Die Scherben einer Saison

Die Düsseldorfer EG hat – wenn auch am Ende überraschend knapp – die Play-offs verpasst. Nach den finanziellen Querelen des vergangenen Sommers konnten die Fans so etwas erwarten. Die gezeigte Leistung der Mannschaft regt aber zum Nachdenken an.

Fangen wir mit dem Positiven an: Die Düsseldorfer EG spielt auch in der kommenden Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Das ist unstrittig, alle Gesellschafter der Profimannschaft stehen weiterhin hinter dem Club und der Zusage, dass der Standort bis mindestens Mitte 2019 gesichert ist. Sorgen müssen sich die Fans daher nicht machen – ein Aus in der DEL steht nicht zur Debatte.

Alles steht auf dem Prüfstand

Ansonsten geht es hinter den Kulissen hoch her. Nicht, weil die Spielzeit vom Ergebnis her eine Enttäuschung gewesen ist. Sondern die Art und Weise, wie der 11. Platz zustande kam, stellt alles auf den Prüfstand. Die Offensive war insgesamt überaltert, jüngere Spieler wie Manuel Strodel und Alexander Preibisch entwickelten sich nicht weiter. Kein Neuzugang schlug ein. Im Grunde können nur zwei Spieler von sich behaupten, eine Spielzeit auf gutem Niveau gespielt zu haben: Marcel Brandt vollzog endgültig den Wandel vom Stürmer zum überdurchschnittlichen DEL-Verteidiger und Max Kammerer explodierte gleich vollends – 26 Punkte holte er, für einen 20-Jährigen ein sensationeller Wert.

Damit war es das aber auch schon. Jeder andere Spieler im Kader hatte während der Spielzeit zu lange Phasen, in denen er unter Niveau spielte. In der Summe war das Eishockey der DEG in weiten Teilen unansehnlich und mehr ein wildes Gehake denn ein kontrolliertes Zusammenspiel. Dass das Trainerteam um Christof Kreutzer und Tobias Abstreiter seine Probleme hatte, zeigt, dass es zu keinem Zeitpunkt der Saison stabile Reihen oder gar dauerhaft funktionierende Spielerpaare gab. Auch das war ein deutlicher Unterschied zu den beiden vergangenen Jahren, in denen Kreutzer und Abstreiter die DEG stabil in die Play-offs führten.

Weiter keine neuen Sponsoren in Sicht

Insofern ist ein Schnitt im Kader wohl unausweichlich. Das dürfte Konsens sein. Selbst Spieler, die noch über gültige Arbeitspapiere verfügen, stehen auf dem Prüfstand. Offen ist, ob es Sinn ergibt, weiterhin mit Alexander Barta, Tim Conboy oder Stefan Daschner zu arbeiten. Zumindest im Fall Barta arbeitet der Club wohl daran, den bis 2019 gültigen Vertrag aufzulösen. Das wird zwar nicht derart teuer sein, wie manch einer munkelt, aber es wird Geld kosten und den finanziellen Spielraum einengen.

Und das ist die nächste eher schlechte Nachricht für die kommende Spielzeit: Mehr Geld als in der abgelaufenen Saison wird die DEG sicher nicht haben. Stand jetzt sind keine neuen Sponsoren in Sicht. Auch der im Mai vom Handball gekommene Geschäftsführer Stefan Adam hat noch keine Bäume ausreißen können – gibt es doch bisher keine neuen Sponsoren aus der Privatwirtschaft zu vermelden. Auch um den Club 2020 ist es in den vergangenen Monaten ruhig geworden. Die DEG hat schon länger keinen Neuzugang für dieses 5000 Euro teure Sponsoring-Paket vermeldet. Zudem ist bisher keiner aus dem Bestand der 2020-Mitglieder zum größeren Sponsor aufgestiegen.

Vorbilder Augsburg, Bremerhaven und Straubing

Bei den Geldgebern herrscht somit Stillstand. Es könnte nach unseren Informationen sogar dazu kommen, dass der ein oder andere noch abspringen wird oder dies möglicherweise schon getan hat. Der Etat wird also eher niedriger ausfallen. Und trotzdem sollte es sportlich möglich sein, einen brauchbaren Kader auf die Beine zu stellen. Der Etat der DEG gehörte zuletzt nicht zu den kleinsten der DEL. Da gibt es Clubs die mit weniger haushalten müssen und das mitunter besser machen. Ein Blick nach Augsburg, Bremerhaven oder Straubing genügt. Was diese Vereine jedoch auszeichnet, ist eine bessere sportliche Aufstellung, vor allem im Scouting guter Kontingentspieler.

Bei der DEG ist genau das die Schwachstelle. Hier bleibt zuviel an Cheftrainer Christof Kreutzer hängen. Er ist bisher Trainer und Sportdirektor in einem. In seiner bisher dreijährigen Amtszeit ist das zum ersten Mal ein größeres Problem. Sein Netzwerk nach Nordamerika ist nicht groß genug; der DEG entgeht damit ein großes Stück Transferkreativität. Zudem ist er einer der Trainer, bei denen es immer so schön heißt, sie kämen über die Emotion. Was im Umkehrschluss leider heißt: Taktisch gibt es Mängel. Hier hat die Arbeitsteilung mit Tobias Abstreiter in diesem Jahr nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht. Auch die Taktiken des Co-Trainers konnten das Aus nach der Hinrunde nicht verhindern.

Christof Kreutzer steht auf der Kippe

Erst als es eigentlich schon zu spät war, kam die Mannschaft in Fahrt, und hielt sich dadurch eher überraschend bis zum Schluss im Rennen um die Play-off-Plätze. Doch das kaschiert nur mehr als oberflächlich. In der Summe bleibt einfach eine Spielzeit, bei der die Leistung des Trainerteams deutlich Luft nach oben hat. Das scheint auch den Gesellschaftern nicht entgangen zu sein, die offenbar aktiver werden als in der Vergangenheit. Zumindest gibt es dort kein einheitliches und klares Bekenntnis zu Christof Kreutzer mehr. Erstmals in seiner Amtszeit steht das DEG-Urgestein unter Beobachtung, sein Stuhl wackelt bedenklich.

Dabei wäre eine Trennung von Christof Kreutzer eher ein Fehler. Die Gesamtbilanz seiner bisherigen Amtszeit ist immer noch positiv, die Rahmenbedingungen der abgelaufenen Spielzeit waren alles andere als optimal und mit den daraus resultierenden, sportlichen Problemen türmten sich die Aufgaben. Die Gesellschafter sollten daher nicht vergessen, dass die DEG die Kreutzers erste Trainerstation in der DEL ist. Sich jetzt von ihm zu trennen hieße, man handele wie jeder andere Verein, habe kein Vertrauen darin, dass sich der Trainer entwickeln kann. Man würde die positiven Aspekte ausblenden. Nur auf seine Arbeit als Trainer reduziert, ist Kreutzer nämlich durchaus in der Lage, ein Mittelklasse-Team auf Tuchfühlung zur Spitze zu coachen. Das haben seine erste beiden Jahre gezeigt.

Geld für neue sportliche Organisation ist da

Daher sollte der Fokus der Gesellschafter eher darauf liegen, dass Kreutzer einen brauchbaren Sportdirektor an die Seite gestellt bekommt, womit die sportliche Organisation nicht mehr von der Mangelverwaltung der vergangenen Jahre lebt. Das Geld für diese Veränderung haben die Gesellschafter nach unseren Informationen inzwischen bereit gestellt.

Gelingt diese Umorganisation der sportlichen Leitung, sollte die DEG für den kommenden Herbst eine andere, günstigere, aber auch verbesserte Mannschaft zusammenstellen können. Die dann mit ihren sportlichen Leistungen neue Geldgeber ranholt. Schließlich ist sportlicher Erfolg – so zeigt sich bei der DEG immer wieder – der einzige Weg, den Verein finanziell abzusichern.

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