Walking on the Mondt

Die Düsseldorfer EG stellt ihren neuen Trainer vor. Und einen neuen Sportdirektor. Während die Trainerpersonalie keinen mehr überraschen sollte, ist die Besetzung des Sportdirektors überraschend – wenn nicht ein Zeichen der vorhandenen Planlosigkeit.

Okay, okay, wir wissen es alle: Mike Pellegrims wird neuer DEG-Trainer. Der 49-jährige aus Antwerpen übernimmt damit von Christof Kreutzer. Pellegrims hat bei der Düsseldorfer EG gespielt, hat als Assistent von Pavel Gross beim aktuell wahrscheinlich besten Trainer in Deutschland gelernt und als Chef in Klagenfurt den Vizetitel geholt und bewiesen, dass er aus wenig viel machen kann. Insofern: Pellegrims ist schon eine nachvollziehbare Verpflichtung für eine finanzielle Mittelmacht der Deutschen Eishockey Liga.

Damit verlassen wir dann aber auch den Pfad des Lobes. Während die Suche nach einem neuen Trainer eher unproblematisch lief, wurde die nach einem Sportdirektor zur Farce. Wir erinnern uns: Christof Kreutzer war Trainer und Manager in Personalunion. Er scheiterte schlussendlich auch daran, zu viele Aufgaben zu haben. Daher wollte der Verein sich hier professionalisieren, wie es im PR-Deutsch stets heißt. Oder einfacher ausgedrückt: Die DEG wollte sich Strukturen geben, wie sie bei allen anderen Clubs, die was auf sich halten, selbstverständlich sind.

Unglückliche Hand bei der Sportdirektor-Suche

Nun wachsen die Männer nicht auf den Bäumen, die zum einen über ausreichende Kontakte zu Beratern nach Übersee haben, genug Reputation in der europäischen Szene und zum anderen das alles zu einem bezahlbaren Tarif leisten. Wunschkandidat Larry Mitchell war auf jeden Fall zu teuer – der bisherige Trainer der Straubing Tigers entschied sich für einen sicher nicht schlecht dotierten Job beim ERC Ingolstadt. Bedenkt man, dass die Umstände der Kreutzer-Trennung sicher kein gutes Licht auf die DEG werfen, war es natürlich nach der Absage des Wunschkandidatens Mitchell schwer, einen neuen, klugen Strategen von außen zu bekommen.

All das kann sein: Aber sich für Niki Mondt zu entscheiden, der in der letzten Saison, der ersten nach dem Ende seiner Karriere mit über 1.000 DEL-Spielen, Zuarbeiten für DEG-Geschäftsführer Adam erledigte, ist schon mehr als eine Überraschung. Im Grunde ist es ein deutlicher Fingerzeig, dass es so weit mit der gewünschten Professionalisierung nicht ist – auch wenn Mondt eine „Kompetenztentrale“ rund um einen vermeintlich internationalen Scout, Daniel Kreutzer und Tomas Dolak samt angeblichen Top-Athletiktrainer anführt. Da hätten sich die Gesellschafter der Profiabteilung das Geld auch sparen können, und Christof Kreutzer – immerhin noch vertraglich gebunden – zum Sportdirektor machen können und ihn an die Spitze des Teams stellen können.

Mondt ist Adams Kandidat

Darauf hatte man aber intern mit dem Verweis verzichtet, dass Christofs Netzwerk eben nicht ausreichend genug sei, gute Spieler aus Übersee zu holen. Wenn das ein Killerkriterium für den Job ist, warum dann also Mondt? Dessen Bruder ist zwar Spielerberater und irgendwie haben alle aus dem Umfeld der Mondts – also auch der bisherige DEG-Kapitän Daniel Kreutzer – geholfen, dass die Agentur “Sportsfreund” ins Rollen kommt. Aber sind wir ehrlich: Das Portfolio an wirklich bekannten und etablierten Spielern ist rar. Die Homepage der Agentur ist lange nicht mehr aktualisiert worden, führt aktuell sogar noch Spieler, die ihre Karriere längst beendet haben.

Und ob Niki Mondt an der Seite von Stefan Adam Kontakte außerhalb der Düsseldorfer Unternehmerwelt hat knüpfen können, bleibt offen. Jedenfalls wird es nicht damit getan sein, wenn Mondt sich ein Scoutingsystem aufbaut, das aus Personen aus dem näheren Umfeld besteht. Die DEG ist keine kleine, neue Agentur, bei der man mal eben mit ein paar Kumpels anpackt und schon läuft der Laden.

Außerdem kommt noch ein anderes Problem hinzu. Sicher nicht alle Verantwortlichen werden glücklich mit der Personalie Mondt sein. Der neue Sportdirektor ist der Kandidat des bei der Kreutzer-Entlassung in die Kritik geratenen Stefan Adams. Scheitert Mondt, scheitert auch Geschäftsführer Adam. Zumindest kann sich der aktuelle Geschäftsführer der DEG nicht mehr viele Fehler leisten – er bleibt nach diesem Frühjahr ein paar Beweise schuldig, den Verein auch sportlich erfolgreicher aufstellen zu können.

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