Arbeitssiege sind schön

Wappen von Borussia Mönchengladbach
Wappen von Borussia Mönchengladbach am Borussia-Park
Wappen von Borussia Mönchengladbach
Auf mehr Europapokalnächte

Selten war es so leicht, einen Platz in der Champions-League zu ergattern. Bayern München setzt sich ab, Wolfsburg dahinter vom Rest ebenso, und der Gewinner könnte Borussia Mönchengladbach sein. Die Mannschaft von Lucien Favre hat sich inzwischen ein kleines Polster auf den Vierten und den Fünften erspielt. Wobei man von “erspielen” kaum sprechen kann. Nein, sie hat sich die Platzierung erkämpft. Sechs Rückrundenspieltage liegen hinter uns, 13 Punkte haben die Gladbacher geholt. Aber – und das ist neu und zeigt das 2:0 gegen Paderborn überdeutlich – die Borussen holen ihre Punkte nicht mehr nur mit dem gepflegten Spiel, das gerne auch mal in Schönheit stirbt. Die bisherige positive Bilanz der zweiten Saisonhälfte (in den Jahren davor wahrlich keine Stärke der Borussia) hat einen wesentlichen Grund: Die Mannschaft will die Punkte. Ob in letzter Minute gegen Köln und Hamburg, ob mit der Einsicht, dass man gegen Abstiegskandidaten wie Stuttgart und Freiburg auch mal schmutzig gewinnen muss oder mit dem Bewusstsein, dass es gegen einen Gegner wie Paderborn genügt, einfach nur eine normale konzentrierte und schnörkellose Leistung zu bringen, um sichere drei Punkte einzusammeln.

Dreckige Siege statt schöner Unentschieden

Und wie in jedem Jahr sehen wir hiermit die Weiterentwicklung, die ein Trainer wie Lucien Favre in jeder Spielzeit verspricht. Das nahezu identische Team, das vor einem Jahr bei Gegenwehr noch ein wenig jammernd wirkte, zeigt jetzt Biss. Egal ob man – aufgrund fehlender Torjäger – zu viele Chancen versemmelt, egal, ob der Ball mal rumpelig läuft – die Mannschaft kommt in dieser Rückserie nicht so schnell aus dem Tritt. Die Entwicklung zu einer Spitzenmannschaft geht also weiter. Bisher fehlte der Borussia die Effizienz einer großen Mannschaft, wenn diese mal einen schlechten Tag erwischt. Seit Januar zeigt sich, an dieser Qualität wird geübt.

Nun wird es natürlich Gladbacher geben, die dem ganzen nicht so viel Positives abgewinnen können. Die Borussia spielt in der Liga natürlich nicht mehr so schön wie noch zu Beginn der Spielzeit. Fußballerisch könnte man sogar von einem Rückschritt sprechen. Doch dem ist nicht so. Das hat zum Beispiel die Europa-League-Partie gegen Sevilla gezeigt. Endlich einmal hat Lucien Favre eine offene Feldschlacht zugelassen. Er hatte nach dem schnellen Gegentor auch keine andere Wahl mehr. Und siehe da – seine Mannschaft von der Leine gelassen – präsentierte schönen, ungestümen und großartigen Fußball. Mit dem bekannten Ergebnis zwar – aber ich wage zu behaupten: Dieses Ausscheiden hat niemandem richtig wehgetan. Ein Favre und ein Eberl wissen ganz genau, was in diesem Jahr Pflicht ist (die Liga) und was Kür war (die Europa-League).

Der Arbeitssieg zur rechten Zeit

Und so kam drei Tage später mit Paderborn ein Gegner, der einem zu einem Arbeitssieg förmlich einlud. Es war ein harter Marsch, dieses Spiel zu gewinnen. Und es zeigte sich, dass die Borussia inzwischen auch taktisch variabel ist. Kein Kurzpassspiel durchs Mittelfeld wie sonst so oft. Sondern lange nicht gesehene Diagonalpässe von Granit Xhaka auf wahlweise Traore oder Johnson, die permanent die Seiten wechselten, dass den Paderbornern schwindelig wurde. Und noch ein kleines Detail, das zeigt, dass nichts dem Zufall überlassen wird. Borussia gewann die Seitenwahl und entschied sich in der ersten Halbzeit Richtung Nordkurve zu spielen. Gegen jede Tradition, sonst wählen nur solche Gastmannschaften diese Variante, die schon vor dem Spiel die Hosen voll haben. Diesmal war der Grund aber die tief stehende strahlende Sonne, die Paderborns Keeper Kruse 45 Minuten zu schaffen machte. Als Yann Sommer dann in der zweiten Hälfte dort stand, war die Sonne weg…

Trotz alldem: Wahrscheinlich hätte die Borussia der Hinrunde am Ende doch noch den Ausgleich kassiert. Dieses Mal machte sie jedoch das, was alle Top-Teams machen: Kurz vor Schluss den Deckel drauf. Niemand wird sich vielleicht in ein paar Jahren an dieses Spiel erinnern. Aber sollte die Borussia am Ende die Qualifikation zur Champions-League schaffen und somit den Sprung zu den finanziellen Fleischtöpfen machen, dann war es ein wegweisendes Spiel. Denn diese Partie hat gezeigt: Die Mannschaft von Lucien Favre ist endgültig mit der kompletten Bandbreite der spielerischen Mittel gesegnet. Da sollte man sich diese einfache Möglichkeit der Champions-League-Qualifikation nicht entgehen lassen.

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