Das Murmeltier mag nicht mehr

img_1589Borussia Mönchengladbach sucht nach Stabilität in der Defensive. Und das nicht erst seit ein paar Wochen. Warum das immer wiederkehrende Geschlampe in der Verantwortung aller sportlichen Teile liegt.

Hier jetzt über das Murmeltier zu bloggen, ist auch schon wieder zu viel Murmeltier. Borussia Mönchengladbach befindet sich seit nahezu einem Jahr in einem Ping-Pong-Modus aus nahezu ausnahmslos starken Heimspieldarbietungen und mehr oder minder erschreckenden Auswärtsleistungen. Gladbach steht – die Abschlusstabelle der Vorsaison und die aktuelle Punkteausbeute belegen dies – immer knapp über oder nahe am Soll, betrachtet man die Entwicklung des Vereins und des Spielerkaders. Es ist allerdings ein Vabanquespiel, weiterhin auf die Fortsetzung der meisterlichen Heimsiegserie zu vertrauen, um sich am oberen Tabellendrittel anzudocken. Wenn die Bundesliga eins gezeigt hat in den letzten zwanzig Jahren, dann, dass es brandgefährlich ist, fortwährenden Erfolg als gegeben einzuplanen, wenn man nicht der FC Bayern ist.

Rückkehr der Auswärtsdeppen

Damit die schwache, an die Nullerjahre in der Bundesliga erinnernde, Auswärtsbilanz also nun, etwa zwölf Monate nach dem letzten ernst zu nehmenden Sieg auf fremdem Platz in der Liga, endet, muss der Grund für die Malaise gefunden werden. Nun geschieht – das Murmeltier grüßt – eben genau das über einen ebensolchen Zeitraum. Ein kurzer Abriss der von Beobachtern und Medienvertretern angebrachten Gründe: Müde, Schubert, keine Führungsspieler, Dreierkette, Auswechslungen, Naivität. Wie auch bei nicht-sportlichen Sachverhalten liegt die Wahrheit wohl in einer Mischung aus mehreren Faktoren. Dazu ist eine Kritik an einzelnen Akteuren, im Mannschaftssport Fußball überraschend oft bemüht, auch nicht angebracht. Jeder Handlungsträger Borussias hat in den letzten zwölf Monaten eine Menge richtig gemacht, und Fehler kamen und kommen dabei immer auch vor.

Was die Mönchengladbacher suchen (und nun finden müssen), ist ein neuer Stabilitätspakt. Nachdem der Kader der Borussia, insbesondere der Leistungsträger, mit Trainer Lucien Favre von 2011 bis 2015 einen Schwur der Stabilität eingegangen war, ist es nun an der Zeit, dies auch mit André Schubert einzugehen. Dazu gehören reifes Handeln und Verantwortungsbewusstsein auf dem Platz, bei allem Sturm und Drang der sehr jungen Mannschaft, ob Dreier- oder Viererkette. Die Tücken der bevorzugten Defensivreihe von Schubert in Kombination mit den aktuellen Spielertypen haben die Kollegen der Seitenwahl schön aufgebröselt. Was dies in kurz heißt, ist, in der Achse Flügel und Zentrum stabiler, enger zusammenzustehen. Eine Viererkette, oder situativ gespielte Dreierkette mit Absicherung der Mitte des Platzes nach Ballverlust, ist keine Kapitulation vor den Kritikern der Systemveränderungen, sondern eine Optimierung der Taktik unter dem Einfluss des Spielerkaders.

Es braucht einen neuen Stabilitätspakt im Team

In sämtlichen Varianten kann die hervorragende Variante des Dreiersturms weiter zum Tragen kommen, kann die Pass-Sicherheit der Abwehrspieler wie auch des Mittelfeldes dem Spielaufbau zugute kommen – es wird lediglich schneller möglich sein, hinter den Ball zwecks Verteidigung zu kommen, wenn fünf bis sechs statt vier Gladbacher weniger riskant auf dem Platz agieren. Dieser Impuls der Stabilität muss jedoch, in einer variablen Spielweise umso mehr, auch von den Spielern ausgehen, um das häufig wiederkehrende Muster von schnell aufeinanderfolgenden Gegentoren zu durchbrechen. In sämtlichen der jüngsten Auswärtsniederlagen spiegelten sich diese Aspekte nieder.

So wird man sich forschen Pressing mit einem Extra-Mittelfeldspieler in der Defensive entziehen können (Freiburg), wird flexibler im Spielaufbau (Schalke, Leipzig) und entblößt die Räume zwischen Verteidigung innen/zentral und Außen (Schalke, Manchester) nicht wie gehabt. Ein neuer Stabilitätspakt würde weiter nicht nur die Mannschaft “beruhigen”, sondern womöglich auch die schwankenden Leistungen der Jungfohlen (Dahoud, Christensen, Elvedi) nach oben hin korrigieren. Es gilt auch, über mehr interne Verantwortung für einzelne Spieler nachzudenken, die die angesprochene Stabilität mit Erfahrung vorleben. Wer um den Einfluss und die Verdienste eines Galasek oder Stranzl für das Borussen-Binnenklima weiß, muss vielleicht auch mehr über einen Leitwolf Tony Jantschke nachdenken. So oder so: Das mannschaftliche Fundament im defensiven Denken muss stabiler werden. Es ist an der Zeit. Das Murmeltier mag nämlich nicht mehr.

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