Adiole auf das Niederrheinpokalfinale

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Such die WSV-Fahne

Es gibt ja so immerwiederkehrende Peinlichkeiten im Fußball. Da wären Marketingalbträume aus dem Hause Bierhoff (Stichwort #LaMannschaft *würg*). Dann gibt es noch das Transferverhalten Fortuna Düsseldorfs, das in der jüngeren Vergangenheit nicht selten ein Grund zur Erheiterung war (Die Betonung liegt hoffentlich auf “war”.) Ja, und da ist noch die Mutter der verlässlichen Peinlichkeiten: das Niederrheinpokalfinale.

Nicht, dass der Eindruck entsteht, wir wollten hier die sportliche Qualität infrage stellen – da ist dieses Finale über jeden Zweifel erhaben. Kaum ein Jahr ohne große Tradition: ob Duisburg, Essen, Oberhausen, Uerdingen, Düsseldorf oder Wuppertal – ein ehemals Großer spielt in der Regel immer mit; garantiert ein halbwegs gut gefülltes Stadion.

Hoch die RWE-Fahnen

Nein, genauer gesagt, ist es die Spielstätte, die den Fußballverband Niederrhein locker in die Liste der verlässlichen Fußballpeinlichkeiten hebt. Mit schöner Regelmäßigkeit geht das Spiel in dem Stadion eines Finalteilnehmers über die Bühne. Das wäre auch nicht weiter schlimm, würde man dann doch trotzdem auf die gebotene Neutralität achten. Aber was ist die schon Wert, wenn man ein krachendes Adiole, die RWE-Schmonzette schlechthin, zum Einlauf der Finalmannschaften laufen lassen kann, während ausschließlich RWE-Fahnenschwenker den Mannschaften Spalier stehen.

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Mehr gab’s nicht für WSV-Fans!

Wer nicht genau hinschaut, meint, er wäre am Sonntag bei einem gutbesuchten, normalem Ligaspiel gewesen. Aber wir reden hier über das Finale Essen gegen Wuppertal vor 17.500 Zuschauer. Im Stadion Essen hatte man sich bei der diesjährigen Stadionchoreographie noch nicht mal die Mühe gemacht, irgendwas aus Wuppertal auch nur im Ansatz laufen zu lassen. Adiole ist halt so schön 50er – ein Jahrzehnt in dem man mal wer war (aber auch nur da).

Im Grunde ist es mal wieder eine Unverschämtheit, die der FVN da zugelassen hat. Vor zwei Jahren mussten der Oberligist Hiesfeld in Duisburg beim MSV antreten und verlor dort. Oberhausen musste sich im vergangenen Jahr in Essen dem RWE im Elfmeterschießen geschlagen geben. Der Unterschied: in beiden Fällen gab es immerhin mal den ein oder anderen Hinweis, dass es sich um ein neutrales Spiel handelte. Darauf wurde dann in diesem Jahr gleich ganz verzichtet.

Ausgeglichener Ticketschlüssel? Warum auch!

Was vielleicht auch die ehrlichere Variante wäre. Alle angesprochenen Spiele eint nämlich die Tatsache, dass Ticketkontingente wie in der Liga vergeben wurden. Was bei Hiesfeld sicher nicht das Problem ist. Aber spätestens bei Oberhausen und mindestens bei Wuppertal zu heftigen Kopfschütteln führt. Statt einen Ticketschlüssel zu wählen, bei dem beide Vereine eine gleiche Zahl bekommen, abzüglich der Funktionärs- und Ehrenamtstickets, bekam in beiden Fällen die “Heimmannschaft” die meisten Karten. Eigentlich ein Skandal, dass nicht der Verband die Verteilung festlegt, sondern der gastgebende Verein.

Das ist peinlich – vor allem, wenn man den Eindruck hat, dass Wuppertal sicher mehr als die rund 4.000 Fans auf die Gästetribüne kriegt. Natürlich wirft das Fragen nach der Sicherheit auf, würde man fair verteilen. Aber dann muss man auch fragen, ob Essen überhaupt der richtige Spielort ist. Auch nach dem diesjährigen Finale bleibt offen, warum der Verband nicht zu Beginn der Spielzeit einen Finalort benennt? Warum macht man aus Duisburg nicht ein Niederrhein-Wembley? Das Wedaustadion steht direkt neben der Verbandszentrale, es gibt genügend Plätze für alle und man kann sicher und in Ruhe planen und eine neutrale Veranstaltung draus machen. Ohne Peinlichkeiten – selbst wenn der MSV im Finale steht. Aber das scheint das geneigte Funktionärshirn nicht zu verstehen. Und so werden wir wohl auch im kommenden Jahr darüber schreiben müssen, wenn Velbert gegen Oberhausen schön bei RWO ausgetragen wird. Wettbewerbsverzerrung verpflichtet.

5 Kommentare

  1. Wer das NR-Pokalfinale im fernsehen verfolgt hat, hat möglicherweise den unterschwelligen Hinweis mitbekommen, dass es allen, an diesem Wettbewerb teilnehmenden Vereinen möglich ist, die Austragung des Finales beim Verband zu beantragen. Inwieweit diese Anträge dann reell behandelt werden, steht in den Sternen.

    • Welcher nicht teilnehmende Verein möchte das Risiko eingehen, dass die beiden Fanlager sein Stadion auseinander nehmen…so ist die Lösung schon nicht von der Hand zu weisen…

  2. Drum bewerben kann sich natürlich jeder, aber den Zuschlag bekommt am Ende Essen.
    Letztes Jahr hatte sich RWO auch drum beworben, aber wurde aus Sicherheitsgründen abgelehnt. Aberwitzig das dort das Ligaspiel aber ganz normal stattfinden darf.
    Für Tickets wäre es dort oder in Duisburg oder ggf. in Uerdingen besser, man könnte fast gleichmäßig verteilen.

    Mit ziemlicher Sicherheit wird oben im Verband Vetternwirtschaft betrieben. So ist es nunmal

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