Mit Hrgota fing der Wahnsinn an

darmstadt
Borussia in Darmstadt

In diesen Tagen regiert das Sommerloch. Im Fußball ist es dann an der Zeit für die ganzen Aufgeregtheiten möglicher Transfers. Zudem werden Testspiele wie eine Ersatzdroge behandelt. Oder es werden Analysen und Reportagen vom Rand des ganz großen Geschäfts gemacht. In diesem Sommer heißt das Nischen-Thema der Journalisten Darmstadt 98.

Ja genau, dieser Bundesligist aus Zufall, mit dem kaputten Stadion und einer Mannschaft, die offenbar von vorneherein nur auf Besuch in der ersten Liga aus ist (Was wiederum die besten Voraussetzungen schafft, den Klassenerhalt als nächste Sensation hinzulegen). In den Artikeln zu diesem neuen “Underdog” (Den es ganz nebenher nur in Oberhausen gibt und geben darf!) wird der Verein als Sehnsuchts-Ort für Fußball-Romantiker beschrieben.

Das werden zahlreiche Gladbacher anders sehen. Wer Darmstadt positiv gewogen ist (so wie ich via hessischer Herkunft), wird sagen, dass der Marsch der Lilien erst durch die Aufbauhilfe “Borussia” möglich wurde. Negativ eingestellte Fans werden das Böllenfalltor verdammen. Warum? Es geht um den 04.08.2013, dem Tag, an dem Lucien Favre seinen wahrscheinlich bisher schlimmsten Fehler als Trainer der Borussia beging und die Fanszene von Gladbach nicht den besten Tag erwischte.

Es war DFB-Pokal, erste Runde. Eigentlich war die Partie gegen Darmstadt nur Formsache für die Borussia. Der Gegner war sportlich in die Vierte Liga abgestiegen. Nur der Lizenzentzug für die Offenbacher Kickers hielt die Darmstädter in Liga 3. Die Mannschaft selber war schon damals ein Haufen Unentwegter, die einen Erstligisten mit Ambitionen nicht vor ernstere Probleme stellen sollte. Insofern trat Favre mit einer besseren B-Elf an.

Und wurde mit dieser Taktik eiskalt erwischt. Darmstadts Trainer Dirk Schuster lies einen feinen Ball spielen, die Spielstärke der Gastgeber überraschte die Borussia. Und eh man sich versah stand es nach 120 Minuten und einem bökelbergesken Sonnenbrand später 0:0. Was folgte war das Elfmeterschießen samt mehrfachem Einspielen der skurrilen Darmstädter Vereinshymne (Die Sonne schien ja auch). Letzter Schütze: Branimir Hrgota. Und der lupfte das Ding schön unter die Latte. Der Ball sprang von dort vor die Linie und die Lilien jubelten. Darmstadt hatte die Borussia rausgeschmissen. Die aktive Gladbacher Szene stürmte den Rasen, größere Häme aus Düsseldorf konnte nur abgewendet werden, da kurze Zeit später der Siegtreffer für Wiedenbrück fiel (Tobi Levels sei dafür noch einmal Dank ausgesprochen) und mein Handy schlagartig verstummte.

Nach diesem Erfolg wurde es für beide Seiten eine interessante Saison. An deren Ende stand Darmstadts erster Streich mit dem Wahnsinn in der Relegation zur zweiten Liga. Und in Gladbach merkte man, dass man nicht mit halber Stärke durchkommt. Vielleicht war dies ein Grundstock für eine passable Saison samt Qualifikation für die Europa-League. Für den SV Darmstadt 98 bleibt die Erkenntnis – mit Hrgotas jämmerlichen Elfmeter begann der ganze Wahnsinn. Und er könnte gegen Gladbach zu Ende gehen. Denn am letzten Spieltag geht es in der kommenden Spielzeit gegen die Borussia. Und noch einmal wird sich Favre dann wohl nicht von dem Aufsteiger hinter das Licht führen lassen. Wollen wir hoffen, dass diese Partie für die Lilien nicht entscheidend sein wird.

1 Trackback / Pingback

  1. Die Favre-Konstante: Spielarme Starts | Halbangst Blog

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*