Das Verständnis ist weg

Dass die Düsseldorfer EG vor einer schwierigen Spielzeit stand, hat wohl jeder erwartet. Dass die Mannschaft nicht so stark wie im Vorjahr ist, ist auch nicht schlimm. Dass sich jedoch die Mannschaft in dieses Schiksal so ergibt, ist dagegen nicht akzeptabel.

Natürlich waren die vergangenen beiden Jahre fett für die Düsseldorfer EG. In zwei aufeinanderfolgenden Spielzeiten direkt in die Play-Offs eingezogen, mit einer Mannschaft, die deutlich über ihrem Niveau gespielt hatte, und sich somit wieder in die Herzen der Fans. Entsprechend hart war natürlich der Aufschlag, als es im Frühjahr hieß: kein Geld mehr da!

Die Geschichte um den Ex-Gesellschafter Ponomarev ist legendär und zu einem ungünstigen Zeitpunkt geschehen. Der Kader war schon gut gefüllt; an wirkliche Verstärkungen mit denen das Trainerteam vielleicht noch gerechnet hatte, war nicht zu denken. Es ging nur noch um das Überleben in der DEL und die Sicherung der Lizenz. Die gab es dann zwar, aber mit Auflagen und Beschränkungen. Wie gesagt, der für Ligaverhältnisse mittelgroße Etat war früh ausgereizt – mit zu vielen Spielern, die über dem Zenit sind. Hätte man im Frühjahr um die finanzielle Situation gewusst, wäre sicher der ein oder andere Vertrag nicht verlängert worden. Zumindest hätte man sicher kritischer über weitere Engagements eines Norm Milleys, Rob Collins, Tim Conboys oder gar die Verpflichtung eines Alex Bartas nachgedacht.

Ein paradoxer Kader

Diese Chance ergab sich jedoch nicht und die DEG musste mit einem paradoxen Kader in die Spielzeit gehen. Auf der einen Seite gehört das Durchschnittsalter mit 26,2 (vor den Nachverpflichtungen Adam Courchaine und Brandon Yip) zu den niedrigsten Werten in der Deutschen Eishockey Liga, auf der anderen Seite sind die vermeintlichen Leader des Teams zu alt. Problematischer wird dies, wenn in der Hierachie mögliche Nachfolger stark unter ihrem Niveau spielen. Wie zum Beispiel Bernhard Ebner, der aktuell eigentlich nicht mal mehr ligatauglich spielt.

Womit wir an dem Punkt sind, an dem das Verständnis schwindet. Die Umstände können ungünstig sein, die Aussichten gering. Aber trotzdem kann man sich wehren, kann zeigen, dass man es versucht. Zwischenzeitlich – nach einem guten ersten Spiel gegen die Kölner Haie – konnte das Umfeld sicher noch hoffen, dass die Mannschaft nicht nur nominell sondern auch inhaltlich die Reife für die DEL besitzt. Doch seitdem sehen die Zuschauer eher Stückwerk, als eine Mannschaft. Lustloses Gehacke, sinnentleerte Pässe, behäbiges und langsames Eishockey, garniert mit unnötigen Strafe, die sich wie ein roter Faden durch die Saison ziehen.

Stärker als gedacht?

Ein Konzept, ein homogenes Miteinander auf dem Eis, ist nicht zu erkennen. Das Spiel der DEG lebt häufig von Einzelaktionen und Zufällen. Schön anzuschauen ist das nicht – die Mannschaft ist ein spielerischer Stimmungskiller. Wer so spielt, hat die Ausgangslage nicht verstanden, hat sich oft stärker gesehen als er ist und ist im eintretenden Misserfolg dann mit der Situation vollends überfordert. Die Geschichte des Sports ist voll von solchen Abstürzen, wenn sich Mannschaften für zu gut halten. Da nützt dann auch das beste und vorsichtigste Umfeld nichts mehr. Wenn der Übermut von der Realität eingefangen wird, sind die Beine schwer. In der Fußball-Bundesliga ist aktuell Borussia Mönchengladbach ein Beispiel dafür, wie so etwas laufen kann.

Ebenfalls fast schon logisch, ist in einer solchen Lage, dass man sich die sportliche Leitung genauer anschaut. Trainer Christof Kreutzer erlebt zum ersten Mal in seiner Laufzeit bei der DEG richtigen Misserfolg, der mit ihm verbunden ist. Er steht für das System, für die Zusammenstellung der Reihen und die generelle sportliche Ausrichtung. Und da hat er faktisch nicht genug aus der Mannschaft geholt. Trotzdem sollte der Verein ihn (noch) nicht ersetzen. Eher sollten die Verantwortlichen von ihm jetzt eine Weiterentwicklung verlangen, die sie von der Mehrzahl der Spieler nicht mehr erwarten können.

Christof Kreutzer kommt an Veränderungen nicht vorbei

So muss Kreutzer jetzt Zeichen setzen: Er ist Trainer, er muss den Verein entwickeln und Perspektiven aufzeigen. Sind wir ehrlich: Die Spielzeit ist im Eimer, die Play-offs außer Reichweite. Entsprechend sollte er handeln wie ein Trainer und nicht wie ein Spieler. Er sollte die aus dem Kader werfen, die auf Dauer keine Bedeutung mehr für den weiteren Weg der DEG haben. Egal, ob sie ihm in dem ein oder anderen Fall persönlich nahe stehen. Rob Collins, Tim Conboy, Adam Courchaine, Alex Barta, Norm Milley, ja vielleicht sogar der dauernd schlechtgelaunte und ebenso spielende Bernhard Ebner blockieren Plätze: Für den ein oder anderen aus dem Nachwuchs, den Kreutzer jetzt risikolos bringen kann.

Damit würde der Trainer auch ein Zeichen an die Fans setzen. Derem Stimmungslage pendelt gerade zwischen genervt, gelangweilt und wütend hin und her. Zwar würden sie mit jungen Spielern zwar ebenfalls keine Siege sehen, aber wären wieder etwas begeisterter von ihrem Team. Und mit diesem Ziel war man ja auch in die Saison gegangen: Laut Homepage wollte man die Leute wieder begeistern. Noch nie war man seit dem Ausstieg der Metro weiter davon entfernt als in diesen Tagen. Entscheidend ist also nicht mehr, ob man in dieser Saison noch in die Play-offs kommt. Entscheidend ist in dieser Spielzeit nur noch, dass der Trainer durchgreift, erste Erkenntnisse für die neue Spielzeit sammelt und sich der Verein strukturell – zum Beispiel mit einem Sportdirektor – neu aufstellt. Auf jeden Fall braucht es jetzt AUF DEM EIS folgendes Zeichen: Diese Truppe hat in dieser Zusammensetzung über den Februar hinaus keine Zukunft mehr in Düsseldorf.

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