Diese verdammte, sinnvolle Logik

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Danke, Monsieur.

Es wird eines Tages in Mönchengladbach eine Frage geben, die jeder Fan der Borussia beantworten kann. Sie wird lauten: „Wo warst Du, als Lucien Favre hingeschmissen hat?“ Ich stand bei der Düsseldorfer EG auf den Stehrängen, wie immer, wenn die Borussia nicht spielt. Die DEG schlug gerade nach Jahren mal wieder diese komische Brut aus Krefeld und inmitten all der überglücklichen DEG-Fans stand ich da und weinte. Als Chris Minard das 2:1 erzielte. Beim 3:1 ging es mir etwas besser. Aber schon im Bus war ich wieder unten durch. Lucien hat hingeschmissen. Der Mann, der mir Fußball als schönes Spiel zeigte.

Natürlich, dieser Tag musste kommen. Schon als die 11Freunde über die Borussia einst eine Titelgeschichte machte, vom „Deutschen Konsensclub“ sprach und öffentlich machte, dass Favre schon mehrfach seinen Rücktritt angeboten hatte, war klar: Sobald es mal länger als vier Wochen Scheiße laufen sollte, wird Favre hinschmeißen. Zumindest war ich der festen Überzeugung. Und wie sich zeigt: So war es auch. Favre hat nach sechs Liga-Niederlagen in Folge und einer Pleite in der Champions-League dem Verein die Brocken vor die Füße geworfen. Nach einer Derby-Niederlage in Köln (der ersten seit zehn Jahren, zur Einordnung für die Kölner Großmannssucht).

Jetzt mag man meinen, die Umstände, die Art, der Zeitpunkt seien unmöglich. Aber Favre tritt ab, wie er uns allen im Sinn bleiben sollte. Als kühler analytischer Kopf, der immer nur das Wohl des Clubs im Sinn hatte. Der den Verein auf Jahre hinaus zu einer starken Größe in der Liga gemacht hat. Und mit seinem Rücktritt auch machen wird. Denn – so sehr ich persönlich mit dem Herzen seinen Rücktritt ablehne und mich wie der Club weigere, die Tatsache anzuerkennen – wenn ein Rücktritt, dann jetzt. Noch, ist der Schaden bei der Borussia zu reparieren. Das Spiel in Köln hat gezeigt, dass die Gladbacher tolle Fußballer haben, die aber nicht mehr taktisch flexibel sind. Oder – wie die Neuzugänge – das System Favre nicht so schnell verstehen, wie es der Monsieur braucht. Hätte Favre weiter gemacht, wäre die Borussia am Ende der Hinrunde aus der Champions-League ausgeschieden, wohl auch teil des Liga-Kellers.

Und das wäre der Punkt gewesen, an dem du 40, 50, 60 Millionen Euro auf dem Konto hast, aber genau deshalb ein sportliches Himmelfahrtskommando wärst. Jetzt, nach fünf Spieltagen und einem in der Champions-League ist man trotz der ganzen Niederlagen immer noch eine sportlich spannende Braut. So tief der Schock sitzt – Sportdirektor Max Eberl hat jetzt alle Argumente, einen Trainer von Format zu verpflichten. Einen, der vielleicht auf hohem Niveau noch weitere Level aus dem Team kitzeln kann. Typen wie Neururer, Meier, Stevens oder Babbel sind momentan nur Klassenclowns für einen Club von dieser Größe. Selbst Thomas Schaaf würde zu einfach wirken. Bist Du dagegen 17. im Winter, bleiben Dir nur genau diese Typen. Das war das Problem, als einst Bernd Krauss hinschmiss und nur Hannes Bongartz übrig blieb. Davon sind wir weit entfernt.

Zum Glück, dank dieser verschissen, schlimmen, abartigen aber logischen Entscheidung von Lucien Favre. Dafür gebührt ihm Respekt. Deshalb ist er mein Hennes Weisweiler, deshalb wird sein Nachfolger ein Lattek sein können und kein Wolf Werner. Und deshalb sagt mein Herz auch: Danke Lucien – Du bist mein größter Trainer bis hierhin. Nicht wegen eines Ereignisses. Nein, wegen all dem, was Du aus einem Club mit falscher Großmannssucht gemacht hast.

3 Kommentare

  1. Selbst wenn diese verdammte Logik nicht ganz von der Hand zu weisen ist, bleibt doch der Stil unmöglich. Er hätte ja immer noch ein Agreement treffen können, in zwei Wochen zu gehen und dem Verein so Zeit zu geben, sich einzustellen. Aber im Alleingang einfach abzuhauen, das ist keine kühle, analytische Entscheidung, sondern eher eine Kurzschlussreaktion, die nach Burnout oder anderen Ausnahmezuständen riecht…

  2. Es ist sehr schade und der Verein hat ihm wahnsinnig viel zu verdanken. Die Entscheidung ist sicher auch logisch aber aus meiner Sicht zu früh bzw. überhastet. Aber er wollte anscheinend schon vorher mal hinwerfen, was im Anbetracht der Lesitung der vergangenen Jahre seltsam erscheint. Wir müssen einfach heute mal wieder ein Spiel gewinnen. Sonst wächst der Druck immer weiter. Danke Lucien und den Verantwortlichen ein gutes Händchen bei der Trainerwahl.

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