Das DEG-Grundrauschen

Als WZ, WDR und Halbangst im vergangenen Jahr die Finanzprobleme der DEG aufdeckten, dachten wir hier im Blog an eine finale Episode, die über die Zukunft des Vereins entscheidet. Absturz oder endlich solider Erstligist?! Der Verein hat sich für etwas dazwischen entschieden – wie der Umgang mit Christof Kreutzer offenbart.

Als wir uns vor bald zwei Jahren mit Christof Kreutzer zum Interview trafen, hatten wir keine großen Erwartungen. Da wir als Blog keine Platzprobleme haben und uns das Tagesgeschäft mit all seinen sportlichen und medialen Zwängen und Nöten egal ist, dachten wir an ein langes, hintergründiges Gespräch – etwas anderes, als es sich in den Tageszeitungen dreimal die Woche findet und immer wieder aufs Neue langweilig ist. Allerdings – und deshalb die niedrigen Erwartungen – kannten wir den Cheftrainer der Düsseldorfer EG nur von Pressekonferenzen nach den Spielen, auf denen er oft um die richtigen Worte rang. Wir wussten nicht: War es nur der Emotionalität geschuldet oder ist CK – wie er in DEG-Kreisen abgekürzt wird – einfach rhetorisch nicht auf dem besten Level?

Am Ende wurden wir positiv überrascht. Vor uns saß ein angenehmer Typ, der klar, verständlich und ruhig mit uns ins Gespräch ging. Ein ganz anderer Kreutzer als der, der gerne mal nach den Spielen – fast schon stammelnd – über Gott und die (Schiedsrichter-)Welt wütet, mal die Fans angreift und auch die Mannschaft nicht außen vor lässt. Im Gespräch mit uns entwickelte er dagegen eine Vision seiner DEG. Ihm schwebte ein greifbarer Club vor, mit Spielern, die nahbar sind, Fans, die ernst genommen werden, und eine Gesamtkomposition des Clubs, bei der alle ein gemeinsames Ziel haben: Identifikation und Stabilität für einen der bedeutsamsten deutschen Sportvereine. Das gewünschte, sehr hintergründige Gespräch entstand tatsächlich – für den Leser sicher interessant.

Wenn der “Starspieler” mit den Eignern

Jetzt, zwei Jahre später, ist eben jener Christof Kreutzer kein Trainer mehr. Nach einer Spielzeit, in der die DEG zwar nicht zwingend vom nacktem Ergebnis, aber von der sportlichen Leistung her, enttäuschte. Nicht der elfte Platz wurde CK zum Verhängnis, sondern die Art und Weise, wie die Mannschaft spielte. Seien wir ehrlich: Mit dem Eishockey seiner ersten beiden Jahre als Trainer hatte das Gezeigte in der abgelaufenen Hauptrunde nichts mehr zu tun. Behäbiges Aufbauspiel, gedankenloses Teamplay, dämliche Strafen und keine erkennbare Grundtaktik. Teilweise war es ein derart wildes Gehacke um den Puck, dass es beim Zuschauen weh tat.

Genau in solchen Momenten, wenn auf einmal Spieler Tag für Tag an Leistung verlieren, beginnen selbstredend die Fragen. Es sind die immergleichen: nach dem Training, der Taktik oder der Zusammenstellung des Teams. Am Ende der Antwort landen wir dann immer beim Trainer. Das ist normal. Auch objektiv ist es so, dass Christof Kreutzer in dieser Spielzeit etwas unglücklich wirkte, seine Methoden nicht mehr funktionierten. Ganz schwierig wird es dann auch noch, wenn ein gut bezahlter, vermeintlicher Starspieler sich bei den Vereinsbossen über das Training beschwert, dort auch noch Gehör findet, statt sich Gedanken über seine eigene, schlechte – oder sagen wir beschämende – Leistung zu machen.

Fall für eine klassische Krisen-PR

Natürlich ist dann der Trainer nahezu chancenlos. Auch eine Vereins-Ikone wie CK hat es dann ganz schwer. All das ist nicht weiter tragisch. Kommunikations-Handbücher sehen für einen solchen Krisenfall, der die Trennung von einer Identifikationsfigur nun mal ist, klare Regeln vor. Dazu gehört, stets offen und schnell zu kommunizieren, Fehler einzugestehen und vor allem sind gemeinsame Sprachregelungen der Beteiligten zwingend. Dagegen sind Widersprüche, Schweigen und Aussitzen bei Strafe verboten. Zumindest, wenn man das alles ohne Schrammen überstehen will.

Doch wie das bei der DEG nun mal so ist: in solchen Fällen sieht der Verein immer wieder aufs Neue schlecht aus. Kaum ist Ende Februar die Hauptrunde beendet, geht das Grundrauschen wieder los. Aus mir, dem Fan auf der Geraden im Dome, wird auf einmal der Journalist, bei dem die Quellen sprudeln. War nach dem großen Krach des Vorjahres, als der Verein finanziell fast am Ende war, mal eine zeitlang Ruhe, klingelt auf einmal wieder das Telefon häufiger, fange ich selber an nachzufragen und stoße auf klare Fakten, die längst feststehen. Was ich  – wie jeder andere Fan auch – dagegen öffentlich zu sehen bekomme, ist eine Erklärung der Gesellschafter, man werde jetzt alles auf den Prüfstand stellen.

Falsche Zeitpunkte, Widersprüche und ein Falschschreiber

Dabei geht diese Mitteilung zu einem Zeitpunkt raus, bei dem allen Beteiligten – zumindest unterbewusst – schon längst klar ist, wohin die Reise geht: Kreutzer muss als Trainer gehen. Ob er eine andere Funktion im Club übernimmt ist bis dahin in der Tat noch offen. Statt da schon sauber zu sagen, dass es eigentlich vorbei ist, gibt man ein verschwurbeltes Kommunique heraus, teilweise mit Zitaten aus einer Präsentation des Trainers, dem man eigentlich keine weiteren Erfolge zutraut. Es ist der Beginn eines absurden Theaters. Es gibt eine Abschlussfeier vor den Fans, auf der kein noch aktiver Spieler offiziell verabschiedet wird, nicht mal der Trainer. Obwohl der ein Gesicht aufsetzt, das Bände spricht.

Statt jetzt, Anfang März, reinen Tisch zu machen, geschieht effektiv nichts. In den Zeitungen beginnen die Spekulationen. Man nimmt billigend in Kauf, dass der örtliche Redakteur der Rheinischen Post wieder ahnungslos im Nebel rumirren darf. Dabei weiß jeder rund um den Verein, dass dieser Kollege aufgrund seiner Provokationen und schlecht recherchierten Texte längst den Anschluss verloren hat. Diplomatisch formuliert man das so: Er steht längst nicht mehr im Diskurs seines eigenen Berichterstattungsgegenstandes.

Das Dementi des Dementis

Und so lange die DEG schweigt, umso länger können Kräfte wie diese wirken; den Verein beschädigen, schlimmer noch – sauber arbeitenden Medien die Glaubwürdigkeit nehmen. In Zeiten, in denen Sippenhaft gegen “die Medien” Massensport ist, sind vermeintliche Kollegen wie der Herr von der Rheinischen Post ein ernsthaftes Problem für unsere Zunft. Dass dem Kollegen das letztendlich egal ist, zeigt, wenn er allen längst bekannte oder bei anderen Medien abgeschriebene Meldungen Wochen später zu seinen Exklusivgeschichten mutieren lässt. Quellen bei abgeschriebenen Geschichten werden grundsätzlich nicht genannt.

Doch selbst nach dem Erscheinen der dümmsten, Unruhe stiftenden Geschichten, die trotz klarer, gegensätzlicher Faktenlage trotzdem in der RP erscheinen, passiert nichts: Die DEG schweigt weiter öffentlich. Sie versucht mit Hintergrundgesprächen Brandherde auszutreten (deren Inhalte dann – eigentlich eine weitere journalistische Schweinerei – im Express als Meinung des Blattes veröffentlicht werden). Und der Geschäftsführer dementiert hier Informationen, um dort wiederum das Dementi zu dementieren. Am Ende fängt sich der diffus kommunizierende Verein eine für öffentlich-rechtliche Medien ungewöhnlich deutliche Schelte. Während all dieser Wahnsinn geschieht, trainiert Christof Kreutzer die Mannschaft bis zum 24.03.2017 – dem letzten Trainingstag – einfach weiter.

Als Kreutzer nicht mehr Schweigen konnte

Zwar weiß er längst, was Sache ist, aber er hält still. Er ist der Einzige, der alles richtig macht, indem er sich nicht äußert. Eben bis zum letzten Training, von dem niemand offiziell weiß, dass es sein Ultimates ist, während inoffiziell seine Trainingsmethoden schon längst als 80er-Jahre-Stil gebrandmarkt sind. Erst als die Gefahr, dass der Trainer eben nicht mehr schweigt, real wird, handelt die Geschäftsstelle und verkündet das, was die ganze Geschichte gar nicht erst hätte eskalieren lassen: Christof Kreutzer wird nicht mehr Trainer sein. Über ein anderes Engagement wird noch gesprochen.

Eifrig wird in Agenturen noch nachgeschoben, dass es bei einem Nachfolgekandidat noch keine Entscheidung gebe, obwohl dieser aber längst – so wissen es alle gut informierten Journalisten – unterschrieben hat. Selbst in dem Moment, in dem es noch die Möglichkeit gegeben hatte, das ganze halbwegs ehrbar zu beenden, kommt der nächste Widerspruch. Statt “dazu sagen wir aktuell nichts” zum Mantra zu machen, wird der Weg für das nächste Dementi-Dementi geebnet. Wo Ehrlichkeit geholfen hätte, wird weiter laviert. Sowas rächt sich meistens. Die Düsseldorfer EG hat mal wieder im Frühjahr eines Jahres keine gute Figur abgegeben. Es sollte nicht zur Regel werden…

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