Keine Zeit für Feierbiester

DIe Kurve freut sich
DIe Kurve freut sich
DIe Kurve freut sich

Man solle es den Enkeln erzählen, gar den Ur-Enkeln. Mönchengladbachs Stadionsprecher Torsten Knippertz sprach nach dem Spiel gegen Augsburg derart angeregt, als sei gerade Episches, gar Einzigartiges geschehen. Das mag man vielleicht so sehen – aber so wirklich außerordentlich fühlte es sich nicht an. Klar, Borussia Mönchengladbach hat die Champions-League sicher. Erstmals seit Beginn des modernen Fußballs in den 90ern ist auch die ruhmreiche Borussia mit dabei. Das ist schon ein Grund, mal zu feiern. Aber eine Party – als wäre man Meister – irgendwie ist das nicht richtig. So wirkten auch die Spieler, als sie von den Ultras auf den Zaun gerufen wurden. Es dauerte, bis alle mitmachten. In der Filmsprache würde man sagen: die Ehrenrunde im Stadion – nachdem man gegen Augsburg verloren hatte – sie hatte einige Längen. Und auch die Feier nach dem Spiel war sicher ganz nett, aber nun keine Explosion van-Gaalscher Auswüchse…

Da präsentierte sich die Mannschaft noch einmal allen Fans, versuchte Schlagerbarde und offenbar “Gladbach-Fan” Mickie Krause (eine Woche zuvor noch als MSV-Fan auf der Leinwand im Wedaustadion präsentiert) ein bisschen Ballermann-Feierbiest-Stimmung zu kreieren. Und natürlich durfte die Politik nicht fehlen, in Person der NRW-Ministerpräsidentin und Borussin Hannelore Kraft. Wie gesagt – alles ganz nett – mehr. Zumindest war mir nicht nach/“totaler Party-Eskalation“.

Es wirkt noch zu unfertig

Nicht wegen der Niederlage gegen den FCA – die hatte ich schnell verdaut und als Warnsignal akzeptiert, wenn nun mal nicht alles passt. Nein, irgendwie ist es nicht die Zeit zu feiern. Und das ist ein gar nicht mal so negativ gemeint. Denn der Weg dieser Mannschaft, dieses Clubs wirkt unfertig. Mit dem Dritten Platz haben sich Trainer Lucien Favre und Sportdirektor Max Eberl doch noch lange nicht gekrönt?! Seit vier Jahren läuft es bei der Borussia. Selbst das vermeintliche „Rumpeljahr 2012/2013“ war in der Gesamtsumme gesehen ein Fortschritt, da der Verein stabil im oberen Tabellenbereich etabliert wurde. Und mit dem kühlen Blick eines Historikers wird man in 50 Jahren sagen, dass die Borussia auf ihre Bundesligageschichte gesehen eine sehr gute Saison gespielt hat. Aber eben keine Rekordsaison. Es ist eine unter vielen sehr guten, nur dass diese Vergleichsspielzeiten lange zurück lagen.

Zumal ich persönlich den Ur-Enkeln niemals von dieser Spielzeit isoliert erzählen würde. Meine Favre-Eberl-Geschichte mit der Borussia würde anders beginnen. Und zwar mit dem Klassenerhalt und was dann folgte. Und mein Bauch sagt mir, dieses Märchen wird nicht damit enden, dass sich mein Club dann für die Champions-League qualifiziert. Ich glaube, da geht mehr.

Einfach noch zu gierig

Natürlich darf man nicht größenwahnsinnig werden – aber die Borussia ist auf das gesamte Geschäft gesehen inzwischen einzigartig. Niemand schaut genau hin, was gemacht wird: die Verantwortlichen entziehen sich wohltuend der privaten Sport-Medien-Hysterie und werkeln in Ruhe vor sich hin. Und nehmen dabei immer mehr Kohle ein – derart viel, dass man sich durchaus Hoffnungen machen kann, dass es noch etwas weiter vorwärts geht. Warum? Weil es einfach keine Ermüdungserscheinungen gibt. Weder bei Lucien Favre noch bei Max Eberl. Beide sind ehrgeizig, beide wissen ganz genau, dass im Erfolgsfall der Abstieg wohnt und sie erfinden Jahr für Jahr eine neue Mannschaft mit achtbaren Preis-Leistungs-Niveau. Und Jahr für Jahr steht ihnen dafür auch mehr Geld zur Verfügung. Das ist einfach ein Faktor.

Dieser kann zu ganz anderen Dingen führen – was ist, wenn Bayern München einmal strauchelt? Die Borussia gehört einfach zu den Clubs, die dann zuschlagen können. Zwar kann es genauso wieder einen Rückschritt geben. Aber dieser wird – solange Favre und Eberl da sind – nie so groß ausfallen, wie zum Beispiel in Hamburg oder Stuttgart. Und das trotz großer Konkurrenz. Daher genieße ich die abgelaufene Spielzeit durchaus – aber der Weg der Borussia ist für mich einfach noch nicht zu Ende. Kurz innehalten: gerne! Aber die Riesensause spare ich mir noch auf. Und auch die letzten Seiten für das Borussen-Märchen, dass ich meinen Nachfahren erzählen werde, sind noch langr nicht gefüllt. Dann wie gesagt: Da geht noch was.

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