Das Jammern über die Dauerkarten

Dauerkarten für Alle?
Dauerkarten für Alle?
Dauerkarten für Alle?

Was eine Zahl doch bei manch einem für Ärger auslösen kann. Bei Borussia Mönchengladbach war es in der vergangenen Woche die 30.000. Genauso viele Dauerkarten hat man (wie in den Vorjahren auch) in diesem Jahr verkauft, bei genau der selben Stückzahl hat der Club den “Verkauf” wieder gestoppt. Dabei gibt es in Gladbach eigentlich gar keine frei verfügbaren Saisontickets mehr. Seit die Borussia mit Marco Reus, Mike Hanke, Juan Arango und Patrick Herrmann die Liga durchwirbelte ist es faktisch unmöglich, eine Dauerkarte zu neu zu erwerben. Es gilt: “If you are in, you are in” – wer eine Dauerkarte hat, behält sie und gibt sie nicht mehr her.

Natürlich zum Leidwesen all derer, die sich neuerdings eine Dauerkarte holen wollen. Gilt doch bei der Borussia eine weitere goldene Regel: Wer ein Spielzeit-Ticket besitzt, hat auch automatisch Anrecht auf internationale Spiele. Ob direkt mit einer sogenannten „Dauerkarte-Plus“ oder per Erstschlagsrecht beim Verkauf – wer alle Bundesliga-Partien im Stadion schaut, ist in der Regel auch international dabei. Erst nach den Dauerkarten-Inhabern kommen die Vereinsmitglieder zum Zug – und in der Regel bleibt danach nichts mehr über. Zumindest bei begehrten Partien.

Beschwert wird sich immer

Und damit sind wir auch schon bei der Kritik an all denjenigen, die sich jetzt beschweren, keine Chance mehr auf ein Ticket zu haben: Neben den internationalen Spielen gab es bisher nur eine handvoll Partien, für die ein Versuch, regulär Tickets zu bekommen, sinnlos ist. Gegen Bayern, Köln, Dortmund und Schalke geht eigentlich nie was. Ansonsten – mit ein bisschen frühzeitiger Planung – steht einem Stadionbesuch in der Liga nichts im Wege. Zwar sind in erfolgreichen Spielzeiten auch die Schlussspiele wie gegen Augsburg in der Regel ausverkauft – aber wie gesagt: Wer früh dran ist, hat eine Chance.

Das liegt eben auch daran, dass der Verein in der Regel 19.000 Tickets (der Rest ist für Gästefans) für den freien Verkauf vorhält. Oft auch Sitzplätze zu Preisen von deutlich unter 30 Euro, im Familienblock gar deutlich drunter. Will sagen: Die Preis- und Ticketpolitik von Borussia Mönchengladbach ist eigentlich in Ordnung, ebenso wie das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Von einem überhitzten Markt kann nicht die Rede sein: Die treuen Zuschauer werden belohnt, die neugierigen haben über die Liga eine Chance auf einzelne Partien, ebenso diejenigen, die weit weg wohnen, und für die eine Dauerkarte keinen Sinn ergibt. Soweit alles gut.

Die absurde Forderung nach einem Stadionausbau

Aber darum geht es manch einem nicht, der jetzt mault, gar einen Stadionausbau fordert. Im Grunde ist die Champions-League der Auslöser, dass das alljährlich Genöhle wegen der raren Dauerkarten dieses Mal etwas lauter ausfällt. Natürlich will die Champions-League jeder live im Borussia-Park sehen. Nur: Die Borussia hat mehrere Millionen Sympathisanten in ganz Deutschland, Hundertausende echte Fans. Klar doch, dass manch einer leer ausgeht. Selbst ein Stadion von 70.000 (würde man einen dritten Rang einziehen) hinterließe enttäuschte Fans. Und im Zweifel bliebe – durch den Ausbau – eine hohe Rechnung für den Verein. Insofern ist die Ansage des Clubs, an der bisherigen Karten-Politik festzuhalte, völlig OK. Wenn jetzt die Tickets für die Champions-League in der Preisgestaltung fair bleiben, hat der Verein keinen Fehler gemacht.

Anders sieht das jedoch mit den ganzen Facebook-Stammtischern aus, die rumnölen! Deren Probleme sind nur schwer zu verstehen. Zum einen: Bei jedem Verein mit Tradition (also ohne Leverkusen und Wolfsburg) sind Champions-League-Tickets so gut wie sofort weg vom Markt. Also, wo ist das ganze ein spezifisches Problem der Borussia, eines zu kleinen Stadion zu haben? In Dortmund, Bayern, Bremen, Stuttgart und ...Köln (kleiner Scherz)… auf Schalke läuft es genauso, wenn die Königsklasse zu Gast ist. Zum anderen: Wer jetzt meckert, der Borussia-Park habe ein zu niedriges Fassungsvermögen, vergisst die traurigen Zeiten, als die Borussia zahlreiche Aktionen durchführen musste, um überhaupt Tickets loszuwerden. Ich erinnere mich an ein trauriges Spiel, am Tiefpunkt der Nachfrage. In mehreren Mails wurden die Tickets den Kunden feilgeboten, in den Social-Media-Kanälen glühte die Werbung, Preise wurden niedrig gehalten. Brachte aber nix: Am Ende war das Europa-League-Heimspiel gegen Apollon Limassol mit etwas über 38.000 Zuschauern nicht ausverkauft. Das war im Herbst 2014, die Borussia stand auf dem zweiten Tabellenplatz. Aber nun gut, international ist halt nicht gleich international.

Update: Inzwischen hat Borussia Mönchengladbach die Verkaufsmodalitäten für die Champions-League bekannt gegeben.

4 Kommentare

  1. Der Beitrag ist ganz Interessant , jedoch aus den Augen derer die im Besitz einer dauerkarte sind .
    Sicher , es gibt viele die noch nie im Besitz einer Dauerkarte waren und jetzt , da der Erfolg so groß ist , eine haben wollen. Das ist auch in Ordnung und völlig legitim denn wie sagt das Sprichwort ? “ Erfolg macht Sexy “
    Es gibt aber auch die Jenigen die noch zu Böckelbergzeiten eine Dauerkarte hatten und dies auch zu 2 Liga Zeiten in dem es dem Verein nicht so gut ging . Aus Gründen die bei jedem unterschiedlich sind , sei es aus finanziellen oder gesundheitlichen oder gar familiären , war der ein oder andere gezwungen seine Dauerkarte ab zu geben bzw. diese nicht zu verlängern.
    Was mich angeht , habe ich den Umzug vom Böckelberg zum Borussiapark mit gemacht und war auch dort noch 2 Jahre stolzer Besitzer der Dauerkarte bevor ich einen Bandscheibenvorfall bekam und Arbeitslos wurde . Da war es mir nicht mehr möglich eine Dauerkarte zu finanzieren .
    Es sind also nicht alle die jetzt wo der Erfolg so groß ist , auf dem Zug aufspringen wollen um Borussia Live zu sehen . Ich bin sicherlich ein Fan der alle Höhen und tiefen mit gemacht hat und das mit herz und seele .
    Eine Diskusion was den Ausbau des Stadions angeht halte ich für Sinnvoll , jedoch für Verfrüht und wir , die keine Dauerkarte haben , müssen uns gedulden oder aber als Mitglied von den Tageskarten bedienen .
    Ich bin nicht Neidisch auf die , die eine Dauerkarte haben sondern freue mich das der Verein so viel Zuschauerzuspruch bekommt und nicht erst seit diesem Jahr . Aber Bitte , kommentiert nicht so herablassend über derer die keine Dauerkarte haben .
    Denkt daran , Wir sind ein Einig Volk von Brüdern , Hipp Hipp , Hurra , Borussia !!!

    • Hallo Marko,

      danke für Deinen Kommentar. Wir liegen gar nicht so weit auseinander. Es ist in der Tat ein Problem, wenn man aus Gründen die DK abgeben muss, die nicht in der eigenen Hand liegen. Das ist Scheiße und kann ich verstehen. Aber wie Du schreibst: Es ist ja auch schön, dass jetzt viele ins Stadion wollen. Aber – und das ist der Punkt – alle, die jetzt auf einmal aus der Kiste springen und eine Dauerkarte wollen, ohne, dass sie so eine Geschichte wie Du haben, machen es sich da zu leicht. Es ist einfach derzeit noch möglich, Spiele im Borussia-Park zu einem akzeptablen Preis zu sehen – auch ohne Dauerkarte. Das ist in ganz vielen anderen Stadien nicht so. Gott sei Dank gibt es noch keine Reise-Event-Pakete von Tourismus-Anbietern, die dann Tickets für Einheimische blockieren. (So wie in Dortmund oder in München). Wer sich nur die Rosinen rauspicken will, der sollte sein Fan-Sein überdenken.

      Natürlich bist damit nicht Du gemeint: Ganz im Gegenteil. Fans wie Dir drücke ich ganz fest die Daumen, dass sie eine Karte für ein CL-Spiel gegen Madrid, Manchester oder so bekommen. Ganz im Gegensatz zu denen, die jetzt nur des Erfolges wegen da sind.

      Liebe Grüße,

      Christoph Ullrich

  2. Danke für die ausführliche Darstellung und auch auf die angeführten Punkte, mit denen, die Nörgler „entwaffnet“ werden können…

    Ich sehe die Einrichtung des Rechts auf eine Erneuerung der Dauerkarte als eine Belohnung, für die Leute, die der Borussia auch in anderen Zeiten die treue gehalten haben und z. B. in Liga 2 auch ne Dauerkarte hatten….
    solch traurige (hoffentlich) Einzelfälle wie im ersten Kommentar, gibt es sicherlich….
    es wäre höchstens eine Idee, wie die Namenscousine aus Lüdenscheid eingeführt hat, dass die Dauerkarten „überwach“ werden…wer also nur die Rosinen rauspickt und sonst nich auftaucht->adieu Dauerkarte.
    man kann nicht alle 17 Spiele als Voraussetzung nehmen…kenne auch bei uns ausm Freundeskreis wenige, die wirklich alle Spiele schaffen…Urlaub, Krankheit, Job-Überstunden, wichtige Termine…
    aber wer z. B. nur 5-6 Spiele schafft (Bayern, #öln, Doofmund und FC Meineid.), der sollte vom Verein angeschrieben werden….warum…und wenn keine plausible Erklärung folgt – Entzug und hinten anstellen.

  3. Ich weiss nicht was an der Forderung einiger nach einem Stadionausbau „absurd“ sein soll. Du behauptest es, begründest es aber nicht. Die Diskussion gibt es auch schon seit einigen Jahren und nicht erst seit der Quali zur Championsleague.

    Im Grunde ist unser Stadion auch in der Bundesliga ständig ausverkauft, lediglich im Gästebereich gibt es je nach Gegner mehr oder weniger freie Kapazitäten.

    Es geht nicht darum, dass erst die fehlenden 2-3000 im Zuschauerschnitt zu den 100% aufgeholt werden müssen, bevor sich ein Ausbau wirtschaftlich lohnt.
    Gegen einige Gegner (Dortmund, Bayern, Schalke, Köln) könnten wir sicher 100000 Karten verkaufen gegen andere auch weit über die 50.000 bei entsprechend großem Angebot an Heimkarten.

    Das Managemtn muss also die wahrscheinliche Auslastung eines größeresn Stadions mit den Umaukosten in Bezug setzen. Dabei spielen auch sicher steuerliche Abschreibungen, Neuberechnung, der Zufahrtswege, Notausgänge etc. eine Rolle.

    Was bisher noch gar nicht diskutiert worden ist ist die technische Seite. Der Borussiapark bietet ja keine unbebauten Ecken die einfach aufgefüllt werden können. Der Aufwand eines Ausbaus bei einem auch statisch geschlossenen Stadionkonzept ist für Aussenstehende wohl bisher schleierhaft, von daher ist auch die Diskussion eine um ungelegte Eier bei zu vielen Variablen.

    Da die Verantwortlichen eine solche Diuskussion bislang abgewehrt haben, denke ich aber, dass der Aufwand erheblich wäre.

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