das ist für einen Trainer, der über eine massive Anhäufung spielintelligenter, begnadeter Fußballer verfügt, ein Armutszeugnis. Die Substanz, die ein Nerd wie Lucien Favre aufgebaut hat, wird inzwischen schneller aufgebraucht, als es bei einem fiesen britischen binge-drinking am Black-Eye-Friday geschieht. Borussia Mönchengladbach verfügt auch weiterhin über einen hervorragenden Kader. Aber wofür steht er? Wenn es doch wenigstens konsequenter Kirmesfußball wäre. Aber nicht mal mehr das gibt es noch.

Max Eberl hat den Vertrag mit André Schubert verlängert, weil er Ideen hat. Wenn es diese sind, die im Oktober gezeigt wurden, dann kann Eberl nicht nur die Saison abhaken. Dann kann er das System, dass er bei der Borussia aufgebaut hat, gleich mit abschenken. Kein junger Nachwuchsspieler mit Potential wird so zukünftig mehr nach Gladbach kommen. Es kann passieren, dass die neuen Christensens oder Doucourés dann eher nach Köln gehen. Der dortige Trainer würfelt nämlich nicht dauernd unnötig die Aufstellung durcheinander, stellt immer noch das fußballerische Grundvermögen über das des angepassten – unter Peter Stöger hätte Mo Dahoud sicher mehr Spielzeit als Tobias Strobl, auch wenn das mehr (anstrengende) individuelle Arbeit mit einem jungen Spieler bedeuten würde. Und: Der Kölner Trainer gibt eben nicht kurz vor Ende der Vorbereitung fünf Tage trainingsfrei. Regenerieren kann man auch vorm Bildschirm in gemeinsamen Taktiksitzungen.

Nur noch Eberls einzige Schwäche hält Schubert

Machen wir es kurz: Die Zeit von André Schubert ist abgelaufen. Ihn hält eigentlich nur noch die einzige Schwäche  im Amt, die sein Vorgesetzter Max Eberl hat. Er kann irgendwie Trainer nicht entlassen. Er lebt das Wort der Kontinuität auf dem Trainerstuhl wie ein Mantra. Das war bei Michael Frontzeck so, als dieser die Zukunft des Vereins bedrohte und das war bei Lucien Favre so, als schon weit früher absehbar war, dass Favre nicht ewig bleiben würde. Und auch jetzt bei Schubert zeigt sich diese fatale Haltung, dass Kontinuität alles ist. Man muss nur lange genug auf den nächsten Sieg warten.

Das könnte dieses Mal zu lange sein. Wir haben eine Länderspielpause, es gibt willige und gute Trainer auf dem Markt, die für das gute Geld, das auf dem Gladbacher Festgeldkonto lagert, sicher gerne kommen würden. Eberl sollte auf Helmut Grasshoff schauen, und erkennen, dass stumpfes Festhalten an Grundsätzen, wie zum Beispiel eisernes Sparen, gerne in den Abstieg führt. Es wäre ein Jammer um diese Mannschaft, die zu gut ist, als weiter von André Schubert trainiert zu werden.

Foto: xtranews.de

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